Sei es eine Liquiditätslücke in Folge der Corona-bedingten Einschränkungen, eine spontane Möglichkeit zur Investition, eine erforderliche Baumaßnahme oder schlicht ein Liquiditätspuffer für künftige Geschäftsvorfälle: Es kann immer wieder passieren, dass ein Finanz- und Versicherungsunternehmen kurzfristig Kapital benötigt und der Eigentümer dieses Geld zur Verfügung stellt. Andersherum ist auch denkbar, dass der Gesellschafter Kapital für die private Seite benötigt und dafür Liquidität aus dem Unternehmen nutzt.

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In diesen Fällen spricht man von Darlehen zwischen GmbH oder AG und Gesellschafter. Darlehen zwischen Gesellschaft und Gesellschafter sind eine weitere Finanzierungsform, die Kapitalgesellschaften durchführen können. Der Klassiker ist die Bankfinanzierung, dazu kommen öffentliche Fördermittel oder Beteiligungen durch bestimmte Institute der öffentlichen Hand, ebenso Lieferantenkredite oder die Aufnahme weiterer Gesellschafter.

Rechts- und steuerwirksam Verträge abschließen

Das ist zunächst auch unproblematisch. Da eine Kapitalgesellschaft eine eigene Rechtspersönlichkeit hat, kann sie auch mit ihren Gesellschaftern rechts- und steuerwirksam Verträge abschließen. Auf der anderen Seite bestehen auch spezifische Voraussetzungen für das Gesellschafterdarlehen. Diese sollten Finanz- und Versicherungsunternehmer nicht geringschätzen, sondern sich – am besten gemeinsam mit dem steuerlichen beziehungsweise rechtlichen Berater – vorausschauend damit auseinandersetzen, damit das Projekt erfolgreich gestaltet werden kann. Übrigens: Bei einer Personengesellschaft würde man statt vom Gesellschafterdarlehen von Kapitaleinlagen oder -entnahmen sprechen, wobei auch hier eine Ausgestaltung als Darlehen denkbar ist.

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Zunächst muss als Grundlage dafür, dass Darlehen zwischen GmbH und Gesellschafter generell überhaupt möglich sind, die Befreiung vom Verbot des Insichgeschäfts (Selbstkontrahierungsverbot, § 181 BGB) vertraglich verankert und ins Handelsregister eingetragen werden. In dem entsprechenden Paragrafen heißt es: „Ein Vertreter kann, soweit nicht ein anderes ihm gestattet ist, im Namen des Vertretenen mit sich im eigenen Namen oder als Vertreter eines Dritten ein Rechtsgeschäft nicht vornehmen, es sei denn, dass das Rechtsgeschäft ausschließlich in der Erfüllung einer Verbindlichkeit besteht.“ Alternativ kann die Gesellschafterversammlung per Gesellschafterbeschluss die Befreiung vom Verbot des Selbstkontrahierens für den Geschäftsführer erteilen. Diese Befreiung vom Selbstkontrahierungsverbot klingt gerade für Einzel-Geschäftsführer-Gesellschafter etwas banal, aber sie muss dringend formal korrekt durchgeführt werden, um Rechtssicherheit zu erlangen.

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