Welche Versicherungen braucht man am dringendsten? Welche Kosten sind in der Warmmiete enthalten? Und welche Anlageform in Aktien birgt die wenigsten Risiken? Wer derartige Fragen beantworten kann, verfügt über praktisches Finanzwissen.

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„Praktisch“ bedeutet hierbei: Das Wissen bezieht sich auf eine Vielzahl relevanter Entscheidungen, mit denen man im Alltag konfrontiert werden kann. Wissen schützt hier vor Fehlentscheidungen und negativen Konsequenzen. Wie aber ist es um das praktische Finanzwissen der Deutschen bestellt?

Finanztip forscht zum Finanzwissen

Dies wollte die Stiftung des Finanztip-Portals herausfinden – und gab bei der Innofact AG eine repräsentative Studie in Auftrag. Insgesamt 3.082 Teilnehmer konnten gewonnen werden, um einen Katalog mit zwölf Fragen zu beantworten. Antwortmöglichkeiten waren vorgegeben, richtige Antworten sollten angekreuzt werden. Die Fragen behandelten verschiedene Themenbereiche des alltäglichen Finanzhandelns – Versicherungen, Geldanlage, Miete, Kredit, Zinsen.

Für richtige Antworten wurden Punkte vergeben. Insgesamt 12,5 Punkte erhielt, wer alle Fragen richtig beantwortete. Eine geringe Punktzahl hingegen offenbart Wissenslücken und Defizite. Gute Punktwerte aber wurden selten vergeben – die Ergebnisse der Studie fallen ernüchternd aus.

Dispokredit – oft genutzt und nicht verstanden?

Exemplarisch veranschaulicht die Frage nach den Dispozinsen das Problem. Sie lautet: Angenommen, Du hast ein Girokonto mit einem Disporahmen von 1.000 Euro. Ab wann fallen Dispozinsen für Dich an, wenn Dein Kontostand -500 Euro beträgt? Vier mögliche Antworten wurden vorgegeben:

  • „Es fallen keine Dispozinsen an.“
  • „Es fallen zunächst keine Dispozinsen an, solange ich das Konto bis zum Ende des aktuellen Monats wieder ausgleiche.“
  • „Es fallen sofort Dispozinsen an, die mir am Ende des Monats abgebucht werden.“
  • „Weiß ich nicht.“

Nun verfügen zwar viele Menschen über einen Dispokredit für ihr Konto. Die richtige Antwort aber – Antwort drei – kreuzten nur 50,9 Prozent der Befragten an. Das bedeutet auch: Fast die Hälfte der Teilnehmenden gab entweder selber direkt an, die richtige Antwort nicht zu wissen oder beantwortete die Frage falsch:

  • 8,7 Prozent der Befragten meinten, es würden gar keine Dispozinsen anfallen.
  • Hohe 24,7 Prozent der Befragten meinten, es fallen keine Zinsen an, solange man den Minusbetrag bis zum Monatsende wieder ausgleicht.
  • 15,7 Prozent enthielten sich komplett einer Antwort – wie ein Dispokredit funktioniert, scheinen viele Menschen mit Dispokredit nicht wirklich zu wissen.

Wer weiß vom Zinseszinseffekt?

Ähnlich die Frage nach dem Zinseszinseffekt. Sie lautete: Angenommen, Du hast 100 Euro auf einem Bankkonto gespart und der Zinssatz liegt bei 1% pro Jahr. Wieviel Geld hast Du nach 10 Jahren auf dem Konto, wenn Du die jährlichen Zinserträge auf dem Konto lässt?

Als Antwort wurden die Möglichkeiten vorgegeben:

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  • „Mehr als 110 Euro.“
  • „Genau 110 Euro.“
  • Weniger als 110 Euro.“
  • „Weiß ich nicht.“

Bei dieser Frage lag sogar mehr als die Hälfte der Befragten falsch. 9,5 Prozent wussten die Antwort nicht und gaben keine Antwort. 11,8 Prozent meinten, sie hätten weniger als 110 Euro auf dem Konto und 29,5 Prozent meinten, sie hätten genau 110 Euro auf dem Konto. Hingegen wussten nur 49,2 Prozent die richtige Antwort – dass sie aufgrund des Zinseszins-Effekts mehr als 110 Euro auf dem Konto hätten.

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