2014 führte die Commerzbank als erste Großbank in Deutschland Strafzinsen ein. Von ‚Strafe‘ war natürlich keine Rede; stattdessen von „Guthabengebühr bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern“. Das Zeitalter der Negativzinsen begann, denn schon bald darauf waren auch erste Kleinanleger von solchen ‚Verwahrentgelten‘, die die Geldhäuser keinesfalls als ‚Strafe für Sparverhalten‘ verstanden wissen wollten, betroffen.

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Nun sieht eine Verivox-Analyse das Ende dieses Zeitalters gekommen. Um zu dieser Einschätzung zu kommen, wurden Daten von 1.300 Banken und Sparkassen ausgewertet. Ergebnis (Stand 14.07.2022): 34 Banken schafften ihre Negativzinsen seit Ende April komplett ab. 15 Geldinstitute hoben die Freibeträge so deutlich an, dass ein Großteil der Kunden keine Negativzinsen mehr zahlen muss.

„Immer mehr Banken verabschieden sich von den Negativzinsen, ein historisches Zinsphänomen geht zu Ende“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Wenn die Zinsen künftig steigen, wird das Geschäft mit Spargeldern für die Banken wieder attraktiv. Die ersten Institute bringen sich dafür jetzt schon in Stellung und haben ihre Negativzinsen gestrichen, noch bevor der erste Zinsschritt durch die EZB überhaupt erfolgt ist.“

Aktuell weisen immer noch 426 Banken Negativzinsen für Privatkunden aus, schreibt Verivox. Zum Höchststand Mitte Mai waren es 455. „Die große Mehrheit der Kreditinstitute hält sich mit der Abschaffung ihrer Verwahrentgelte noch zurück. Doch sobald die Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen streicht, werden auch die Negativzinsen für Sparer auf breiter Front wegfallen“, sagt Oliver Maier.

Wenn die Kreditinstitute Spargelder bei der Zentralbank hinterlegen, müssen sie auf einen Teil dieser Einlagen aktuell selbst noch 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen. Mehrere große Banken haben bereits angekündigt, die Negativzinsen für ihre Kunden zeitgleich und im selben Umfang wie die EZB zurückzufahren. Bei vielen Banken reduzieren sich die Negativzinsen bei einer Zinsanpassung sogar automatisch. Diese Institute haben das Verwahrentgelt explizit an den Einlagezins der EZB gekoppelt.

Inflation entwertet Kontoguthaben

Auch wenn Negativzinsen in absehbarer Zeit kein Thema mehr sein dürften, sollten Bankkundinnen und -kunden nicht zu viel Geld auf dem Tagesgeld- oder Girokonto parken, rät Verivox. Denn auf dem Tagesgeld- oder Girokonto bringt das Ersparte wenig oder gar keine Zinsen. Zugleich verliert das Geld durch die Inflation massiv an Wert. Für das Gesamtjahr 2022 rechnet die Deutsche Bundesbank mit einer Inflationsrate von 7,1 Prozent. Bei dieser Teuerung würden 10.000 Euro unverzinst auf dem Girokonto in einem Jahr 663 Euro an Wert verlieren. „Es ist sinnvoll, dass Sparer eine gewisse Geldreserve für unerwartete Ausgaben verfügbar halten“, rät Oliver Maier. „Dafür genügen in der Regel etwa drei Monatsgehälter, angelegt auf einem Tagesgeldkonto mit möglichst hohen Zinsen. Der übrige Teil der Ersparnisse sollte in Anlagen fließen, die höhere Erträge bringen – zum Beispiel in einen Mix auf Festgeld und Aktien.“

Zinswende: Festgeldzinsen seit Anfang April mehr als verdreifacht

Nachdem zunächst vor allem die Kreditzinsen gestiegen waren, ist die Zinswende inzwischen auch bei den Sparern angekommen. In der Marktspitze haben sich die Festgeldzinsen seit Anfang April teilweise mehr als verdreifacht. Deutsche Banken zahlen Sparern aktuell bis zu 1,3 Prozent Zinsen für Festgelder mit 2 Jahren Laufzeit. Zu Beginn des zweiten Quartals brachten selbst Top-Angebote nur 0,41 Prozent.

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Die beste Chance auf Renditen oberhalb der laufenden Teuerung bietet der Aktienmarkt. „Für den Teil der Ersparnisse, der langfristig angelegt werden kann, sollten Sparer deshalb auch eine Geldanlage an der Börse in Erwägung ziehen“, rät Oliver Maier.

