Versicherungsexperten erwarten, dass die Absenkung des Garantiezinses von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent auch die Riester-Rente unattraktiver werden lässt. Vor allem ältere Kunden müssten zukünftig mit einer deutlichen Einschränkung des Angebotes rechnen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Und immer mehr Ältere finden gar keine Police.

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Der Grund: Für die Riester-Anbieter wird es schwieriger, mit Staatsanleihen und anderen vermeintlich sicheren Anlagen eine hohe Verzinsung im Sinne des Kunden zu erzielen. Das erschwert es ihnen auch, die gesetzlich zugesicherte Beitragsgarantie zu erfüllen. Schließlich hat jeder Kunde ein Anrecht darauf, dass ihm zum vereinbarten Rentenbeginn mindestens die Summe aller eingezahlten Beträge als Grundlage der monatlichen Rente angerechnet wird.

Schon ab Mitte 40 keine Riester-Rente mehr?

Mit einem Höchstrechnungszins von 1,25 Prozent muss ein branchenüblicher Vertrag mindestens 20 Jahre laufen, damit der Versicherer die hohen Kosten der Police durch die Garantieverzinsung kompensiert hat. Dies mache es nun für ältere Sparer schwierig, überhaupt noch eine Riester-Rente zu finden, erklärt BDV-Vorsitzender Axel Kleinlein der FAZ. Schon ab Mitte 40 könne dies zukünftig problematisch werden, wenn die Anbieter das erlaubte Höchsteintrittsalter weiter absenken werden.

Erste Anzeichen dieser Tendenz gibt es bereits. Zum Jahreswechsel haben die Versicherer Ergo, Cosmos Direkt und Öffentliche Braunschweig das Höchsteintrittsalter für Riester-Renten auf 50 Jahre reduziert. Bei vielen anderen Gesellschaften liegt es derzeit bei 52 Jahren. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass sich die Policen für Ältere essentiell verteuern werden.

Auch für fondsgebundene Policen werden neue Probleme erwartet. Bei sogenannten Zwei-Topf-Lösungen, die Fondssparen mit einem klassischen Deckungsstock kombinieren, muss zukünftig ein größerer Teil der Beiträge in jenen Topf fließen, der überwiegend in festverzinsliche Papiere angelegt wird. Umso geringer ist dann der Fonds-Anteil. Die Helvetia hat aus ebendiesem Grund ihr Hybrid-Produkt „CleVesto DoubleInvest“ eingestellt, weil sie es nicht mehr „guten Gewissens“ als Fondslösung anpreisen kann.

Wird Riester auch für Versicherungsgesellschaften unattraktiver?

Mit dem aktuellen Trend könnte es auch für Versicherer unattraktiver werden, die staatlich geförderte Altersvorsorge anzubieten. Schließlich schrumpft auch die in Frage kommende Zielgruppe, wenn ältere Neukunden als Riester-Sparer ausscheiden.

Die Niedrigzins-Absenkung trifft die Versicherungen in einer schwierigen Situation. Der Markt schwächelt: In den Jahren 2013 und 2014 haben erstmals mehr Versicherte einen Vertrag gekündigt als abgeschlossen. Das ist kein Vergleich zu den Boom-Jahren von Riester, als jährlich Millionen Policen verkauft werden konnten. Zwar ist der Bestand mit rund 16 Millionen Verträgen (davon 10,8 Millionen Versicherungen) noch sehr hoch. Aber knapp ein Fünftel der Verträge ist ruhend gestellt – die Sparer zahlen also keine Beiträge mehr.

Bundesregierung steht zu Riester

Wie also weiter mit Riester? Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich anlässlich des 125. Geburtstages der Deutschen Rentenversicherung klar zur staatlich geförderten Altersvorsorge bekannt. „Ich bin überzeugt, dass die Riester-Rente wegweisend war“, sagte die CDU-Politikerin Mitte Dezember bei einer Feierstunde im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Rechtshistoriker Michael Stolleis rechnete vor, dass eine Rückkehr zum rein umlagenfinanzierten System 5 Billionen Euro verschlingen würde – und auch demografisch kaum zu stemmen sei.

Doch die Kritik hält an. Die Vertragskosten seien zu hoch und Sparer müssten sehr alt werden, damit sich der Abschluss eines Vertrages überhaupt lohne, so der Tenor. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat bereits versprochen, man werde die Riester-Rente auf den Prüfstand stellen. Man müsse mehr tun, um die Riester-Rente „zu retten“ und die Angebote „attraktiver zu machen“, so die Sozialdemokratin. Passiert ist kaum etwas, seit die Große Koalition ihre Arbeit aufgenommen hat.

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Die Versicherungen reagieren mit neuen Produktlösungen. Der Marktführer „Allianz“ etwa bietet sein neues Produkt „Perspektive“ auch als Riester-Rente an. Die Garantiezins-Regelung ist hier flexibler geregelt: Zunächst erhält der Kunde den vollen Zins. Dieser sinkt aber auf ca. 0,6 Prozent ab, nachdem die eingezahlten Beiträge sicher sind. Weil der Anbieter hier auch in riskantere Papiere investieren darf, ist die laufende Verzinsung etwas höher. Beim Renteneintritt gelten dann aber die aktuellen Bedingungen – und nicht wie üblich die Bedingungen bei Vertragsabschluss. Wie werden diese in 20 oder 30 Jahren aussehen? Das Marktrisiko dieser Policen trägt weit stärker der Kunde.

FAZ