Als Fazit wäre das aber zu kurz und würde über die durchaus ernsten Anliegen der Versicherungsmathematiker hinwegtäuschen. Denn die Aktuare plädieren dafür, die Finanzierung der Rentenversicherung zu stabilisieren und nach den „anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik“ zu kalkulieren. Die DAV sieht gar die ganze umlagefinanzierte 1. Säule der Altersvorsorge in „Bedrängnis“. Wichtigster Grund dafür: Der demografische Wandel.

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Das Ausdünnen der Bevölkerungspyramide führt dazu, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentenempfänger finanzieren. Was das bedeutet, lässt sich anhand folgender Zahlen verdeutlichen: Finanzierten 1950 noch sechs aktive Versicherte einen Rentenempfänger, waren es 2010 nur noch drei. 2050 werden es laut der 14. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes nur noch zwei Beitragszahler sein, die einen Rentenempfänger finanzieren.

Explodierende Kosten - nur Panikmache?

Auch ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums stützt sich auf diese Zahlen. Um zu verdeutlichen, auf welchem Abweg sich die deutsche Rentenpolitik befindet, wurde in dem Gutachten das „Weiter-so“ in die Zukunft hochgerechnet. Da die „Stellschrauben“ Rentenniveau und Beitragshöhe durch die Haltelinien blockiert sind, bleibt dem Gutachten zufolge nur eine deutliche Steigerung der Bundeszuschüsse. Sollen die Haltelinien Bestand haben, müsste der Bund bis 2040 44 Prozent seines Etats zuschiessen und bis 2060 sogar über 55 Prozent. „Das würde den Bundeshaushalt sprengen und wäre auch mit massiven Steuererhöhungen nicht finanzierbar“, so Prof. Klaus M. Schmidt (LMU München), Vorsitzender des Beirats anlässlich der Vorlage des Gutachtens. Schmidt sah angesichts dieser drohenden Entwicklung gar die Tragfähigkeit des Sozialsystems gefährdet.

Dafür musste sich der wissenschaftliche Beirat heftige Kritik anhören. „Anders als es manche Stimmen vermitteln wollen, wird sich das Verhältnis von Bundeszuschüssen zu Rentenausgaben in den kommenden Jahren kaum verändern und sogar noch hinter dem Stand von 2010 zurückbleiben“, so Anja Piel, Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ihr Eindruck sei, so Piel weiter: Ein Generationenkonflikt solle herbeigeredet werden, den es aber gar nicht geben würde.

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Auch in dieser Debatte bezieht die DAV eher eine ausgleichende Stellung: „Übertriebener Alarmismus hilft niemandem, aber die notwendigen Veränderungen unseres Alterssicherungssystems dürfen auch nicht von einer Regierungskommission in die nächste delegiert werden“, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Dr. Maximilian Happacher, auf einer Online-Veranstaltung der Versicherungsmathematiker.

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