In der RTL-Sendung „Raus aus der Rentenfalle“ vom 10.07.2014 ging es bei Peter Zwegat diesmal um die Altersvorsorge. Dafür hat er sich zwei Testfälle ausgesucht. Bei der ersten Testperson handelt es sich um eine 25jährige Rechtsanwalts- und Notargehilfin, die sich ihr schmales Gehalt mit einem Nebenjob aufbessert. Der zweite Test zeigt eine vierköpfige Familie, bei der der Vater als Briefträger arbeitet. Die Mutter ist halbtags als Kassiererin beschäftigt.

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Beide, also Rechtsanwalts- und Notargehilfin und die Familie, haben nach Abzug aller Kosten kein Geld für eine Altersvorsorge übrig. Während die beiden Eltern wissen, dass sie eigentlich vorsorgen müssten, hat sich die junge Frau damit noch nie beschäftigt. Wird also die völlig ahnungslose Frau gut beraten, wenn sie sich in die Hände eines Versicherungsvermittlers begibt?

Pauschalurteile gegen Vermittler

In der aktuellen Folge werden die Testpersonen mit versteckter Kamera für eine Beratung zu Versicherungs- und Finanzanlagevermittlern geschickt. Annabell Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, verfolgte das Ganze. Sie behauptete in der Sendung, dass die Methoden der Vertreter darauf hinauslaufen würden, bei den Testpersonen Angst vor Altersarmut zu schüren.

Dabei macht sie auch vor Pauschalurteilen nicht halt. Die Versicherungsvermittler werden als „provisionshungrig“ und „gierig“ dargestellt. Den Vermittlern wird vorgeworfen, auf die Wünsche der Kunden nicht zu reagieren. Zwar zeigten die Beratungsgespräche diesbezüglich tatsächlich Mängel: auf den Wunsch nach einer jederzeitigen Verfügbarkeit des Geldes ging ein Vermittler zum Beispiel nicht ein. Aber erlaubt dies, die ganze Beraterzunft abzuqualifizieren? Wie repräsentativ sind diese Szenen? Wurden sie vielleicht so zusammengeschnitten, dass die Vermittler bewusst schlecht aussehen? Diese Frage darf erlaubt sein.

Wunderwaffe Banksparplan?

Bedenklich wird es, wenn Annabell Oelmann selbst Tipps für die Geldanlage gibt. Eine reine Altersvorsorge sei nur über einen Banksparplan möglich, erklärt die Expertin der Verbraucherzentrale, die ideale Beratung hierfür könne die Hausbank liefern. In Verbindung mit staatlich geförderten Altersvorsorge wie beispielsweise der Riester-Rente, ließen sich damit gute Renditen erzielen.

Zwar gelten Banksparpläne tatsächlich als relativ sicher. Zumindest wenn man sie bei Banken abschließt, die Mitglied im Einlagensicherungsfonds sind. Und eine gewisse Flexibilität bieten sie ebenfalls: wer vorzeitig kündigt, erhält in der Regel seine Einzahlungen zurück, sofern er die dreimonatige Kündigungsfrist einhält. Die bereits erzielten Zinsen werden dann auch ausgezahlt.

Nur: versprechen Banksparpläne tatsächlich hohe Renditen? Geeignet sind sie vor allem für Sparer, die eben keine hohen Erträge erwarten. Denn häufig lässt sich damit geradeso der Wertverlust infolge der Inflation ausgleichen, je nach Qualität des abgeschlossenen Vertrages. Wer sich mehr Rendite erhofft, muss auch in riskantere Wertanlagen investieren – oder darf diese zumindest nicht außer Acht lassen.

Tipps der Sendung nicht für jeden Sparer geeignet

Ein Banksparplan ist also für wenig risikofreudige Sparer geeignet, die sich mit Anlageformen nicht gut auskennen. Aber nicht für jeden Sparer. Was in der Sendung zum Beispiel nicht angesprochen wird, ist die Möglichkeit, riskante mit weniger riskanten Geldanlagen zu koppeln und so sein Risiko zu streuen – etwas, was für viele erfahrene Anleger selbstverständlich ist.

Auch dass die Bankberatung gehörige Mängel haben kann, wird nicht offen thematisiert. Ein Banksparplan kann wie jedes Finanzprodukt im Kleingedruckten Klauseln enthalten, die den Kunden benachteiligen. Manche Verträge, die dem Verbraucher fixe Konditionen bieten, schließen etwa die vorzeitige Kündigung aus. Eine Studie der Bundesregierung hat erst vor wenigen Wochen gezeigt, dass die Bankberatung nach wie vor gravierende Schwächen aufweist.

Provisionen - nicht immer zum Nachteil des Kunden

Dass Versicherungsvermittler erneut pauschal als provisionsgeil verurteilt werden, ist ärgerlich. Zumal es Geldanlagen wie etwa Fondssparpläne gibt, die einem Finanzanlagenvermittler zwar langfristig relativ hohe Provisionen einbringen, aber dennoch rentabler sein können als Banksparpläne. Für beide Seiten. Auch die Profitorientierung der Versicherungen wird in der Sendung pauschal verurteilt, obwohl die Sparer bei bestimmten Anlageformen an den Profiten beteiligt werden. Zudem kein Wort darüber, dass der Kunde die staatliche Förderung bei Riesterprodukten nicht geschenkt bekommt, sondern über die Steuergelder selbst mit bezahlt. Dies sind nur einige Schwächen der Sendung.

Bei allen Pauschalurteilen kann der Fernsehbeitrag für Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler etwas Gutes haben. Wenn der Vermittler auf die Wünsche des Kunden eingeht und nicht die Höhe der Provision allein in den Mittelpunkt stellt, wird er trotz derartiger Sendungen das Vertrauen der Verbraucher gewinnen und weiterempfohlen werden. Wir sind uns sicher, dass Vermittler dies können.

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Adelheid Schuster-Kenzinger / Mirko Wenig