Auch wenn der Bundesfinanzminister das Zugeständnnis einer Senkung des Garantiezins auf 1,25 Prozent gemacht hat, geht diese unflexible Zusage den Versicherungskonzernen angesichts der aktuellen Wirtschaftswetterlage zu weit. Sie vertrauen eher auf eine flexible Gewinnbeteiligung in Abhängigkeit des jeweiligen Marktumfelds. Die Allianz will nun die klassische Lebensversicherung mit Garantiezins nicht mehr aktiv vertreiben. Das heißt: Ein Kunde muss dieses Produkt gezielt fordern, wenn er es abschließen will. Im Vordergrund stehen nun Altersvorsorgeprodukte, welche auf alternativen Garantiemodellen fußen, so entlastet sich das Unternehmen – aber dem Kunden ist während der Ansparphase nur noch das eingezahlte Kapital sicher.

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Klassische Garantiemodelle müssen ersetzt werden

Damit stützt sich die Allianz künftig auf Altersvorsorgeprodukte mit alternativen Garantiemodellen, mit denen das Geld des Kunden während der Ansparphase aufgrund geringer Risikokapitalforderungen freier angelegt werden kann, was im Ergebnis eine höhere Rendite im Jahr versprechen soll. Volker Priebe, Chefproduktentwickler der Allianz Lebensversicherung, sieht heute in keiner Situation mehr einen Grund, die klassische Altersvorsorge anzubieten. Mittlerweile würden 95 Prozent der Marktteilnehmer ebenso denken.

Denn der Garantiezins könnte sich für einige Versicherungskonzerne zur Frage entwickeln, die über Fortbestand oder Niedergang entscheidet, wie das Börsenportal der ARD schreibt. Auch die Munich-Re-Tochter Ergo hat bereits dem Garantiezins den Todesstoß versetzt.

Produkte, die der Allianz-Konzern nun alternativ auf die Bahn brachte, sind seit Einführung des ersten alternativen Vorsorgekonzepts vor zwei Jahren auch das seit Juli diesen Jahres angebotene Vorsorgekonzept Allianz KomfortDynamik. Produkte ohne Garantiezins, wie Versicherungsbote berichtete.

Vier-Prozent Verzinsung: Traumjahre sind vorbei

Zur Mitte der 90er Jahre sicherten die Konzerne während der kompletten Versicherungsdauer ihren Kunden noch vier Prozent Verzinsung zu. In der aktuellen Niedrigzinsphase wird das zum Problem für die Versicherer. Sie werden zerrieben zwischen den niedrigen Zinsen am Markt und den hohen Zinsversprechen gegenüber den Kunden bei den Altverträgen.

Die hohen Kapitalanforderungen tun ihr übriges, um die Gewinne in Bodennähe zu halten. Bevor die Anforderungen in gigantische Höhen schnellen, muss man sie loswerden. Auch Europas größter Versicherer wägt deshalb ab, sich von einem großen Teil seiner alten Versicherungsverträge zu verabschieden. Vorstandschef Oliver Bäte sagte gegenüber der "Financial Times", die Allianz würde gegenwärtig weite Teile ihres Geschäfts abklopfen, welches "gigantische" Mengen an Eigenkapital beanspruche: Alt-Bestände in der Lebensversicherung "fressen enorme Mengen an Kapital unter Solvency II”, sagte Bäte.

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Darüber hinaus verriet Bäte, dass sich deutsche Lebensversicherte keinen Kopf zu machen brauchten, bald "verkauft" zu werden. Vielmehr stünden Teile des Auslandsgeschäfts im Fokus. Wohin geht das belastende Material? Alte Vertragsbestände inklusive der Kapitalanlagen und Zahlungsverpflichtungen werden in der Regel von Rückversicherern und anderen Unternehmen angenommen. Beispielsweise spielen hier Swiss Re, der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, oder der drittplatzierte im Geschäft Hannover Rück eine tragende Rolle.

ARD Börsenstudio, Versicherungsbote