Die Auswirkungen von COVID-19 haben das Image der Versicherungsbranche negativ beeinflusst: und zwar extrem. So hat sich die Zahl der Deutschen, die negativ über die Versicherer denken, verdoppelt. Das zeigt der Guidewire Survey Report 2020, eine repräsentative Umfrage unter Versicherungsnehmern im Alter von 16 bis 55 Jahren. Die Studie wurde in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchgeführt.

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Die Studie belegt, dass 22 Prozent der Befragten länderübergreifend der Meinung sind, dass die Versicherungen nicht genug für die Menschen getan haben, die von der Krise getroffen wurden (21 Prozent in Deutschland, 17 Prozent in UK und 28 Prozent in Frankreich). Bei lediglich 11 Prozent der Verbraucher gewannen die Versicherungen während der Krise an Reputation – dieser Wert ist in allen drei Ländern gleich niedrig. Immerhin 22 Prozent der Befragten hatte im Durchschnitt bereits vor der Krise ein negatives Bild der Branche (22 Prozent in Deutschland, 25 Prozent in UK, 18 Prozent in Frankreich, siehe Grafik)

Das Vertrauen der Verbraucher litt in der CoronakriseGuidewire

Erfreulich aus Sicht der Versicherer ist immerhin, dass auch deutlich mehr als jeder Vierte länderübergreifend die Aussage bejahte: "Meine Meinung hat sich nicht verändert, ich hatte bereits ein positives Bild der Branche" (28,12 Prozent). Insgesamt wurden 3.009 Verbraucherinnen und Verbraucher online befragt, in jedem Land gleichviel.

Ursachen für Vertrauensverlust?

Warum das Image der Versicherer in der Coronazeit so massiv litt, erfragte die Studie von Guidewire nicht. Gründe hierfür können folglich nur vermutet werden:

Betriebsschließungs-Kunden nicht voll entschädigt

Einerseits bestimmte zum Zeitpunkt der Erhebung bereits die Debatte über Corona und Betriebsschließungs-Policen die Schlagzeilen. Das Gros der Versicherer will Gastronomen und Hoteliers nicht voll entschädigen, wenn sie infolge einer Allgemeinverfügung ihren Betrieb dicht machen mussten, auch wenn sich diese auf das Infektionsschutzgesetz bezog. Sie beharren darauf, dass Pandemie-Risiken nicht von den Verträgen gedeckt seien. Das "Nein" der Versicherer trifft die Hotel- und Gastronomiebranche in einer Zeit, in der ohnehin viele Betriebe dank der Corona-Beschränkungen von der Pleite bedroht sind.

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Mit dem Vorgehen in Sachen Betriebsschließung könnte sich die Branche einen Bärendienst erwiesen haben, wenn das harte Vorgehen zu einem dauerhaften Vertrauensverlust beiträgt (der Versicherungsbote berichtete). Dem entgegen hat die öffentliche Hand schnell Corona-Hilfen auf den Weg gebracht, was den Eindruck verstärkt haben könnte, dass auf den Staat eher Verlass ist.

Rekorddividende trotz Corona

Für Empörung sorgte darüber hinaus, dass börsennotierte Versicherer wie Allianz oder Munich Re trotz Coronakrise Rekord-Dividenden an ihre Aktionäre ausschütteten, obwohl dies die eigene Stabilität schwächen könnte. Zuvor hatte die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA an die Assekuranzen appelliert, auf die Ausschüttungen zu verzichten, weil die Auswirkungen der Coronakrise auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft noch gar nicht abzusehen seien (der Versicherungsbote berichtete).

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Andererseits kamen viele Versicherer ihren Kundinnen und Kunden in der auch Coronakrise entgegen. Die Beiträge für Altersvorsorge-Policen konnten vorübergehend gestundet oder reduziert werden, und Notfall-Maßnahmen erlaubten es, dass eine Corona-bedingte Obliegenheitsverletzung nicht dazu führte, dass dem Versicherten die Leistung gestrichen oder gekürzt wurde: zum Beispiel, wenn infolge der Kontaktbeschränkungen ein Schaden später als vertraglich erfordert gemeldet wurde.

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