Der Fehlgriff eines Arztes kann teuer werden. Auf bis zu 2,8 Millionen Euro schätzen Experten die lebenslangen Kosten nach einem Geburtsfehler, wenn der Patient eine dauerhafte Beeinträchtigung erleidet. Das Krankenhaus muss dann bis zum Lebensende des Geschädigten Geld für Therapien, den Verdienstausfall, Pflegeleistungen und Medikamente überweisen.

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Die steigenden Kosten bei Personenschäden setzen auch die Haftpflichtversicherer unter Druck. Mit bitteren Konsequenzen für die Krankenhäuser, denn scheinbar fällt es Kliniken immer schwerer, einen preiswerten Haftpflichtschutz zu finden. „Weil die Versicherungen für Behandlungsfehler und Schadenssummen deutlich mehr zahlen müssen, steigen dementsprechend auch die Beiträge für die Krankenhäuser“, berichtet der NDR. Versicherungsmakler sprechen von Erhöhungen um 40 bis weit über 100 Prozent für die privaten und gemeinnützigen Kliniken in Schleswig-Holstein.

Nur noch 5 Versicherer wollen Haftungsrisiko tragen

Nach NDR-Recherchen sind bundesweit nur noch fünf Versicherer bereit, die Krankenhäuser gegen Behandlungsfehler zu versichern. Zuletzt hatte sich die Provinzial Nordwest aus dem Geschäft zurückgezogen. „Wir waren nicht mehr in der Lage, auskömmliche Prämien zu erzielen“, begründete Vorstand Ulrich Rüther die Entscheidung auf der Bilanzpressekonferenz am 29. Mai in Münster. „Deshalb haben wir eingegriffen und uns von dem Geschäft verabschiedet“.

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt die Negativbilanz. Pro Euro, der an Beiträgen eingenommen wurde, musste die Provinzial Nordwest zuletzt 1,50 Euro für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten ausgeben. Die Sparte steckte tief in den roten Zahlen.

Andere Versicherer haben ebenfalls vor dem schwierigen Geschäft mit Krankenhäusern kapituliert. Im Markt sind jetzt nur noch große Versicherer wie die Allianz, Ergo, R+V und die Versicherungskammer Bayern. Doch nach Jahren eines intensiv geführten Preiskampfes mit Verlusten mussten die Versicherungen ihren Kunden teils deutlich höhere Prämien diktieren.

Privatkliniken fordern von der Politik finanziellen Ausgleich

Die Kliniken haben vielerorts sowieso mit finanziellen Problemen zu kämpfen, da kommen die Preiserhöhungen für den Haftpflichtschutz ungelegen. Einzelnen Häusern in Schleswig-Holstein drohe in Zukunft eine finanzielle Schieflage, weil die Prämien steigen, bestätigt Bernd Krämer vom Verband der Privatkliniken in Schleswig-Holstein e.V. dem NDR. Der Geschäftsführer schätzt, dass die 75 Kliniken im Bundesland mit Mehrbelastungen von bis zu 6 Millionen Euro rechnen müssen. Geld, das dringend für Personal benötigt würde, so Krämer.

Der Verband der Privatkliniken fordert deshalb von der Politik einen finanziellen Ausgleich für die Beitragserhöhungen. Dieser könne etwa aus dem Budget für die Krankenversicherungen finanziert werden. Das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein lehnt den Vorstoß jedoch ab. Nach Angaben von Annette Langer, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, könne eine zusätzliche Belastung der Patienten keine Lösung für das Problem sein.

Kliniken erwägen eigenes Versicherungssystem

Auch andere Alternativen werden von den Kliniken aktuell diskutiert. Im Gespräch ist etwa, dass die Klinikverbände ein eigenes Versicherungssystem aufbauen, mit dem sie unabhängig von den Privatversicherern werden. Manche Krankenhäuser weichen auf ausländische Anbieter aus, etwa die österreichische Donau Versicherung (der Versicherungsbote berichtete).

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Versicherungsmakler beäugen die Entwicklung ebenfalls skeptisch, denn der Wettbewerb ist mit den wenigen verbliebenen Haftpflichtversicherern stark eingeschränkt. Man habe aktuell ein Oligopol in Deutschland, das sich den Markt aufteilen könne, sagte Versicherungsmakler Wolfgang Kallmeier von der nordias GmbH dem NDR. „Und wenn irgendwann nur noch einer versichert, dann haben wir ein Monopol.“

NDR