Was ist der Libor

Die London Interbank Offered Rate, kurz Libor, ist der Referenzzinssatz für Interbankengeschäfte und wird täglich um 11:00 Uhr Londoner Zeit festgelegt. Die Libor-Zinsätze werden für zehn verschiedene Währungen berechnet. Für den Euro ist er weniger relevant; dort nutzt man den Euribor. Den Geldhäusern wird vorgeworfen, den Libor und Euribor im Zeitraum von 2005 bis 2009 manipuliert zu haben, um ihre Refinanzierungskosten zu verschleiern. Analysten schätzen den Schaden durch die Manipulationen auf 17,1 Milliarden Euro.

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USA nutzen den Skandal zur Umsetzung ihres neuen Steuergesetzes FATCA

Laut der Schweizer Finanzministerin Widmer-Schlumpf werden die US-Behörden nur gegen einzelne Mitarbeiter vorgehen. Die USA ermitteln zur Zeit gegen 13 Banken. Man hat sich doch dazu verpflichtet, solange die Umsetzung des US-Steuergesetztes FATCA noch nicht abgeschlossen ist, die betroffen Banken selbst nicht in die Verantwortung zu nehmen. Das neue Steuergesetzt "Foreign Account Tax Compliance Act", kurz FACTA, sieht für Finanzdienstleister außerhalb der USA vor, alle Konten von US-Bürgern offenzulegen. Das betrifft auch die Erträge der Kunden, die diese auf den Konten erzielen. Bei Zuwiderhandlung sind hohe Strafzahlungen vorgesehen. Den Streit um die Libor-Manipulation nutzt man jetzt offensichtlich, um die Banken bei der Einführung von FATCA gefügig zu machen. Anders ist zumindest nicht zu erklären, weshalb die US-Behörden nicht gleich gegen die Banken ermitteln - die zu erwartenden Strafzahlungen wären um einiges höher.

Deutsche Bank Chef nicht kooperativ

Kritik kam auch vom ehemaligen Vorstand der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Der warf dem jetzigen Bank-Chef Anshu Jain vor, nicht mit den Behörden bei der Aufklärung des Skandals kooperieren zu wollen. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass von der Libor-Manipulation nur einzelne Mitarbeiter gewusst haben sollen. Für Ackermann sind diese Manipulationen "kriminell und absolut unentschuldbar".