Wer im Ruhestand als freiwillig Versicherter in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner (KVdR) versichert ist, kann mitunter gar mehr für seine Kranken und Pflegeversicherung hinblättern als ein privat Versicherter – Hürden für eine günstige Pflichtversicherung in der KVdR sind hoch. Anhand von Modellrechnungen macht der Versicherungsbote mit der komplexen Materie der Kranken- und Pflegeversicherung im Ruhestand bekannt.

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Rückkehr von PKV in die GKV? – Hohe Hürden des Gesetzgebers

Mit zunehmendem Alter drohen in der privaten Krankenversicherung (PKV) steigende Beiträge. Das bringt insbesondere privat Versicherte mit unstetem Einkommen und unsicheren Status dazu, mit einer Rückkehr zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu liebäugeln. Für eine Rückkehr aber hat der Gesetzgeber hohe Hürden errichtet. Soll doch verhindert werden, dass Menschen in jungen Jahren durch günstige Prämien in die PKV gelockt werden, sie aber in „teuren“ Altersjahren mit hohen Gesundheitsrisiken zurück wechseln und dann die GKV durch hohe Kosten zusätzlich belasten. Wer also mit einer Rückkehr in die GKV plant, sollte zunächst wissen, unter welchen Bedingungen dies überhaupt möglich ist:

1.) Eine unüberwindliche Hürde für viele Wechselwillige müssen Menschen ab dem Alter von 55 Jahren zur Kenntnis nehmen – und zwar durch § 6 Abs. 3a des fünften Sozialgesetzbuches (SGB V). Denn waren Menschen ab 55 in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht nicht gesetzlich versichert oder waren sie mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei, von der Versicherungspflicht befreit oder hauptberuflich selbstständig, ist ihnen die Rückkehr in die GKV komplett verbaut.

2.) Aber auch für Menschen U55 ist der Weg zurück zu einer Krankenkasse schwer und ist einzig durch Wiedererlangen der Versicherungspflicht möglich – hierfür müssen oft verschlechterte Bedingungen in Kauf genommen werden. Für Arbeiter und Angestellte, die sich zuvor haben von der Versicherungspflicht befreien lassen, ist der einzig das Unterschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze maßgebend für die Versicherungsfreiheit. In 2020 liegt diese Grenze bei 62.550 Euro brutto jährlich. Erst, wenn diese Grenze unterschritten ist, tritt die Versicherungspflicht wieder ein. Durch reduziertes Einkommen – zum Beispiel durch Nutzen von Teilzeit oder Brückenteilzeit gemäß § 9a des sogenannten Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) – haben Angestellte allerdings tatsächlich Möglichkeiten, den Weg zurück in die GKV zu planen: ohne Aufgabe ihres aktuellen Angestelltenverhältnisses. Freilich muss hierfür ein sinkendes Einkommen und müssen damit in der Regel auch sinkende Rentenansprüche hingenommen werden.

3.) Für Selbstständige gilt zunächst: Der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist der Weg in ein hauptberufliches Angestelltenverhältnis. Die selbständige Tätigkeit darf dann entweder nur noch als Nebenberuf ausgeübt oder muss gänzlich aufgegeben werden. Grundsätzlich gilt aber auch hierfür: Der Weg ist nur möglich bei einem Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze.

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Aus diesem Grund fällt jenen Selbstständigen der Wechsel leicht, die mit geringeren Einkünften in ein hauptberufliches Angestelltenverhältnis wechseln können. Insbesondere Solo-Selbstständige, also Unternehmer ohne Angestellte, liebäugeln damit – laut Bundesregierung (Drucksache 18/10762) verfügen fast 30 Prozent aller Solo-Selbstständigen über ein persönliches Einkommen von weniger als 1.100 Euro. Für solche Menschen bedeutet ein Wechsel in die GKV oft mehr Sicherheit gegenüber Unwägbarkeiten des zunehmenden Alters. Ein anderer Weg wäre die Geschäftsaufgabe, um sich über den Ehe- oder Lebenspartner familienversichern zu lassen. Hierfür darf jedoch der in eine Familienversicherung Eintretende gemäß § 10 SGB V ein bestimmtes Gesamteinkommen nicht überschreiten – die Grenze ist sehr niedrig angesetzt und beträgt 538,33 Euro für 2020. Auch der Weg in die Arbeitslosigkeit würde wieder zur Versicherungspflicht und damit in eine gesetzliche Krankenkasse führen, wäre aber häufig auch ein schmerzlicher Schritt hinab zu einem niedrigeren sozialen Status.