Demnach weiß man nun immerhin, dass Provisionszahlungen für Makler bei kapitalbildenden Produkten durchschnittlich leicht unter jenem zulässigen Höchstwert von vier Prozent liegen, der gemäß Gesetzentwurf bei Erfüllung bestimmter Qualitätskriterien möglich ist. Und Mehrfachvertreter liegen durchschnittlich 0,46 Prozentpunkte darüber. Freilich: Ein Deckel, der nur 2,5 Prozent der Beitragssumme ermöglicht, wäre nach diesen Zahlen für viele Vermittlerinnen und Vermittler auch mit schmerzlichen Einbußen verbunden.

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Der Maximalwert von bis zu vier Prozent bei Erfüllung bestimmter Qualitätskriterien hingegen hätte wohl nur wenige Auswirkungen – abgesehen von negativen Folgen für Branchenneulinge. Denn da junge Vermittler maßgebende Qualitätskriterien für höhere Zahlungen noch gar nicht erfüllen können, müssten sie zunächst mit den 2,5 Prozent des Deckels Vorlieb nehmen – Branchenverbände kritisieren hohe Barrieren für den Markteintritt bei Umsetzung des jetzigen Gesetzentwurfs.

Provisionsdeckel in Zeiten der Corona-Pandemie?

Aber rechtfertigen die Zahlen der Bundesregierung eine Einführung des Deckels? Der Nutzen ist umstritten. Denn laut einem Gutachten des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) hätte der Deckel kaum Auswirkungen auf die Rendite für Kunden. Und in Zeiten der Coronakrise könnten Auswirkungen eines solchen Deckels für die Branche sogar verheerend sein.

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Überlegen doch Versicherer wie Die Bayerische und die HDI derzeit laut einem Bericht von Fonds Online, den Vermittlern erhöhte Provisionen zu zahlen, damit in Zeiten wegbrechender Geschäfte die Vermittlerzahlen nicht noch weiter sinken. Ein Provisionsdeckel in der Lebensversicherung würde derartige Möglichkeiten begrenzen – in einer schweren wirtschaftlichen Krise aufgrund einer Pandemie drohen hohe Einbrüche bei den Vermittlerzahlen. Und schon ohne Pandemie sanken die Vermittlerzahlen seit Jahren kontinuierlich.