Bereits seit 2001 gibt es dem Ombudsmann für Versicherungen, eine Schlichtungsstelle der Versicherungswirtschaft in Berlin. Am Dienstag informierte Ombudsmann Wilhelm Schluckebier über die Beschwerdetätigkeit der Verbraucher. Die Pandemie habe im vergangenen Jahr keine spürbaren Effekte in den einzelnen Sparten ergeben. Auch in der Reiseversicherung hätten sich die Beschwerdezahlen nach dem pandemiebedingten starken Anstieg im Jahr 2020 wieder normalisiert. Auch die Naturkatastrophe (Tief „Bernd“) im Juli 2021 habe bislang nicht zu einem deutlichen Anstieg von Beschwerden geführt. Demnach seien anno 2021 lediglich 91 Beschwerden eingegangen, die fast ausnahmslos auch im Jahr 2021 hätten beendet werden können.

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Insgesamt 14.106 zulässige Beschwerden seien im Berichtsjahr bei der Schlichtungsstelle eingegangen. Das sind 6,6 Prozent mehr als 2020. Im Vorjahr war das Beschwerdeaufkommen um 8,1 Prozent gesunken. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor.

Zusammen mit den unzulässigen und von den Beschwerdeführern nicht weiterverfolgten Vorgängen seien in Summe 18.344 Verfahren (18.133) beendet worden. Davon seien 3.321 Beschwerden (4.045) als unzulässig eingestuft worden. Rund 27 Prozent der Beschwerden waren von Dritten gestellt worden. Dazu zählen unter anderem Personen die Schadenersatzansprüche geltend machen wollen. Über ein Viertel der unzulässigen Beschwerden (27 Prozent) waren zur Privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Hierfür ist jedoch der PKV-Ombudsmann zuständig. Weitere 886 Rügen seien von den Beschwerdeführern nicht weiterverfolgt worden.

Beim Großteil der 18.344 Verfahren beklagte sich die Verbraucher über den Versicherer. Dies war in 17.300 Fällen so. Das entspricht einem Anteil von 94,3 Prozent. Lediglich in 677 Fällen wurde sich über einen Vermittler beklagt. Das sind 379 Fälle mehr. Von diesen 677 Beschwerden, die einen Anteil von schmalen 3,7 Prozent an der Gesamtzahl der Beschwerden ausmachen, waren allerdings nur 551 Beschwerden zulässig. Damit wurde etwa ein Sechstel der Beschwerden über einen Versicherungsvermittler als unzulässig eingeordnet.

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Der deutliche Anstieg der Beschwerden über Vermittler sei jedoch auf eine konfliktbehaftete Umdeckungsaktion durch ein großes Vermittlerunternehmen zurückzuführen. Ein als Versicherungsmakler registrierter Vermittler habe einen von ihm verwalteten Bestand von dem bisherigen Versicherer auf eine andere Gesellschaft umgedeckt. Allerdings stufte der bisherige Versicherer die Kündigungen der Altverträge als unwirksam ein. Parallel waren aber bereits neue Verträge bei anderen Versicherern eingedeckt worden. Daraufhin sahen sich die Versicherungsnehmer doppelten Beitragsforderungen ausgesetzt. Insgesamt hätten sich allein im Jahr 2021 über 290 Verbraucher deshalb an den Ombudsmann gewandt. In Summe hätten sich die Beschwerden gegen den Vermittler sowie den alten Versicherer auf über 800 Beschwerdevorgänge angehäuft.

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