Diese Banken verzichten ganz oder teilweise auf Negativzinsen

  • 1822direkt: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 € auf dem Tagesgeld- und 50.000 € auf dem Girokonto
  • Consorsbank: Negativzinsen abgeschafft
  • Degussa Bank: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 € auf dem ersten Girokonto und 5.000 € auf jedem weiteren Konto
  • Deutsche Skatbank: Freibetrag gestiegen: jetzt 1 Mio. €
  • ING: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 € pro Konto
  • Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg: Freibetrag gestiegen: jetzt 250.000 €
  • Kreissparkasse Wiedenbrück: Negativzinsen für Neukunden abgeschafft. Für Bestandskunden werden die Konditionen zeitgleich und im selben Umfang wie der EZB-Einlagezins angepasst.
  • Mainzer Volksbank: Negativzinsen abgeschafft
  • Merkur Privatbank: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 €. Negativzins jetzt immer -0,5%
  • N26: Negativzinsen abgeschafft Die Bank hat die Abschaffung der Negativzinsen bereits gemeldet, ihr Preisverzeichnis aber noch nicht angepasst.
  • Nordthüringer Volksbank: Negativzinsen abgeschafft
  • Oldenburgische Landesbank (OLB): Freigrenze gestiegen: jetzt 500.000 €. Bei Überschreiten wird der Negativzins aufs gesamte Guthaben berechnet.
  • pbb direkt - Deutsche Pfandbriefbank: Negativzinsen abgeschafft
  • ProCredit Bank: Negativzinsen abgeschafft
  • PSD Bank Kiel: Negativzinsen abgeschafft
  • PSD Bank Nürnberg: Negativzinsen abgeschafft
  • PSD Bank Westfalen-Lippe: Negativzinsen abgeschafft
  • Raiffeisenbank Aichhalden-Hardt-Sulgen: Negativzinsen abgeschafft
  • Raiffeisenbank Kalbe-Bismark: Negativzinsen abgeschafft
  • Raiffeisenbank Oldenburg: Freibetrag gestiegen und Negativzins halbiert. Jetzt nur noch -0,25% ab 1 Mio. €.
  • Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparda-Bank Hamburg: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparda-Bank Hannover: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparda-Bank Nürnberg: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparda-Bank Südwest: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparda-Bank West: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau: Freibetrag gestiegen: jetzt 100.000 €
  • Sparkasse Hanau: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparkasse Miltenberg-Obernburg: Negativzinsen abgeschafft
  • Sparkasse Rhein-Neckar: Negativzinsen abgeschafft
  • Volks- und Raiffeisenbank Fürstenwalde Seelow Wriezen: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 €
  • Volks- und Raiffeisenbank Muldental: Negativzinsen abgeschafft
  • Volksbank Bremerhaven-Cuxland: Negativzinsen abgeschafft
  • Volksbank Hameln-Stadthagen: Negativzinsen abgeschafft
  • Volksbank Nottuln: Negativzinsen für Tagesgeld abgeschafft. Auf dem Girokonto weiter -0,5 % ab einem indiv. Freibetrag.
  • Volksbank Odenwald: Negativzinsen abgeschafft
  • Volksbank Oldenburg: Freibetrag gestiegen und Negativzins halbiert. Jetzt nur noch -0,25% ab 1 Mio. €.
  • Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 €
  • Volksbank Schwarzwald-Donau-Neckar: Negativzinsen abgeschafft
  • Volksbank Stendal: Freibetrag gestiegen: jetzt 100.000 €
  • Volksbank Thüringen Mitte: Negativzinsen abgeschafft
  • Volksbank Wümme-Wieste: Freibetrag gestiegen: jetzt 500.000 €
  • VR-Bank Altenburger Land: Freibetrag gestiegen: jetzt 1 Mio. €
  • VR-Bank Erding: Negativzinsen abgeschafft
  • VR-Bank Feuchtwangen-Dinkelsbühl: Negativzinsen abgeschafft
  • VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen: Negativzinsen abgeschafft
  • VR-Bank Mittelfranken West: Negativzinsen abgeschafft
  • VR-Bank Neuburg-Rain: Negativzinsen abgeschafft
  • VR-Bank Rhein-Neckar: Negativzinsen abgeschafft

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