Mit dem Altersvorsorgedepot will die Politik der privaten Altersvorsorge in Deutschland neuen Schwung verleihen. Die staatlich geförderte Vorsorgelösung soll Bürgern einen einfachen und kostengünstigen Einstieg in die kapitalmarktbasierte Altersvorsorge ermöglichen und gleichzeitig die Renditechancen von Aktien und ETFs stärker nutzbar machen.

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Doch bei vielen Verbrauchern gibt es erhebliche Wissenslücken. Lediglich 36 Prozent der Deutschen kennen das neue Altersvorsorgedepot überhaupt. 57 Prozent haben bislang noch nie davon gehört, weitere sieben Prozent sind unsicher, ob ihnen das Modell bekannt ist. Das zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Verbraucherportals Finanztip.

Selbst unter denjenigen, die bereits vom Altersvorsorgedepot gehört haben, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Nur 31 Prozent der Informierten können sich aktuell vorstellen, die neue Vorsorgeform tatsächlich zu nutzen. Am größten ist die Offenheit bei den 30- bis 39-Jährigen. Doch selbst in dieser Zielgruppe kann sich mit 47 Prozent nicht einmal jede zweite Person eine Nutzung vorstellen. „Das Altersvorsorgedepot hat das Potenzial, die private Altersvorsorge in Deutschland deutlich zu verbessern. Damit daraus tatsächlich der versprochene Meilenstein wird, braucht es jetzt vor allem mehr Bekanntheit und langfristiges Vertrauen“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip.

Die Risiken des Kapitalmarktes spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 16 Prozent der Befragten nennen die Schwankungen an den Aktienmärkten als Grund gegen das Altersvorsorgedepot. Deutlich stärker wiegt die Sorge vor politischen Eingriffen. Für 38 Prozent der Befragten sind mögliche spätere Regeländerungen das größte Hindernis. Weitere 35 Prozent geben an, dass ihre Erfahrungen mit der Riester-Rente das Vertrauen in staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte nachhaltig beschädigt haben. Hinzu kommen Sorgen über hohe Gebühren (33 Prozent) sowie mögliche steuerliche Belastungen im Alter (32 Prozent).

„Die Deutschen haben weniger Angst vor Aktien als vor politischen Eingriffen und teuren Produkten der Finanzbranche“, erklärt Sulilatu. „Viele Menschen verbinden staatlich geförderte Altersvorsorge noch immer mit dem Riester-Frust.“

Auf der anderen Seite sehen viele Bürger durchaus Vorteile in dem neuen Modell. Für 43 Prozent der Befragten spricht insbesondere die grundsätzliche Eignung von Aktien-ETFs für die Altersvorsorge für das neue Depotmodell. 41 Prozent nennen die staatliche Förderung als wichtigen Anreiz, während 40 Prozent auf höhere Renditechancen gegenüber klassischen Riester-Produkten setzen.

Dass das Vertrauen in staatlich geförderte Vorsorgeprodukte beschädigt ist, zeigen auch die Zahlen zur Riester-Rente. Mehr als fünf Millionen Verträge wurden bislang vorzeitig gekündigt. Das entspricht rund jedem vierten der über 20 Millionen abgeschlossenen Verträge. Hinzu kommt, dass Schätzungen zufolge bis zu ein Viertel aller bestehenden Riester-Verträge inzwischen nicht mehr aktiv bespart wird. Vor diesem Hintergrund dürfte die Frage der Übertragbarkeit bestehender Verträge für viele Sparer entscheidend werden. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums sollen vorhandene Riester-Guthaben grundsätzlich auf ein Altersvorsorgedepot übertragen werden können. Das gilt allerdings nur in Form eines Geldbetrages. Ein direkter Übertrag von Wertpapieren soll dagegen nur möglich sein, wenn dies vertraglich vorgesehen ist und beide Anbieter zustimmen beziehungsweise die entsprechenden Wertpapiere bei beiden Instituten handelbar sind.

Für die Versicherungs- und Vorsorgebranche dürfte die Einführung des Altersvorsorgedepots damit nicht nur eine Produktfrage sein, sondern vor allem eine Vertrauensfrage. Die politische Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen könnte am Ende wichtiger werden als die konkrete Ausgestaltung der Förderung. „Entscheidend wird deshalb sein, dass das Altersvorsorgedepot einfach, kostengünstig und langfristig verlässlich ausgestaltet wird. Nur wenn Verbraucherinnen und Verbraucher darauf vertrauen können, dass die Regeln Bestand haben, kann die Reform ihr Potenzial entfalten“, betont Sulilatu.