Die privat Krankenversicherten hatten im Jahr 2019 weniger Grund als im Jahr zuvor, sich über ihren Versicherer zu beschweren. Das geht aus der aktuellen Beschwerdestatistik der BaFin hervor. Demnach ging die Zahl der Beschwerden fast um ein Viertel zurück.

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902 Beschwerden bei BaFin, 5.002 zulässige Schlichtungsanträge bei PKV-Ombudsmann

Zählte die Aufsichtsbehörde 2018 noch 1.190 Beschwerden von Kundinnen und Kunden, so sank diese Zahl 2019 auf 902 Beschwerden: ein Minus von 24,2 Prozent. Damit setzt sich auch der positive Langzeittrend fort: 2004 waren noch 3.775 Beschwerden zu beklagen und damit viermal mehr. Die Beschwerdestatistik erfasst Krankenvoll-, Pflegepflicht- und Krankenzusatzversicherungen.

Positiv ist ebenfalls, dass diesmal mehr Versicherer gezählt werden können, über die sich kein einziger Kunde bzw. keine einzige Kundin beschwert hatte. 30 Unternehmen tauchen demnach in der Beschwerdeliste auf. Der PKV-Verband zählt aber aktuell 42 Mitgliedsunternehmen sowie acht außerordentliche Mitglieder (Versicherungen, die nach 2010 beitraten und ausschließlich Zusatzversicherungen verkaufen). Darüber hinaus sind zwei weitere Anbieter im PKV-Verband für bestimmte öffentliche Berufe erfasst: die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten und die Postbeamtenkrankenkasse.

Bei der niedrigen Zahl an Beschwerden muss aber bedacht werden, dass die BaFin nicht die einzige Adresse ist, wenn sich Kundinnen und Kunden über ihren privaten Krankenversicherer beschweren wollen. Auch der Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung nimmt Verbraucherbeschwerden entgegen. Im Berichtsjahr 2019 erreichten diese Schlichtungsstelle unter Vorsitz des Juristen Heinz Lanfermann 5.953 Schlichtungsanträge, wovon 951 als unbegründet abgewiesen wurden. Laut Tätigkeitsbericht des Ombudsmanns bezogen sich 4.053 angenommene Anträge auf die Krankheitskostenvollversicherung, 758 auf die Krankenzusatzversicherung und 191 auf die Pflegepflichtversicherung.

HanseMerkur: 7,23 Millionen Versicherte, Ottonova: 406 Versicherte

Doch zurück zur BaFin-Statistik. Das Versicherungsjournal hat am Dienstag auf Basis der 902 Beschwerden die Beschwerdequote je Versicherer errechnet: also die Zahl der Beschwerden pro 100.000 Versicherte. Das ist sinnvoller, als die absolute Zahl auszuweisen: Gibt es doch teils deutliche Unterschiede bei der Mitgliederzahl der Versicherer.

So weist die Allianz Kranken zwar mit 142 Beschwerden absolut die höchste Zahl an Beschwerden aus, gehört mit knapp 2,656 Millionen Versicherungsnehmern aber auch zu den größeren Anbietern auf dem Markt. Dem entgegen zählt der kleinste Anbieter Ottonova Krankenversicherung gerade einmal 406 Versicherte und eine einzige Beschwerde.

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Rechnet man Krankenvoll- und Zusatzversicherungen zusammen, so ist die HanseMerkur Speziale mit mehr als 7,23 Millionen Verträgen der größte PKV-Anbieter. Hierbei muss aber bedacht werden, dass die Hamburger ausschließlich Krankenzusatz-Policen vermitteln, vor allem Brillenversicherungen. In diesem Segment hatten die Kundinnen und Kunden wenig Anlass zu klagen: die Hansestädter haben eine Beschwerdequote von 0,01 und zählen zu den Versicherern mit der größten Kundenzufriedenheit (Stichtag für Mitgliederzahl: 31.12.2018).