Deutsche Sparer verlieren insgesamt 50 Milliarden Euro pro Jahr durch die Folgen von schlechter Beratung bei Finanzprodukten. Das geht aus einer Studie der Universität Bamberg hervor. Diese war von der Grünen-Abgeordneten Nicole Maisch angestossen worden.

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16 Milliarden Schaden durch gekündigte Verträge

Gründe für die Verluste liegen, laut der Studie, in der schlechten Beratung, mangelnder Kundenorientierung und fehlender Regeln zum Verbraucherschutz. Allein 16 Milliarden Euro pro Jahr gingen Kunden durch die vorzeitige Kündigung von Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen verloren. So würden mehr als 75 Prozent der auf mehr als 30 Jahre abgeschlossenen Verträge mit Verlusten vorzeitig gekündigt. Ein besonderes Dorn im Auge der Bamberger Wissenschaftler ist die mangelhafte Information über hohe Kosten beim Vertragsabschluss und die Stornogebühren. Weiterhin seien Lebensversicherungen zu unflexibel.

„Es bestehen zumindest grundlegende Zweifel, ob Verbraucherinnen und Verbraucher definitiv im Klartext und in Euro vor Vertragsschluss wissen, welche Verluste entstehen, wenn ein Vertrag vorzeitig endet“, erklärt der Bamberger Finanzwissenschaftler Andreas Oehler.

Bei Riesterverträgen liegt der jährliche Schaden bei rund einer Milliarde Euro. Große Schwachstellen bestünden, so der Wissenschaftler, hinsichtlich Transparenz, Verständlichkeit, Kostenbelastung und Leistungsvermögen.

Den größten Schaden machen jedoch die Verluste auf dem Kapitalmarkt aus. Hier würden Kunden Produkte wie zum Beispiel offene Immobilienfonds, Beteiligungen, Genussscheine oder Termingeschäfte zur Altersvorsorge angeboten. Hier entsteht ein jährlicher Verlust von rund 30 Milliarden Euro.

Nicole Maisch, Abgeordnete der Grünen, kritisierte das bestehende System der privaten Altersvorsorge: „Der deutsche Steuerzahler buttert jährlich Milliarden in die private Altersvorsorge. Das soll die Rentnerinnen und Rentner reich machen, nicht die Banken und Versicherungsmakler“, und fordert nun eine Verschärfung der Regulierung des provisionsgetriebenen Vertriebs.

Finanzmarktwächter und Provisionsdeckelung sollen Probleme lösen

Dazu sollen die Offenlegung aller Provisionen in Euro und Cent in standardisierter Form vor Vertragsabschluss, eine Deckelung von Provisionen und das Verbot von Kick-Backs gehören. Weiterhin solle ein Finanzmarktwächter verstärkt die Beratung von Verbrauchern auswerten und die Interessen der Verbraucher vertreten, erklärte Maisch im Hessischen Rundfunk.


Wer ist Nicole Maisch ?

Die 31-Jährige Nicole Maisch ist Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Sie studierte Politkwissenschaften in Kassel. Sie gründete dort die Grüne Hochschulgruppe in Kassel. Seit Februar 2007 ist Nicole Maisch Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecherin für Verbraucherpolitik. Seit April 2011 ist sie weiterhin stellvertretende Koordinatorin des Arbeitskreises 2 der grünen Bundestagsfraktion und seit Februar 2012 Obfrau im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

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