Amigos, die Bayernwahl ist entschieden! Gut, ein spannendes Rennen konnte man schon im Vorfeld nicht erwarten. Der Modelleisenbahner und frühere Handball-Torwart Horst Seehofer (CSU) hatte die Ziellinie bereits überschritten, als sich Herausforderer Christian Ude (SPD) noch in den Startblöcken positionierte. Doch mit einem derart bombastischen Erdrutschsieg konnten selbst die überzeugtesten Weißwurstkauer in den Reihen der Christdemokraten nicht rechnen. Mit stolzen 48,7 Prozent Zustimmung für die CSU darf der Horst als Ministerpräsident künftig allein regieren. Für die Sozialdemokraten fielen nur 20,5 Prozent der Wählerstimmen ab.

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Es geht den Bayern einfach zu gut für einen Politikwechsel. Die Wiesen sind grün, die Kühe werden satt und in den SPD-regierten Städten boomt die Wirtschaft. Sogar die linksliberale TAZ ließ sich am Sonntag zu einem Kommentar hinreißen, dass es kaum einen Grund gebe, die Christsozialen nicht zu wählen. Bayern hat bundesweit den höchsten durchschnittlichen Nettolohn von 1523 Euro im Monat und die niedrigste Armutsgefährdungsquote von 13,8 Prozent – von solchen Zahlen können die Saupreußen nur träumen! „Die Pforte zum Paradies ist der Freistaat Bayern“, hatte Horst Seehofer während seines Wahlkampfes in der Olympiahalle München verkündet. Nun darf er sich als oberster Türsteher in seinem Amt bestätigt sehen.

Kenner der bayrischen Politiklandschaft geben zwar zu bedenken, dass der Sieg weniger deutlich ausgefallen wäre, wenn die fußballspielenden Bayern aus München im letzten Jahr nicht die Champions League gewonnen hätten. „Mia san Mia“ - Das geht eben nur mit der CSU. Aber Miesmacher hat es im Königreich südlich des Weißwurstäquators schon immer gegeben. Die Mollath-Affäre? Gustl ist doch frei gekommen! Die Verwandten-Affäre? Ach, es ist doch nett, wenn Landtagsabgeordnete ihre Angehörigen auf Staatskosten beschäftigen, mit bis zu 5.000 Euro im Monat. Ein gesunder Filz gehört in Bayern zur Folklore, seit Franz Josef Strauß sich für Starfighter und Schützenpanzer engagierte. Auch den Schweinen und Hühnern in der Massentierhaltung geht es dreckig, aber die haben zum Glück kein Stimmrecht.

FDP scheitert an der 5-Prozent-Hürde

Muss man sich also gar keine Sorgen um die Bayern machen? Doch, denn eine ganze Landtagsfraktion wird schon bald an den Pforten der Jobcenter klopfen, um sich arbeitslos zu melden. Die FDP hat mit 3,2 Prozent der Wählerstimmen nicht den Wiedereinzug in den Landtag geschafft. 5 Prozent waren für die Liberalen eine zu hohe Hürde. Nun werden sie fortan dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.

“Das ist spätbayrische Dekadenz!“, hören wir schon Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagen. Und möchten mit CSU-Sozialministerin Christine Haderthauer ergänzen: Der Leidensdruck auf arbeitslose FDP-Abgeordnete muss hoch gehalten werden! Aber die Bayern sind solidarisch: Ein Hartz-IV-Anspruch besteht auch für die FDP. Experten gehen von einer Langzeitarbeitslosigkeit von mindestens vier Jahren aus.

Auf dem Arbeitsamt werden die FDP-Abgeordneten ihre Kollegen von der Linken treffen, denn auch sie sind mit 2,1 Prozent der Wählerstimmen an der 5-Prozent-Hürde gescheitert. Beide Parteien bilden fortan eine außerparlamentarische gelb-rote Fraktion. Da sie beide unfreiwillig aus dem Landtag geschieden sind, kann man durchaus von einer Zwangsvereinigung sprechen.

Grüne und Freie Wähler sind wieder mit dabei!

Moment: Gab es noch andere Parteien, die sich in Bayern zur Wahl gestellt haben? Die Grünen erhielten 8,6 Prozent der Wählerstimmen und damit ungefähr so viel Zuspruch, wie es Bäume in der Münchener Innenstadt gibt, „Wir sind enttäuscht, wir hatten uns eigentlich mehr erhofft“, ließ Claudia Roth nach der Landtagswahl wissen. Ein Veggie-Day war einfach keine gute Idee in einem Bundesland, das Weißwurst, Wammerl und Fleischpflanzerl als evolutionäre Errungenschaft betrachtet.

Auch die freien Wähler konnten sich mit 8,5 Prozent der Stimmen in den Landtag einziehen. Das war auch kein Wunder, denn sie hatten große Teile ihres Parteiprogramms einfach bei der CSU abgeschrieben. Mit CSU-Politik fährt man in Bayern immer gut! Hätte eigentlich auch die FDP wissen müssen, aber die wollten sich als eine Art Opposition in der Regierungskoalition etablieren. Kernbotschaft von Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Wählt FDP, damit die CSU nicht alleine regieren kann! Einige potentielle FDP-Wähler haben da wohl etwas missverstanden.

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Und doch ist der Himmel zukünftig nicht gänzlich schwarz über Bayern, so sehr es die CSU auch ärgern mag. Denn das wichtigste Amt im Land hat weiterhin Christian Ude inne. Spätestens wenn er in wenigen Tagen als Münchener Oberbürgermeister zur Tat schreitet und das erste Fass des Oktoberfestes anstechen wird, werden ihn die Menschen landauf und landab wieder als Ministerpräsidenten der Herzen verehren. Horst Seehofer wird sich dann fragen müssen, was sein Sieg bei der Landtagswahl eigentlich wert gewesen ist. Und sich als heimlicher Verlierer fühlen.