Die deutschen Versicherer stellen über den Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) umfangreiche Statistiken zu der Mitarbeiterzahl im Innen- und Außendienst zur Verfügung. Bereits am Freitag berichtete Versicherungsbote darüber, dass die Zahl der Kündigungen vorbei ist: Die Versicherer stellen wieder vermehrt sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ein, seit 2019 wurden zum Jahresende immer mehr Beschäftigte als im Jahr zuvor gezählt.

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So ist die Zahl der Beschäftigten in Versicherungsunternehmen auch im Jahr 2023 erneut gestiegen. Rund 206.800 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählte die Branche zum Jahresende 2023, sodass die Mitarbeiterzahl gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent gewachsen ist.

Die häufigsten Gründe für Fluktuation

Ein Teil der Auswertung bezieht sich darauf, wie sich die Abgänge aus den Versicherungsunternehmen zusammensetzen. Die Abgänge werden in Prozent des durchschnittlichen Personalbestandes gemessen. Im Jahr 2023 haben sich demnach 5,9 Prozent des Personals aus den Unternehmen verabschiedet. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2013, als noch 4,0 Prozent Abgänge zu verzeichnen waren.

Der häufigste Grund für Fluktuation im Jahr 2023 war die „Kündigung durch Arbeitnehmer“, die für 2,4 Prozent der Abgänge des durchschnittlichen Personalbestandes verantwortlich waren. Gründe hierfür werden aus der AGV-Statistik nicht ersichtlich. Aber es lässt sich vermuten, dass sich den Mitarbeitenden in Zeiten des Fachkräftemangels auch eine größere Vielfalt an Alternativen bietet, um zum Beispiel das Gehalt zu verbessern oder das Arbeitsklima bzw. eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen.

Die „natürliche Fluktuation“ steht an zweiter Stelle mit 2,0 Prozent des Personalbestandes: damit sind Formen des Ausscheidens gemeint, auf die Arbeitnehmer und -geber keinen Einfluss nehmen können. Auslöser für die natürliche Mitarbeiterfluktuation umfassen den Renteneintritt und Todesfälle unter den Mitarbeitern. Der Großteil dürfte folglich darauf zurückzuführen sein, dass die Beschäftigten das Rentenalter erreicht haben und in den Ruhestand wechseln.

AGV

Die anderen Gründe für Fluktuation stehen demgegenüber schon weit zurück und machen jeweils weniger als ein Prozent der Abgänge aus. Die „einvernehmliche Vertragsauflösung“ steht mit 0,7 Prozent der Abgänge im durchschnittlichen Personalbestand an dritter Stelle: Hier einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darauf, ein bestehendes Arbeitsverhältnis einvernehmlich aufzulösen, wofür in der Regel ein schriftlicher Vertrag notwendig ist. Ein solches Instrument kann zum Beispiel greifen, wenn Stellen abgebaut werden sollen, aber betriebsbedingte Kündigungen vermieden - in der Regel stimmt der Arbeitgeber dann einer Abfindung oder anderer Benefits zu. Aber auch der Wunsch, den Beruf zu wechseln und sich neu zu orientieren, kann einen solchen Schritt bewirken.

Die Daten deuten zugleich darauf hin, dass die Versicherer derzeit nicht im großen Stil Mitarbeiter entlassen. Denn nur 0,3 Prozent der Fluktuation sind auf „Kündigungen durch die Gesellschaft“ zurückzuführen - auch wenn ein Teil des Stellenabbaus ebenfalls unter „einvernehmliche Vertragsauflösung“ mit 0,7 Prozent und „Vertragsablauf“ mit 0,3 Prozent fallen könnte. Die Statistik gibt hierzu nicht detailliert Auskunft. Auch Outsourcing findet bei den Versicherern derzeit nicht statt: Hier wird ein Wert von 0,0 Prozent angegeben.

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Grundsätzlich lässt sich bei den Versicherern eine große Mitarbeiterzufriedenheit beobachten - auch wenn die letzte AGV-Umfrage hierzu aus dem Coronajahr 2020 stammt. Demnach äußerten sich 13,9 Prozent, dass sie „äußerst zufrieden“ mit ihrem Versicherer als Arbeitgeber sind, 41,7 Prozent waren „sehr zufrieden“ und 34,1 Prozent immerhin „zufrieden“. Damit äußern sich neun von zehn Beschäftigten positiv zu ihrem Arbeitgeber. Hier wären aber jüngere Ergebnisse wünschenswert: in den letzten Jahren hat sich das Arbeitsumfeld bei den Versicherern teilweise stark geändert, wobei auch die Corona-Pandemie ein Beschleuniger war. Agiles Arbeiten mit flachen Strukturen, vermehrte Homeoffice-Regeln, „Workation“ und andere Formen des Arbeitens werden vermehrt in der Branche beobachtet und debattiert.