bAV-Expertin: 'Es braucht eine Kopfnuss, kein Kopfnicken'
Teilzeit, Elternzeit und Karrierepausen können tiefe Spuren in der späteren Rente hinterlassen. Das gilt besonders bei Frauen. Warum „Teilzeit anteilig“ bei der betrieblichen Altersvorsorge zu kurz gedacht sein kann und Arbeitgeber wie Berater beim Gender Pension Gap genauer hinschauen sollten, erklärt bAV-Expertin Cordula Vis-Paulus.

Stell Dir mal vor …
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Neun Frauen, ein Mann, Steuerberaterinnen und Steuerfachangestellte, alle zahlenverliebt – perfekte Bühne für einen bAV-Workshop.
Teilzeit, 35 bis 54 Jahre, Bruttolöhne irgendwo zwischen „brauchbar“ und „zu wenig für später“.
Die Arbeitgeberin mit klarer Ansage:
„Mit Teilzeit wird das im Alter nichts, die sollen es später guthaben.“
Im Schnitt muss jede von ihnen über 2.000 € Monatsrente selbst organisieren, wenn sie nicht auf Partner oder Staat angewiesen sein will.
Der Workshop läuft super – bis die Einzelgespräche kommen und der Lack ab ist.
Sieben von acht ohne eigene Altersvorsorge.
Eine „Beruhigungspille“ aus den 90ern: Klassik-Vertrag, 50 Euro im Monat. Nett, aber kein Rettungsboot.
Diese Frauen können BWAs basteln und Buchhaltungen jonglieren – aber für die eigene Rente herrscht watteweiches Nichts.
Gender Pension Gap – zum Anfassen, nicht zum Wegklicken
Gender Pension Gap ist kein fancy Buzzword, sondern das Loch, das bleibt, wenn Teilzeit, Elternzeit und Karriereknicke sich summieren.
Je mehr Teilzeit, desto größer das Loch – und jeder Teilzeit-Tag frisst zukünftige Monatsrente, und zwar für immer.
Und ja, es trifft vor allem Frauen. Wer sich typische Frauenberufe und Teilzeitquoten anschaut, weiß warum.
Wie hart das im echten Leben aussieht, zeigen Anna und Sebastian:
Wie krass das endet, zeigen die Grafiken:



Anna beginnt mit 23 zu arbeiten, Sebastian mit 20, beide starten mit 2.500 €. Nach zehn Jahren verdient Anna 4.500 €, Sebastian 5.500 €. Zwei Kinder, Anna zweimal drei Jahre Elternzeit, danach 75% und später halbtags.
Am Ende stehen 1.200 € brutto Rente für Anna – 300 € über dem heutigen Durchschnitt von Frauen, aber 200 € unter der Armutsgrenze.
Und: 1.700 € weniger als Sebastian.
Das ist Gender Pension Gap zum Anfassen.
Rentensplitting – fairer, aber nicht gratis
Die Idee: Entgeltpunkte, die in der Partnerschaft erwirtschaftet werden, werden automatisch zwischen den Partnern geteilt.
Für Paare wie Anna und Sebastian hieße das: gleiche Rente bei gleicher Gesamtsumme – derjenige, der für Familie kürzertritt, wird nicht länger rententechnisch bestraft. Die Kehrseite: Die klassische Hinterbliebenenrente würde ins Museum wandern.
Für uns in der Beratung bedeutet das: Mehr sichtbare Rentenlücke bei den Vätern, und gleichzeitig wird die Lücke der Partnerin mit auf den Tisch gelegt.
Gut für die Ehrlichkeit in der Beratung, unbequem für alle, die bisher lieber weggeschaut haben.
Kopfnuss statt Kopfnicken
Die Realität ist nicht hübsch: Frauen zahlen weniger in bAV ein, und viele haben gar nichts – vor allem ab dem ersten Kind. Lieblingslösung: Beitragsfreistellung. Der Dolchstoß für die Altersvorsorge.
„Macht mein Mann schon“ ist das Mantra. Das Problem: Die Männer machen es nicht. Sie stocken im besten Fall ihre eigene Vorsorge auf – auf ihren Namen.
Der wahre Grund, warum Frauen, gerade Mütter, so unterrepräsentiert sind bei eigener Altersvorsorge: Sie fragen nicht nach.
Nicht bei uns, nicht beim Arbeitgeber. Und viele Berater:innen fragen ihren Firmenkunden nicht mal, wie viele Teilzeitkräfte da arbeiten. Es wird brav genickt, wenn es heißt: „Teilzeit anteilig.“
Genau da braucht es eine Kopfnuss, kein Kopfnicken.
Teilzeit bedeutet weniger Rente, größere Lücke, höheren Vorsorgebedarf – egal, ob jemand danach fragt oder nicht.
Die Ampel ist rot, auch wenn man sich die Augen zuhält. Spätestens mit 67 kracht es. Finanzielle Blechschäden inklusive.
Berlin, Equal Pension und ein bisschen Ponyhof
Das Umlageverfahren, die Reformen, das Altersvorsorgedepot – sie alle brauchen uns. Und das Marketing bekommen wir gratis dazu. Kleinvieh macht Mist, viele Kühe machen Mühe – wir werden nicht alle retten, aber jede Frau mit eigener Altersvorsorge ist ein verdammt guter Anfang.
Wenn Du die Geschichte hinter Rentensplitting, Gender Pension Gap und Equal Pension live auf der Bühne sehen willst, komm am 13.10.26 nach Berlin zum German Equal Pension Symposium.
Und weil ich es wirklich wissen will: Arbeitgeber, die nicht „Teilzeit anteilig“ rechnen, sondern für Equal Pension geradestehen, zeichnen wir mit dem German Equal Pension Award aus.
