Die finanzielle Ungleichheit im Alter beginnt lange vor dem Renteneintritt. Bereits bei jungen Erwachsenen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Das gilt sowohl bei der privaten Vorsorge als auch beim Vermögensaufbau. Das geht aus der HDI Rentner-Studie 2026 mit dem Themenschwerpunkt „Frauen und Altersvorsorge“ hervor.

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Demnach verlassen sich 41 Prozent der Frauen zwischen 18 und 35 Jahren ausschließlich auf die gesetzliche Rente. Bei den gleichaltrigen Männern sind es lediglich 28 Prozent. Gleichzeitig sorgen nur 28 Prozent der jungen Frauen zusätzlich freiwillig privat für den Ruhestand vor, während es bei den Männern 38 Prozent sind. Damit zeichnet sich bereits in jungen Jahren ein Muster ab, das sich später nur schwer korrigieren lässt. Denn wer spät mit dem Vermögensaufbau beginnt, kann weniger vom langfristigen Zinseszinseffekt profitieren und muss später entsprechend höhere Beträge aufbringen, um eine vergleichbare Altersvorsorge aufzubauen.

„Umso wichtiger ist es, insbesondere Frauen frühzeitig für die private Altersvorsorge zu sensibilisieren. Wer seine finanzielle Sicherheit im Alter stärken will, muss die Voraussetzung für den Vermögensaufbau bereits in jungen Jahren schaffen“, sagt Holm Diez, Mitglied des Vorstands der HDI Deutschland AG und verantwortlich für Leben und Bancassurance.

Nur sieben Prozent erwarten einen Ruhestand ohne Einschränkungen

Wie groß die Verunsicherung ist, zeigt der Blick auf den erwarteten Lebensstandard im Alter. Lediglich sieben Prozent der jungen Frauen glauben, diesen im Ruhestand ohne Einschränkungen halten zu können. Unter jungen Männern sind es immerhin 19 Prozent. Umgekehrt rechnen 26 Prozent der jungen Frauen damit, ihren bisherigen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Bei Männern derselben Altersgruppe sind es 16 Prozent. Weitere 22 Prozent der Frauen zeigen sich unsicher oder machen dazu keine Angaben – bei den Männern liegt dieser Anteil mit elf Prozent nur halb so hoch.

Die Skepsis kommt nicht von ungefähr. 58 Prozent der jungen Frauen nennen steigende Lebenshaltungskosten als eine ihrer größten finanziellen Sorgen. Bei den Männern sind es 43 Prozent. Auch steigende Wohnkosten beschäftigen Frauen mit 40 Prozent häufiger als Männer mit 32 Prozent. Nur vier Prozent der jungen Frauen geben an, aktuell überhaupt keine finanziellen Sorgen zu haben. Bei jungen Männern trifft dies auf zehn Prozent zu.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Geldanlage – und damit bei den langfristigen Renditechancen des Vermögensaufbaus. 42 Prozent der jungen Frauen setzen auf Sparkonten oder Bargeld. Bei jungen Männern sind es 33 Prozent. Bei Wertpapieren dreht sich das Verhältnis um: Während 48 Prozent der jungen Männer in entsprechende Anlagen investieren, sind es bei den Frauen lediglich 38 Prozent. Noch deutlicher fällt die Differenz bei Kryptowährungen aus: 21 Prozent der jungen Männer nutzen diese Anlageklasse, aber nur neun Prozent der jungen Frauen.

Unterschiede zeigen sich auch bei heutigen Rentnerinnen

Dass sich früh entstandene Vorsorgeunterschiede langfristig fortsetzen können, verdeutlicht der Blick auf die heutige Rentnergeneration. Laut Studie haben 61 Prozent der Rentnerinnen ausschließlich über die gesetzliche Absicherung für das Alter vorgesorgt. Nur 32 Prozent verfügen zusätzlich über private Vorsorge.

Neben finanziellen Sorgen offenbart die Studie auch ein erhebliches Vertrauensproblem gegenüber der Politik. Nur 22 Prozent der jungen Frauen haben den Eindruck, dass die Interessen ihrer Generation ausreichend berücksichtigt werden. 66 Prozent verneinen dies ausdrücklich. Auch die wirtschaftliche Situation ihrer Generation beurteilen junge Frauen skeptisch. Lediglich 16 Prozent bewerten diese als sehr gut oder gut, während 43 Prozent sie als eher schlecht oder schlecht einschätzen.

Auch bei der Debatte über eine längere Lebensarbeitszeit zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 47 Prozent der jungen Männer können sich vorstellen, länger zu arbeiten. Bei den jungen Frauen sind es lediglich 30 Prozent. Jede zweite junge Frau lehnt längeres Arbeiten ab. Weitere 19 Prozent sind unentschlossen oder machten keine Angaben.