Versicherungsbote: Wir wollen über Altersvorsorge reden. Zwar steigt die Zahl der Aktionärinnen und Aktionäre seit Jahren: aber nicht einmal jeder sechste Deutsche investiert am Aktienmarkt. Wie kann man den deutschen Sparern die Angst vor dem Aktienmarkt nehmen, vielleicht auch gegen bestehende Vorurteile wie „Finanzwette“ etc.?

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Jawed Barna: Die „Angst“ vor dem Aktienmarkt sehe ich nicht. Im Gegenteil: Wir beobachten, dass sich die Bürger angesichts des Niedrig- oder Strafzinses bei gleichzeitig spürbarer Inflation eher darüber Gedanken machen, welche alternativen Modelle es für ihre finanzielle Absicherung und Vorsorge im Alter gibt. Die Einstellung zur Vorsorge hat sich in der Niedrigzinsphase verändert: der überwiegende Teil unserer Kunden ist bereit, auf Garantien zu verzichten, wenn im Gegenzug die Renditechancen steigen. Das bedarf natürlich auch einer Beratung. Unsere Vertriebspartner sind aber hervorragend qualifiziert, um hier entsprechend kompetent zu unterstützen, sodass Verständnis entsteht und Vorurteile abgebaut werden.

Seit Jahren steht die kapitalbildende Lebensversicherung in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen unter Beschuss: durch Verbraucherschützer, aber auch in vielen Medien. Klassische Garantiemodelle sind aus dem Neugeschäft fast verschwunden. Welche Rolle wird die Lebensversicherung künftig in der Altersvorsorge haben: und was erwidern Sie jenen, die diese Anlageform bereits abschreiben?

Zurich steht ganz klar zur Lebensversicherung. Wir haben uns bereits vor vielen Jahren als Vorreiter im Markt vom klassischen Lebensversicherungsgeschäft in Richtung fondsbasierte Angebote entwickelt. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland folgen diesem Angebot gerne. Heute gehören wir zu den beiden führenden Anbietern im Markt. Und diese Position wollen und werden wir behaupten. Natürlich werden wir dabei unser Angebot in diesem Segment immer wieder den aktuellen Entwicklungen und den Bedürfnissen unserer Kunden anpassen. Aber im Kern ist und bleibt die fondsbasierte Lebensversicherung eine wichtige Säule der Altersvorsorge.

Die Fondsgebundene Rentenversicherung wird zum Hoffnungsträger der Branche: Das Neugeschäft wuchs 2020 um 42 Prozent, mittlerweile halten 4,3 Millionen Menschen einen solchen Vertrag. Wie werden diese Modelle bei der Zurich nachgefragt - und erwarten Sie, dass der Boom anhält?

Die positive Entwicklung der fondsgebundene Rentenversicherung ist mehr als ein „Boom“ – es ist eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung. Der Corona-Virus hat gezeigt, dass für eine moderne private oder betriebliche Altersvorsorge kein Weg an einer aktienorientierten, fondsgebundenen Versicherungslösung vorbeigeht, insbesondere für lange Vertragslaufzeiten. Zahlreiche Studien belegen, dass eine langfristige Anlage in Aktienfonds mit einem geringeren Verlustrisiko einhergeht. Mit den gemanagten Depotmodellen von Zurich können unsere Kunden den Aktienanteil selber bestimmen und das Kapitalmarktrisiko breiter streuen. Die fondsgebundene Rentenversicherung vereint renditestarke Investmentfonds sowie einen Versicherungsschutz von attraktiven Rentenversicherungen. Ein weiterer Vorteil: auch wer nachhaltig investieren möchte, muss im Vergleich zu konventionellen Kapitalanlagen nicht auf Rendite verzichten. Zahlreiche Studien und auch die von Zurich in der Kapitalanlage selbst gemachten Erfahrungen über viele Jahre bestätigen das.

Eine Krise erlebt hingegen die Riester-Rente. Mehrere Anbieter, u.a. die DWS, haben sich aus dem Neugeschäft zurückgezogen. Wird die Zurich Deutschland an Riester festhalten - auch unter den gegebenen Bedingungen? Was muss sich ändern, damit Riester wieder attraktiver wird?

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Das Niedrigzinsumfeld macht es bereits seit langem schwierig, Beitragsgarantien zu sichern und Chancen auf attraktive Wertentwicklung zu ermöglichen. Die Riester-Förderung hat zahlreiche Kunden einen attraktiven Einstieg in die private Vorsorge ermöglicht und wird für diese Kunden auch weiterhin ein gutes Vorsorgeinstrument sein - Riester ist grundsätzlich ein gutes Fördermodell. Mit einer Vereinfachung in der Verwaltung, einer vereinfachten Zulagenmethodik und dem Entfall beziehungsweise der Reduzierung der Garantie auf beispielsweise 80 Prozent ließe sich das Modell fortführen und sogar für die Bestandsverträge verbessern. Eine solche Reform wäre sicherlich für alle Beteiligten zielführender als eine komplett neue Fördervariante, die das Gesamtsystem weiter verkomplizieren und die Bürgerinnen und Bürger verunsichern würde. Hier ist die Politik wiederholt gefordert, Kontinuität und Verlässlichkeit zu zeigen.

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