Warum qualifizierte Finanzberatung wichtiger wird
Der Bedarf an qualifizierter Beratung und finanzieller Bildung zu den Themen Aktien, ETFs und Fonds wächst. Ein aktueller Branchenreport sieht im zunehmenden Interesse am Kapitalmarkt eine große Chance für Finanzanlagenvermittler und einen entscheidenden Faktor für den langfristigen Vermögensaufbau.

Die deutsche Investmentkultur befindet sich im Wandel. Noch nie zuvor haben so viele Menschen in Deutschland in Aktien, ETFs und Fonds investiert wie heute. Gleichzeitig wächst jedoch die Kluft zwischen dem einfachen Zugang zu Kapitalmärkten und dem tatsächlichen Verständnis komplexer Finanzprodukte. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Branchenreport der Weiterbildungsplattform Sachkundegurus. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Rolle qualifizierte Finanzberatung künftig für Vermögensaufbau und Altersvorsorge spielen wird.
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Dem Report zufolge erreichte die Zahl der Anleger im Jahr 2025 mit 14,1 Millionen Menschen einen neuen Höchststand. Besonders die jüngeren Generationen treiben den Trend voran. Gleichzeitig verwalten deutsche Fondsanbieter inzwischen Vermögen von mehr als 4,6 Billionen Euro, während das private Geldvermögen der Deutschen erstmals die Marke von zehn Billionen Euro überschritten hat.
Beratung als Renditefaktor
Der Report stellt die Bedeutung professioneller Beratung in den Mittelpunkt. Nach den ausgewerteten Daten würden qualifizierte Berater die Nettorendite ihrer Kunden um durchschnittlich bis zu drei Prozentpunkte pro Jahr steigern können. Über einen Zeitraum von 30 Jahren könne sich daraus bei einem Startkapital von 100.000 Euro ein Mehrvermögen von mehr als 430.000 Euro ergeben.
Besonders wichtig sei dabei nicht die Auswahl einzelner Produkte, sondern das sogenannte Verhaltenscoaching. Geschulte Berater könnten Anleger in volatilen Marktphasen vor emotionalen Fehlentscheidungen bewahren und so langfristig einen erheblichen Mehrwert schaffen. Der Report sieht hierin einen entscheidenden Unterschied zu Robo-Advisors und reinen Self-Service-Angeboten. „Gute Finanzberatung schließt gerade in Deutschland eine bestehende Bildungslücke und ermöglicht vielen Sparern erst, an den Entwicklungen der Finanzmärkte teilzuhaben“, sagt Michael Bickel, Geschäftsführer von Sachkundegurus.
Finanzbildung bleibt eine Herausforderung
Nach Einschätzung der Studienautoren besteht in Deutschland weiterhin erheblicher Nachholbedarf bei der finanziellen Bildung. Private Finanzberater würden zunehmend eine Rolle übernehmen, die über die reine Produktempfehlung hinausgeht. Sie fungierten als Vermittler wirtschaftlicher Zusammenhänge und unterstützten Verbraucher dabei, fundierte Entscheidungen für Vermögensaufbau und Altersvorsorge zu treffen.
Der Report argumentiert, dass die wachsende Zahl von Anlegern nicht automatisch zu einer höheren Beratungssicherheit führt. Zwar hätten Neobroker, digitale Plattformen und Robo-Advisors den Zugang zum Kapitalmarkt deutlich vereinfacht, doch bei komplexen Themen wie Altersvorsorge, Steueroptimierung oder Nachfolgeplanung bleibe die persönliche Beratung von zentraler Bedeutung.
Zusätzlichen Druck erzeugen die steigenden regulatorischen Anforderungen. Die kommende EU Retail Investment Strategy (RIS) soll eine lebenslange Weiterbildungspflicht für Berater etablieren. „Die RIS macht lebenslanges Lernen zur Pflicht – ein Schritt, den wir voll unterstützen. Diese Gesetzgebung ist ein Qualitätssiegel, das den hohen Wert professioneller Beratung erst so richtig sichtbar macht“, unterstreicht Bickel.
Hinzu kommen die Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit. Bereits heute müssen Berater die ESG-Präferenzen ihrer Kunden erfassen und dokumentieren. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagelösungen, während viele Vermittler vor der Herausforderung stehen, mit der dynamischen Entwicklung neuer Produkte Schritt zu halten.
Stabile Vermittlerzahlen trotz Digitalisierung
Trotz des digitalen Wandels bleibt die Zahl der Finanzanlagenvermittler in Deutschland stabil. Rund 41.000 Vermittler verfügen über eine Zulassung nach § 34f GewO. Die Autoren werten dies als Zeichen einer fortschreitenden Professionalisierung des Marktes. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Honorar-Finanzanlagenberater mit rund 350 Marktteilnehmern vergleichsweise gering.
Für die Zukunft sehen die Studienautoren eine wachsende Bedeutung qualifizierter Beratung. Der Kapitalmarkt werde für die private Altersvorsorge immer wichtiger, während regulatorische Anforderungen, Produktvielfalt und technologische Entwicklungen die Komplexität weiter erhöhen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die fachliche Qualifikation von Beratern nach Ansicht des Reports weiter an Bedeutung. „Wer seine berufliche Zukunft mit einer fundierten Ausbildung beginnt, kann für seine Kunden Mehrwert stiften und so langfristige Beziehungen aufbauen“, betont Bickel.
