Wo soll man anfangen? Im diesem Strafverfahren 1041 Js 6067/15, über das der Wochenspiegel jüngst exklusiv berichtete, ist ein klarer Weg schwer nachzuzeichnen. Da gibt es einerseits einen mutmaßlichen Auftraggeber, einen Versicherungsfachmann sowie vier weitere Angeklagte, die in unterschiedlichen Abschnitten an der Verwirklichung eines mutmaßlich kriminellen Plans mitwirkten.

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Der Plan war dabei noch das Einfachste: einen Brand inszenieren und dann Geld von der Versicherung beziehen. Die Umsetzung war offenbar überaus schwierig. In der Reihe der Brandanschläge im Frühjahr diesen Jahres wurde, nach einem Testlauf in einem leer stehenden Haus, dreimal versucht, die Pizzeria abzubrennen. Dabei war die Vorbereitung gar nicht schlecht gewesen, gut durchdacht, durchfinanziert, samt Übungseinheiten. Aber die Pizzeria wollte nicht brennen.

Zum Auftakt des Prozesses fühlte sich der Ex-Betreiber der Pizzeria noch nicht in der Lage, Stellung zu beziehen, wie sein Anwalt mitteilte. So oblag es der Kammer, ganz allein herauszufinden, was genau sich da eigentlich ereignet hatte. Dass sie einiges an Fäden zu entspinnen hatte, zeigte bereits die ellenlange Anklageschrift, deren Verlesung über zwanzig Minuten dauerte.

Versicherungsvertreter arbeitet mit Helfer an Betrug

Die Staatsanwaltschaft rekonstruierte also folgenden Ablauf: Der Chef der Pizzeria hatte offenbar keine Lust mehr auf sein Gewerbe und im März diesen Jahres wuchs in ihm die Idee heran, den ganzen Laden samt Gebäude niederzubrennen. Er stellte sich vor, dass seine Versicherung ihm dafür 600.000 Euro auszahlen würde. Daraufhin erkundete er bei einem Bekannten, wie es aussähe, ob der denn vielleicht jemanden kenne, der das Lokal in Brand setzten könne.

Dieser befragte "Jemand" war übrigens ein Versicherungsvertreter, der beim Nachdenken über einen geeigneten Brandstifter auf seinen zwanzigjährigen Praktikanten kam. Dieser zeigte sich nachher auch willens und hatte sich bereits in der Vergangenheit als zuverlässiger Partner auf abseitigen Wegen bewiesen. Gemeinsam hatten der Praktikant und der Versicherungsvertreter einen Einbruch im Haus der Letzteren fingiert, von der Versicherung eine Entschädigung bekommen und sich die Summe solidarisch geteilt.

Was einmal klappt, klappt auch ein zweites Mal, dachten sie wohl. Für die erfolgreiche Ausführung der Brandstiftung versprach der Gastronom diesem Team pro Person 20.000 Euro. Die beiden buchten „Täter“, sie selbst wollten lieber nicht in die Brandstiftung involviert sein. Die gekauften Brandstifter gingen nun sehr koordiniert vor. Setzten einen Probebrand in einem leer stehenden Haus, trafen sich zu Vorbesprechungen, gingen einkaufen: zwei Kanister Benzin, elf Flaschen Propangas.

Als alles bereit schien, flog der Pizzeria-Besitzer in die Dominikanische Republik, wegen des Alibis. Die Schlüssel zum fraglichen Gebäude hatte er den Brandstiftern vorher ausgehändigt. Optimale Bedingungen, müsste man meinen. Dass das Gebäude nicht nur die Heimat von Pizzen war, sondern auch von anderen Mietern, schien bei der Anschlagsplanung nachrangig, was nun wohl mit besonderer Schwere auf den bunten Haufen der Angeklagten zurückfällt.

Endlich konnte es losgehen. Die Männer vergossen Benzin im Keller, deponierten die Gasflaschen, installierten eine Zeitschaltuhr. Das würde eine feine Explosion und ein nicht mickriges Feuerchen ergeben, so die Hoffnung.

Versicherungsbetrug und Brandstiftung sind nichts für Anfänger

Doch nichts geschah. So mussten sie noch einmal aktiv werden und selbst an einzelnen Stellen des Gebäudes Feuer legen, was jedoch nicht die gewünschte Wirkung zeigte. Schon kam die Feuerwehr. Ein kleiner Schaden war aber doch zu verzeichnen, der Pizzeria-Chef erhielt 40.000 Euro von der Versicherung, somit hatte er die Ausgaben für die Inszenierung wieder gut gemacht. Das war aber nicht sein Ziel gewesen und außer sich vor Wut drohte er nun seinen Helfern, diesmal sollten sie alles richtig machen, sonst müsse er ihre Tötung in Betracht ziehen.

Diese Drohung nahmen sie also sehr Ernst. Über das eigenen Versagen enttäuscht, übertrugen sie die Aufgabe des Feuerlegens wieder an einen anderen Helfer. Der stieg aufs Dach, goss Benzin in die Lüftung. Der Gastronom, der Praktikant und der Versicherungsvertreter gingen währenddessen in froher Erwartung in die Disco tanzen. Doch indessen in der Pizzeria: wieder kein richtiger Brand. Dann war der Besitzer mit seinem Latein am Ende. Alles muss man selber machen, er legte Feuer. Die Feuerwehr kam, rettete das Haus schon wieder, all der Aufwand war umsonst gewesen. Und dann die Anklage. Versicherungsbetrug ist wirklich nicht ohne, so zumindest legen es die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nahe. Noch ist kein Urteil ergangen, der Prozess wird am 11. November fortgesetzt.