Versicherungsbote: Wie sind Sie bisher durch die Coronakrise gekommen?

Anzeige

Janine Kreiser: Geschäftlich verlief es sehr gut – für mich ergaben sich keine negativen Auswirkungen durch die Coronakrise. Aufgrund der privaten und sozialen Einschränkungen verblieb letztendlich sogar mehr Zeit für Prozessüberarbeitung und Weiterbildung. Mit Blick aufs Geschäft ist die Krise sicherlich positiv zu bewerten. Für die eigene Work-Life-Balance hingegen ist sie wohl eher nachteilig.

Ich bin in den Bereichen Beratung, Vertrieb & Verwaltung seit Stunde null digital aufgestellt. Deswegen begrüße ich natürlich, dass nun auch fast alle Gesellschaften gezwungen sind, digitale Prozesse zu optimieren und zu akzeptieren – und zum Beispiel die digitale Unterschrift anzubieten.

Ihre Zielgruppe sind junge Medizinerinnen und Mediziner. Warum genau die Spezialisierung auf diese Zielgruppe? Und was unterscheidet sie von anderen?

Mir wurde zeitig klar, dass ich, wenn ich als Einzelmaklerin erfolgreich sein möchte, nicht um eine Spezialisierung herumkomme. Meines Erachtens ist allein die Maklertätigkeit eine große Herausforderung. Keiner kann alles bis ins letzte Detail über alle Sparten und Bereiche hinweg wissen. Stichwort: bAV oder Absicherung von Beamten oder Firmen.

Außerdem war es mir wichtig, mit geringem, aber gezielten Werbeaufwand möglichst viele Personen zu erreichen. Nur mit einem definierten Personenkreis kann man dann standardisierte Prozesse in der Beratung schaffen, so dass der Zeiteinsatz gering, aber der Nutzen-Output möglichst hoch ist. Also musste ich eine möglichst kleine, krisensichere und vermögende Zielgruppe finden, auf welche die obigen Anforderungen passen. Durch meinen Berufsstart bei einer mittelständischen Wirtschaftsberatung bin ich auf die Zielgruppe berufsstartende Mediziner(innen) gestoßen und empfand sie als äußerst angenehm: gebildet, emphatisch und sehr dankbar für die Hilfestellung im Bereich Versicherung und Finanzen.

Damals als 23-jährige Berufsstarterin war schnell klar, dass ich möglichst Gleichaltrige beraten möchte, um dann mit ihnen gemeinsam alt zu werden. Der Vorteil beim Fokussieren auf berufsstartende Mediziner(innen) ist, dass es alle halben Jahre neue potenzielle Kunden gibt, dass sie größtenteils das gleiche Einstiegsgehalt haben und dass sie meist keine drei Versicherungsordner zum Check vorbeibringen.

Sie haben sich im Jahr 2014 mit finaconsil selbstständig gemacht. Wie kam es zu der Entscheidung bzw. worin sehen Sie die Vorteile der Selbstständigkeit?

Es kam zu der Entscheidung, weil ich herausfand, dass ich wesentlich schneller Ideen umsetzen und realisieren kann, wenn ich die Chefin bin. Sei es bei Beratungsansätzen, bei Marketingmaßnahmen oder bei der Aufbereitung von Unterlagen für Präsentationen. Ich sah dabei kein Risiko in der Selbstständigkeit, sondern eher eine Chance auf ein selbstbestimmtes Arbeitsleben in quasi allen Bereichen. „Tu was du liebst und das Geld kommt von ganz allein“ – mein Motto. Willensstark, gut organisiert und zielstrebig war ich schon immer. Mit dem Wissen, einen guten Maklerpool an der Seite zu haben sowie einen Kooperationspartner, der berufsstartende Ärztinnen und Ärzte in die Kliniken vermittelte und mich als Finanzmaklerin weiterempfahl, konnte nichts schief gehen.

…und welche Hürden mussten Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit überwinden?

Anzeige

Das ist eine gute Frage. Und ich musste einige Zeit über die Antwort nachdenken — was, glaube ich, ein gutes Zeichen ist. Die ersten drei Jahre der Selbstständigkeit empfand ich als sehr herausfordernd. Es gab viel „trial and error“ hinsichtlich funktionierender Werbemaßnahmen, verlässlicher Kooperationspartner und stimmiger Beratungsabläufe. Alles war verbunden mit einem wahnsinnig hohen Zeiteinsatz. Ich würde es nicht als Hürde bezeichnen, aber als einen Zeitraum, durch den man als Unternehmer einfach durchmuss. Da ich immer wusste, für was ich diesen Aufwand betreibe – durch den Glauben daran, dass es sich auszahlen würde –, gab es immer nur eine Richtung: nämlich vorwärts!

Seite 1/2/3/