In einem Beispielfall, den der BR bei seinen Recherchen aufgefunden hatte, war es einem Mann passiert, dass er für den Mallorca-Urlaub mit seiner Familie für eine Woche ein Auto gebucht hatte und dann bei der Abholung am Flughafen in Palma aufgefordert wurde, weitere 153 Euro für die Vollkasko-Versicherung zu zahlen, obgleich er diesen Posten bei seiner Buchung bereits mitbeglichen hatte.

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"Ich habe meinen Mietwagen über das Internet bei einer Firma gemietet und dabei nicht den billigsten genommen. Mit Vollkasko. Was ja auch wichtig ist. Und jetzt komme ich zu der Station und die sagen, ich soll noch eine abschließen, mit der theoretisch dann alles abgedeckt ist." – so der Interviewte, Marco Kayser aus Strehla. Der Mann kontaktierte seine Bank zu Hause in Deutschland, weil der Autovermieter unnachgiebig blieb und eine Kaution in Höhe von 1.900 Euro einforderte, weil sich Kayser weigerte, noch einmal eine Versicherung abzuschließen.

Vollkasko von Check24 wollte Autovermieter nicht akzeptieren

Aber so viel, wie an Kaution gefordert wurde, hatte die Kreditkarte nicht übrig. Unangenehme Situation. Ein Einzelfall? Der Bayrische Rundfunk machte den Test und buchte online über Check24 einen Citroën, Abholort Palma, Flughafen. Der Mietwagen wird für zwei Tage und insgesamt 90 Euro inklusive Vollkasko-Versicherung bereitgestellt, ein optimaler Versicherungsschutz ist damit eigentlich gegeben gegen Unfälle oder Diebstahl, ganz ohne Selbstbeteiligung.

"Machen Sie sich keine Sorgen und genießen ganz entspannt Ihre Fahrt!", steht zur Buchung geschrieben. Am Tag der Abholung gibt es dann aber doch Grund zur Sorge. Die Frage nach der Vollkasko wird gestellt, die bereits gekaufte Vollkasko wird nicht akzeptiert, eine zweite soll für 64 Euro gekauft werden. Es heißt: "Aber hier müssen Sie jetzt 64 Euro für die Versicherung bezahlen. Sie haben hier keinen Vollkaskoschutz, wenn sie zum Beispiel einen Unfall haben."

Kaution statt zweifacher Vollkasko?

Und die Leute vom BR entgegnen: "Das ist falsch, ich habe alles versichert durch einen Premiumschutz und den habe ich auch bezahlt". Nun heißt es von Seiten der Autovermietung, bei Weigerung eines Versicherungskaufs müsse man eben 1.200 Euro Kaution per Kreditkarte hinterlegen, so dass ein Schaden, wenn er entsteht, darüber geregelt werden könne. Somit ist klar, der Fall der Mannes aus Strehla ist nicht Zufall, sondern vielleicht Programm. Dass es einem Briten, der ebenfalls in der Schlange bei der Autovermietung hinter den Journalisten des BR stand, auch so erging, erhärtet den Verdacht:

"Ich habe online bezahlt und eine Versicherung gekauft, bei der alles abgedeckt ist: Extra Super Cover. Dafür habe ich insgesamt 180 Pfund bezahlt. Jetzt komme ich hier am Flughafen an und die sagen mir, dass ich noch einmal für die Versicherung bezahlen soll. Sie wollten weitere 90 Euro von mir haben, die ich aber nicht bezahlt habe." Warum ist das so? Der BR begründet es damit, dass bei der Buchung eines Fahrzeugs mit Vollkasko über ein Onlineportal zwar der Betrag für die Wagenmiete weitergegeben, der Betrag für die Versicherung aber einbehalten wird.

Versicherungsschutz besteht so oder so

Das Geschäft mit der Versicherung betreibt der Seitenanbieter also auf eigene Rechnung und der Autovermieter hat von dem gezahlten Versicherungsbeitrag tatsächlich nichts erhalten – aber ein Versicherungsschutz besteht. Wird man nun als Kunde genötigt, noch eine Versicherung abzuschließen, sollte man hart bleiben und nicht darauf eingehen.

Check24 bietet sich als Gesprächspartner an, wenn es zu Problemen kommt, so äußerte sich das Portal über einen Sprecher gegenüber BR. "Wir empfehlen unseren Kunden, diese Versicherung vor Ort nicht zusätzlich abzuschließen - wenn der Versicherungsschutz in den Paketen, die gebucht worden sind, ausreicht. Wenn es wirklich zu Problemen kommt, dann bitte unseren Kundenservice kontaktieren, der kann sich auch mit dem Vermieter vor Ort in der Landessprache in Verbindung setzen und da weiterhelfen", sagte Dominik Faber von Check24.

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Konsequent auftreten

Da das Ganze nicht immer ganz reibungslos verläuft und Kunden bisweilen auch in sehr unangenehme Situationen geraten, wie die Bayerische Verbraucherzentrale registriert hat, soll den Kunden nicht davon abhalten, auf seinem Standpunkt zu beharren. "Sie können als Kunde nur hart bleiben. Sie müssen sich im Vorfeld genau Gedanken machen: Was habe ich eigentlich für einen Versicherungsschutz? Sie sollten nach Möglichkeit eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung abschließen. Dann brauchen sie gar nicht mehr zusätzlich absichern. Sie müssen dann vor Ort ganz deutlich klarmachen: Ich möchte keinen zusätzlichen Versicherungsschutz. Ich möchte die Leistung so bekommen, wie ich sie bestellt und bezahlt habe.", rät Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern.

Bayerischer Rundfunk