Versicherungsbote: Seit wann gibt es die Plattform Policentransfer.de und was ist das Geschäftsmodell?

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Maximilian Würz: Policentransfer.de ist eine Plattform für die Umdeckung und den Verkauf von Versicherungsbeständen. Sie richtet sich auf Anbieter-Seite an Makler, die Ihren Bestand simplifizieren bzw. abgeben möchten und auf der Nachfrage-Seite an Versicherungen und Assekuradeure, die Interesse an der Übernahme weiterer Bestände haben. Beim Thema Verkauf richten wir uns auch an Makler, die Bestände erwerben wollen.

Philipp Kanschik

Dr. Philipp Kanschik ist Geschäftsführer von Policen Direkt und dort verantwortlich für Technologieentwicklung und Maklernachfolge.

Wofür braucht der Makler die Plattform policentransfer.de? Kann der Makler nicht einfach direkt auf die Gesellschaften zugehen?

Maximilian Würz: Prinzipiell schon. Allerdings ist der Markt für Umdeckungen für Makler wenig transparent. Die Verhandlungen mit verschiedenen Gesellschaften gleichzeitig nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Diese Arbeit nehmen wir dem Makler ab. Er stellt seinen Bestand auf unsere Plattform und kann dann einfach schauen, was ihm die Gesellschaften anbieten. Im Kern wollen wir für den Makler eine Komfortzone schaffen und Barrierefreiheit ermöglichen.
Dr. Philipp Kanschik: Ich würde noch hervorheben, dass sich für die Gesellschaften mithilfe der Plattform die Chance bietet, Bestände umzudecken, von denen sie sonst nie erfahren hätten.

Warum sollten Makler überhaupt ihre Alt- und Streubestände konsolidieren?

Maximilian Würz: Hier gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist eine Konsolidierung gut für die Kunden. Häufig können bessere Leistungen erzielt werden, sei es bei geringeren oder gleichbleibenden Prämien. Nach der Konsolidierung ist in aller Regel kein einziger Kunde schlechter versichert als vorher - die meisten wesentlich besser. Gleichzeitig reduzieren sich die Haftungsrisiken für den Makler und die Komplexität im eigenen Bestand.
Dr. Philipp Kanschik: Ich kann der Einschätzung von Herrn Würz an dieser Stelle nur zustimmen. Für uns Makler hat das Ganze viele Vorteile. Wir sind aktuell als Großmakler an über 100 Gesellschaften angebunden und über kurz oder lang gezwungen, diese Komplexität zu reduzieren und den Bestand auf einige Gesellschaften zu verdichten, die dann leichter für uns zu administrieren sind, aber unseren Kunden auch bessere Konditionen bieten.

Was hält Makler davon ab, umzudecken?

Dr. Philipp Kanschik: Vor allem operative Fragen. Häufig sind die Datenanforderungen für die Umdeckung der Gesellschaften sehr hoch. Der Appetit ist zwar grundsätzlich da, aber wenn der Makler die Schadenquoten aller Kunden in den letzten zehn Jahre raussuchen muss, verliert er natürlich schnell den Spaß an der Sache.
Maximilian Würz: Ja, in der Tat, das ist ein Problem. Auch hier versuchen wir durch unsere Plattform eine Vereinfachung für den Makler herzustellen. Wir versuchen eine Standardisierung der für Bestandskonsolidierung nötigen Datenanforderungen im Markt zu erreichen und sind auf diesem Weg auch schon gut vorangekommen.
Häufig ist aber auch schlichtweg die Herausforderung, dass Maklern die Bedeutung von Umdeckungen gar nicht bewusst sind. Ich versuche deshalb sehr aktiv, zum Beispiel in Maklergruppen auf Social Media-Plattformen, auf die Vorteile der Umdeckung hinzuweisen.

Wie hängen die Themen Bestandskonsolidierung und Maklernachfolge zusammen?

Dr. Philipp Kanschik: Grundsätzlich ist ein konsolidierter Bestand einfacher zu übertragen und entsprechend leichter für den Nachfolger zu betreuen. Vor allem die Bestandsübertragung geht schneller und mit weniger administrativem Aufwand.

Sollte ein Bestand besser vor oder nach dem Bestandsverkauf konsolidiert werden?

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Maximilian Würz: Beides ist denkbar. Es schadet aber sicherlich nicht, wenn der Altmakler vor der Reglung seiner Nachfolge noch einmal eine Konsolidierung vornimmt. Dadurch wird es, wie von Herrn Dr. Kanschik erwähnt, für alle Seiten schlichtweg einfacher. Bestandskonsolidierungen werden aber nicht nur ein einziges Mal vorgenommen. Sie sind eine regelmäßige Übung, an die Makler sich gewöhnen oder die sie antrainieren müssen.