Worum geht's überhaupt – Versteht der Kunde unter dem Wort Nachhaltigkeit das Gleiche wie ich?

Einfache Definitionen und allgemeine Ansätze vom Begriff Nachhaltigkeit fokussieren sich überwiegend auf die Umweltaspekte. In der ursprünglichen Definition, welche auf Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) zurückgeht, heißt es dazu wörtlich:
"Wird derhalben die größte Kunst, Wissenschaft, Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen, wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen, daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weil es eine unentberliche Sache ist, ohne welche das Land […] nicht bleiben mag".
Der Ansatz erscheint logisch, da ein Leben und Wirtschaften auf der Erde nur möglich ist, wenn kein Raubbau am Planeten verübt wird. Allerdings verfügt Nachhaltigkeit über (mindestens) drei Dimensionen:

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  • Soziale Nachhaltigkeit
  • Ökonomische Nachhaltigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit

Für 47 Prozent unserer Befragten bedeutet Nachhaltigkeit umfassend, "die Bedürfnisse so zu befriedigen, dass Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden". Diese Definition suggeriert eine Gleichrangigkeit der drei Säulen der Nachhaltigkeit. In unseren Befragungen konnten wir allerdings feststellen, dass mehr als die Hälfte der Befragten, eine der drei genannten Säulen einen herausragenden Stellenwert beimessen. Schauen wir uns dies im Einzelnen an.

Soziale Nachhaltigkeit

Einfach formuliert, geht es um einen dauerhaften gesellschaftlichen Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Humanität. Der deutsche Professor Michael von Hauff definiert die soziale Nachhaltigkeit als Voraussetzung, um die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaftsform oder einer Volkswirtschaft sicherzustellen. Übertragen auf jede*n Einzelne*n sind wir individuell bereit, andere Mitglieder der Gesellschaft zu bestrafen, die mit ihrem Verhalten das Wohlergehen zukünftiger Generationen schädigen. Bei sozialer Nachhaltigkeit darf natürlich auch eine gerechte Verteilung der Ressourcen sowie des sozialen Kapitals (im Sinne eines Zusammenhalts von Gruppen) nicht fehlen. Ca. 16 Prozent unserer Befragten sehen Nachhaltigkeit als gesellschaftspolitisches Konzept und betonen soziale Aspekte als Kern.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Die ökonomische Nachhaltigkeit ist unmittelbar mit der Wirtschaftsleistung einer Gesellschaft oder Volkswirtschaft verbunden. Diese Leistungen sind nachhaltig, wenn sie auch dauerhaft - also insbesondere in kommenden Generationen - betrieben werden können. Die Wirtschaftsleistung wurde in der Vergangenheit unter anderem mit Pro-Kopf-Einkommen, Wirtschaftswachstum oder Bruttoinlandsprodukt gleichgesetzt. Das individuelle Wohlbefinden wurde bisher von dieser Perspektive nicht beachtet, und ist direkt, aber nicht ausschließlich, von diesen Werten abhängig.

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Ein neuerer Ansatz für die Messung der ökonomischen Nachhaltigkeit ist der nationale Wohlfahrtsindex. Dieser berücksichtigt zahlreiche monetäre und quantifizierbare Dimensionen, die über das Bruttoinlandsprodukt deutlich hinausgehen (bspw. Gerechtigkeit, Verteilung von Vermögen, etc.). Ökonomische Nachhaltigkeit bezieht sich somit auf die Langfristigkeit des wirtschaftlichen Handelns und die Fähigkeit der Wirtschaftsakteure "das richtig zu tun". 13 Prozent der Befragten unserer Umfragen sehen die ökonomische Abhängigkeit als besonders relevanten Aspekt von Nachhaltigkeit. Daran werden insbesondere Versicherungsgesellschaften gemessen werden. Lesen Sie dazu mehr in Teil IV: Versicherungen in der Dekade des Handelns – Greenwashing, nein Danke!

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