Wo können Versicherer in Zeiten niedriger Zinsen noch Rendite erwirtschaften? Für die Antwort auf diese Frage lohnt ein Blick nach München, wo mit der Allianz der größte Versicherer Europas beheimatet ist. 10,6 Milliarden hat die Immobilien-Tochter Allianz Real Estate bereits im Portfolio, um in Gewerbeprojekte in großen Metropolen wie Paris oder London zu investieren. Und auch Infrastruktur-Projekte fasst der Versicherer vermehrt ins Auge.

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Laut einem Bericht des Handelsblatts hat der Allianz Global Diversified Infrastructure Fund (AGDIEF), ein recht neu aufgesetzter Infrastruktur-Fonds des Versicherers, mehr als eine Milliarde Euro einsammeln können. Seit rund einem Jahr ist der Fonds geöffnet - und hatte als ursprüngliche Zielmarke 900 Millionen Euro ausgegeben. Erstmals haben institutionelle Anleger damit die Möglichkeit, Eigenkapital mit einem mehrere Milliarden Euro großen Investitionsprogramm mit der Allianz aufzubauen. Das Magazin beruft sich Yves Meyer-Bülow, Leiter Infrastruktur und Co-Investments bei der Anlagetochter Allianz Capital Partners.

Co-Investments: Allianz steuert denselben Betrag noch einmal bei

Zu den Zielsektoren des Fonds gehören Energie-, Transport-, Kommunikations-, Umwelt- und soziale Infrastruktur, wie die Allianz auf ihrer Webseite berichtet. Dabei verfolgt die Allianz einen Co-Investmentansatz. „Dabei wird die Allianz bei Zielinvestitionen mindestens denselben Betrag, den die Drittinvestoren investieren, einsetzen, wodurch ein starker Gleichklang der Interessen gewährleistet wird“, schreibt der Versicherer auf seiner Webseite.

Verwaltet wird der Fonds von Allianz Capital Partners (ACP), Asset Manager der Allianz Gruppe für alternative Eigenkapitalanlagen und Teil von Allianz Global Investors. Insgesamt verwaltet die ACP über 34 Milliarden Euro an alternativen Eigenkapitalanlagen in den Bereichen Private Equity, Infrastruktur und Erneuerbare Energien. Allein 17 Milliarden entfallen hierbei auf Infrastruktur-Projekte. Die Investoren nehmen laut „Handelsblatt“ aber eine längere Haltedauer in Kauf, wie sie derart ihr Geld anlegen wollen: rund zehn Jahre, da die Anlagen illiquide seien.

Schritte hin zu Klimaneutralität

Darüber hinaus hat die Allianz am Donnerstag erstmals berichtet, wie sie die Treibhausgas-Emissionen in ihrer Anlage der Versichertengelder verringern will. Der Konzern will auch bei den angelegten Kundengeldern klimaneutral werden, wenn er sich dabei auch Zeit lässt: als Ziel ist das Jahr 2050 vorgegeben. Allerdings gilt es hierbei zu bedenken, dass die Versicherer viele langjährig laufende Papiere halten, aus denen sie oft nur mit Verlusten aussteigen könnten: auch zum Nachteil der Kundinnen und Kunden. Nun werden erste Zwischenschritte bekannt gegeben: In den kommenden fünf Jahren will das Unternehmen die Klimagase, die im operativen Betrieb entstehen, um 30 Prozent (gegenüber 2019) verringern.

“Alle Aktien sowie Unternehmensanleihen werden neben klassischen Investmentkriterien künftig auch auf ihre Vereinbarkeit mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens überprüft“, berichtet der Versicherer im Pressetext. „Zusätzlich werden bis 2025 alle von der Allianz investierten Immobilien in der Summe ihrer Emissionen in Übereinstimmung mit wissenschaftlich fundierten 1,5-Grad-Pfaden sein. Über ihre Fortschritte wird die Allianz jährlich berichten und so Transparenz für ihre Kunden und die Öffentlichkeit schaffen“.