Seit einer Sammelverfügung vom 10. Dezember 2015 sind Versicherer angehalten, Verdachtsmomente von Untreue der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu melden. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Geschäftsjahr 2018. Und da lässt sich Positives berichten: In dem Geschäftsjahr wurde weniger Schaden durch Mitarbeiter im Innendienst und gebundene sowie ungebundene Vermittler angerichtet als im Jahr zuvor.

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Konkret bezifferte sich der angenommene Schaden durch Untreue 2018 auf rund 10,76 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte er noch knapp 13,97 Millionen Euro betragen. Das bedeutet einen Rückgang um circa 23 Prozent (siehe Grafik).

BaFin Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds 2018

Insgesamt 302 Personen wurden der BaFin für 2018 als auffällig gemeldet. Am häufigsten auffällig wurden gebundene Vermittler mit 198 Meldungen, gefolgt von Versicherungsmaklern mit 48 und dem „angestellten Außendienst“ mit 20 Auffälligkeiten.

Schäden über 5.000 Euro: "nur" 108 mutmaßliche Täter

Beim Blick auf die betroffenen Sparten weist die BaFin nur mutmaßliche Schäden mit einer Summe von mehr als 5.000 Euro aus, so dass sich hier ein etwas geringerer Betrag ergibt: rund 10,73 Millionen Euro. Bei diesen Delikten wurden 108 Personen auffällig.

Die größte Schadenssumme bei Untreue-Schäden über 5.000 Euro entfiel mit knapp 7,9 Millionen Euro auf die Schaden- und Unfallversicherung, in dieser Sparte wurden 46 mutmaßliche Täter gezählt. Es folgt die Lebensversicherung mit 2,069 Millionen Euro Schadenssumme und 43 Tätern. Die wenigsten Verdachtsfälle wurden in der Privaten Krankenversicherung mit 766.553 Euro Schaden und 19 Tätern beobachtet.

Schäden nach Vermittlerstatus 2018 insgesamt und nach Sparten ab 5.000 Euro Schadenssumme. Lebensversicherer ohne Pensionsfonds.BaFin Statistik Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds 2018

Weit über 400.000 Tätige in der Branche

Die Zahl der mutmaßlichen Untreue-Fälle ist aber ins Verhältnis zu setzen zur Gesamtzahl der Vermittler und Versicherungs-Mitarbeiter in Deutschland. Knapp 200.000 Vermittler sind aktuell in den Vermittlerregistern der Industrie- und Handelskammern (IHKen) registriert. Der Arbeitgeberverband der Versicherer (AGV) weist darüber hinaus 202.000 Mitarbeiter im Innendienst der Versicherer aus.

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Auch geht aus der BaFin-Statistik nicht hervor, ob den Versicherern wirklich ein Schaden entstanden ist. Die Versicherer melden Verdachtsfälle - ob diese zu einer Verurteilung führen oder mit einem Freispruch enden, kann die BaFin-Statistik nicht abbilden.