Will man den von Versicherungsmakler Sven Hennig geschilderten Leistungsfall in wenigen Worten zusammenfassen, könnten es folgende sein: ‚Mit dem richtigen Vermittler und dem passenden Vertrag, kann ein Monatsbeitrag ausreichen, um Leistungen zu erhalten‘. Die Kollegen von Pfefferminzia entschieden sich für folgende Variante der Zusammenfassung: ‚Einmalig 185 Euro BU-Beitrag gezahlt, 150.000 Euro kassiert‘. Das klingt eher nach Taschenspieler-Tricks - zudem wirft ‚kassiert‘ ein eher fragwürdiges Licht auf den Versicherten. Und das wird dem Fall nicht gerecht. Vielmehr lassen sich einige allgemeine Entwicklungen und Schwierigkeiten an dem Fall zeigen. Und nicht zuletzt geht es auch darum, dem weit verbreiteten und beständig gepflegten Vorurteil, Versicherer würden sich systematisch um Leistungspflicht ‚drücken‘, etwas entgegen zu setzen.

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Zunahme psychischer Erkrankungen

Erst kürzlich stellte das Analysehaus Morgen & Morgen Auswertungen zu den Ursachen von Berufsunfähigkeit vor. Und die zeigen eine klare Entwicklung: 2012 konnten etwa 20 Prozent aller BU-Leitungsfälle auf psychische Erkrankungen zurückgeführt werden. 2021 lag dieser Wert bereits bei 31,88 Prozent. In der jüngsten Auswertung ist nochmals ein Anstieg auf inzwischen 33,51 Prozent zu verzeichnen (Versicherungsbote berichtete).

Auch Hennig beobachtet diese Entwicklung in seinem eigenen Bestand und der Versicherte im geschilderten Fall ist ebenfalls von einer solchen Erkrankung betroffen: Antriebslosigkeit und Waschzwang werden beispielsweise genannt. In der Praxis können insbesondere psychische Erkrankungen zu Schwierigkeiten führen, weil mitunter Post nicht mehr geöffnet - geschweige denn bearbeitet - wird. Auch in diesem Fall war das zeitweise so. Und das führt zum nächsten allgemeinen Punkt, der sich exemplarisch an diesem Fall zeigen lässt.

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Häufigster Ablehnungsgrund: Keine Reaktion des Kunden

Die Analysten von Morgen & Morgen werteten auch die Ablehnungsgründe von Leistungsanträgen aus. Ergebnis: Häufigster Ablehnungsgrund von Anträgen auf Berufsunfähigkeitsrente ist, dass sich die Antragsteller nicht mehr melden. In 38,36 Prozent aller abgelehnten Fälle sei das so, ergab die Analyse (Versicherungsbote berichtete). Der von Hennig geschilderte Fall hätte einer davon werden können: Post wurde nicht mehr geöffnet oder/und nicht mehr bearbeitet. Das mag in vielen Fällen zum Krankheitsbild gehören - doch ohne Unterlagen kann selbst der beste Versicherer nicht über Leistungen entscheiden.

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