Altersvorsorge ist ein wichtiges Thema - gerade auch für junge Menschen. Denn, darauf weist die Sendung hin, die gesetzliche Rente wird nicht ausreichend sein: Das Niveau der gesetzlichen Rente betrug 1990 noch 55 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns, aktuell sind es 47 Prozent, 2030 werden es voraussichtlich noch 43 Prozent sein - so wird private Altersvorsorge unverzichtbar. Ja, auch Norbert Blüm glaubt nicht (länger) an die gesetzliche Rente.

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Altersvorsorge für Berufseinsteiger - aber richtig

Doch wie sorgt man vor? Laut WISO-Redaktion durch unabhängige Beratung, mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung, einem Altersvorsorgeplan und durch Nutzung flexibler Geldanlagen.

Grundsätzlich ist an diesem Weg nichts verkehrt. Doch man muss genauer hinsehen, denn die Empfehlungen sind recht pauschaler Natur.

So setzt WISO bei der Altersvorsorge für Berufseinsteiger zunächst auf unabhängige Beratung - und zwar durch Verbraucherzentralen. Denn: Diese sei vergleichsweise „sehr preiswert, wenn man sie mit den Provisionen für Vermittler und erst recht mit den möglichen Verlusten durch Falschanlagen vergleicht, die leicht in die Tausende gehen können. Tausende, die der Berufseinsteiger später nicht auf seinem Konto hat“, heißt es.

Unabhängige Beratung zur Altersvorsorge - bei der Verbraucherzentrale

Diese Aussage ist mindestens mit Vorsicht zu genießen. Bei der Verbraucherzentrale kann man keine Verträge für die Altersvorsorge abschließen - das erledigt man meist beim Versicherer, Vermittler oder beim Berater der Bank. Provisionen oder auch Courtagen, die diese für die Beratung und schließlich für die Vermittlung (bei Versicherungsmaklern auch für die langfristige Betreuung) eines Vertrags erhalten, sind z. T. in Beiträgen bereits mit einkalkuliert.

Zudem beraten Versicherungsmakler oder Versicherungsberater Kunden ebenfalls unabhängig - denn dazu sind sie per Gesetz verpflichtet! Verbraucherzentralen sind dies faktisch nicht. Sie können lediglich eine Orientierung geben. An dieser Stelle sei auf den Versicherungsbote „Vermittlerwegweiser“ verwiesen.

Unberücksichtigt lässt das Magazin weiter, dass Verbraucherzentralen für eine fehlerhafte Beratung nicht haften, diese nicht dokumentieren müssen und auch nicht einen umfassenden Versicherungsschutz garantieren. Anders als bei Versicherungsmaklern, die im Falle der Verletzung ihrer Beratungspflichten haften müssen. Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ist für sie Pflicht. Und nicht ohne Grund gehört es deshalb außerdem zu ihren Pflichten, eine Beratung zu dokumentieren. Ein Versicherungsmakler ist rechtlich nicht nur verpflichtet, seinem Kunden den bestmöglichen, sondern auch umfassenden Versicherungsschutz zu vermitteln. Für bestimmte Verträge gilt zudem eine Stornohaftungszeit, d. h. die Courtage ist dem Versicherer zurückzahlen, wenn ein Vertrag frühzeitig gekündigt wird.

Empfohlene Altersvorsorgekonzepte sind kritisch zu hinterfragen

Richtig ist, im Zuge der Altersvorsorge an den Schutz vor Berufsunfähigkeit zu denken. Ohne die Sicherung des Einkommens wird eine Beitragszahlung für Altersvorsorgeverträge im Falle der Arbeitsunfähigkeit schwierig. Damit ist aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung bereits relevant, bevor man sich an eine Altersvorsorge wagt.

Abgeraten wird von Riesterrentenversicherungen - aber nicht vom Riestern an sich: So sollen junge Menschen einen Banksparplan mit Riester-Zertifikat wählen, da die staatliche Zulage im aktuellen Niedrigzinsumfeld die einzige „Rendite“ darstelle, die man „risikolos mitnehmen“ könne. Die Aussage ist kritisch zu betrachten: Eine von Öko-Test in 2011 durchgeführte Untersuchung von Riester-Banksparplänen erklärt, dass Anlagen zwar grundsätzlich relativ sicher seien, aber die Renten trotz guter Rendite mager ausfallen könnten. „Wie hoch die Riester-Rente von der Bank sein wird, erfahren die Kunden bei Vertragsabschluss nicht. Verbraucher können vorab also nicht erkennen, ob die Bank, die in der Ansparphase gute Konditionen bietet, in der Rentenphase abkassiert“, heißt es im Testbericht. Zu beachten ist weiterhin, dass die Verzinsung der Sparbeiträge variieren kann. Sie wird an die aktuelle Marktsituation angepasst - dadurch profitieren Kunden von Verbesserungen, doch im aktuellen Niedrigzinsumfeld könnte es schwieriger werden.

Empfohlen wird weiter die Vorsorge mit Aktienindexfonds (ETFs). Aus Verbraucherschutzssicht sind diese Indexfonds als langfristige Anlage gut geeignet - so verursachen sie niedrige Kosten und unterliegen einer strengen Aufsicht durch Behörden. Sie bilden einen Index mit mehreren Wertpapieren ab - die Streuung mindert so das Risiko im Vergleich zu Einzelanlagen. Eine genauere Information vorab ist dennoch wichtig: Anleger sollten erst darüber nachdenken, wie viel Rendite sie erwarten und welche Verluste sie akzeptieren können, bevor sie sich für ein solches Produkt entscheiden. Denn die in ETFs enthaltenden Wertpapiere unterliegen marktüblichen Schwankungen und können zu Verlusten führen. Und es gibt noch einen weiteren Haken: ETFs haben keine aktive Verwaltung, d. h. bei negativer Entwicklung greift kein Risikomanagement steuernd ein.

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So gehen die WISO-Tipps leider nicht genügend ins Detail. Verkannt wird auch, dass Berufseinsteiger einer Institution Vertrauen schenken, die zwar durchaus eine Orientierung bieten kann, aber keinerlei Haftung für ihre Beratung übernimmt.