Behörde prüft Verbraucherbeschwerden

Gemäß § 4 b des Gesetzes über die Finanzdienstleistungsaufsicht (FinDAG) können Verbraucher eine Beschwerde direkt an die BaFin richten, wenn sie Ärger mit einem Versicherer haben. Die Finanzaufsicht kann dann beispielsweise prüfen, ob die Gesellschaft die vereinbarten Vertragsbedingungen und rechtliche Vorgaben eingehalten hat.

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Die BaFin prüft allerdings in erster Linie, ob - und wenn ja welche - Bedeutung der jeweilige Sachverhalt für das deutsche Aufsichtsrecht hat. Auch können sich hinter den Eingaben auch Fragen zu bestimmten Themen verbergen, wie die Formulierung "Beschwerden und Anfragen zu Versicherungsunternehmen" nahelegt. Nicht immer ist also ein konkreter Anlass durch einen Versicherer gegeben, sondern Kunden sind mitunter aufgrund bestimmter Meldungen auch schlicht verunsichert. Das sollte bedacht werden, wenn nun aktuelle Zahlen zum Beschwerdeaufkommen für 2018 vorgestellt werden.

Hier hat die Zahl der eingegebenen Beschwerden gegenüber dem Vorjahr zugenommen: von 7.367 auf 8.097. Diese Zahl ist aber einzuordnen vor dem Hintergrund, dass die Bundesbürger laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zum Jahresende 2017 knapp 435 Millionen Versicherungsverträge hielten. Demgegenüber ist das Beschwerdeaufkommen also sehr gering.

Beschwerden und Anfragen zu Versicherungsunternehmen nach Sparten 2018. In Klammern die Vorjahreswerte. Quelle: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Lebensversicherungen: Run-Off und Brexit verunsichern Verbraucher

Die meisten Verbraucher wendeten sich aufgrund ihrer Lebensversicherungen an die Aufsichtsbehörde: 1.869 Beschwerden betrafen die Branche. Zwei Gründe werden durch die BaFin benannt, weshalb gerade diese Verträge im Mittelpunkt standen: Überlegungen von Lebensversicherern, Vertragsbestände zu verkaufen sowie der Brexit. Der Hinweis muss erfolgen: Trotz Nennung dieser Gründe liefert die Behörde noch keine ausführliche Einordnung des Beschwerdegeschehens –eine solche Einordnung für das Vorjahr erfolgt meist im Laufe des Jahres durch Veröffentlichung einer ausführlichen "Beschwerdestatistik". Dennoch soll schon auf einen möglichen Kontext hingewiesen werden:

Der erste Grund verwundert kaum: Ankündigungen der Generali-Deutschlandtochter im Juli des vorigen Jahres, die Mehrheitsanteile von rund vier Millionen hochverzinsten Lebensversicherungen an den Run-off-Dienstleister Viridium zu verkaufen, verunsicherten nicht nur Kunden des Versicherungsriesen, sondern auch Kunden anderer Lebensversicherer. Deswegen sah sich die BaFin sogar gezwungen, in ihrem Journal 07/2018 über den Verkauf von Lebensversicherungs-Altverträgen und die strengen Anforderungen an die Genehmigung eines solchen Run-off-Geschäfts aufzuklären (der Versicherungsbote berichtete). Zumal kurz darauf auch noch bekannt wurde, dass weitere Lebensversicherer einen Verkauf der Leben-Altbestände an externe Dienstleister zumindest als Möglichkeit prüfen (der Versicherungsbote berichtete). Solche Meldungen sind geeignet, viele Versicherungsnehmer zu verunsichern.

Der Brexit hingegen betrifft jene Kunden, die Verträge bei in Deutschland zugelassenen englischen Lebensversicherern halten. Droht doch, dass diese Verträge durch den Brexit ungültig werden, weswegen englische Versicherer Tochtergesellschaften in Luxemburg oder Irland gründen und ihr gesamtes europäisches Portfolio (mit der Ausnahme Großbritannien) dorthin übertragen.

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Zwar bedeutet dieser Schritt, die Auslandstöchter umzusiedeln, „Rettung“ für die Verträge. Jedoch wissen viele Kunden nicht, ob neue Bedingungen durch die Übertragung drohen. Insbesondere ein geringerer Insolvenzschutz wurde durch die Verbraucherschützer von "test.de" befürchtet, da weder Luxemburg noch Irland über einen Schutzfond wie den britischen Financial Services Compensation Scheme (FSCS) verfügen (der Versicherungsbote berichtete). Auch der Brexit stiftet also seine Verunsicherung unter Versicherungsnehmern.