Gesetzlich Krankenversicherte müssen sich im kommenden Jahr auf deutlich steigende Zusatzbeiträge einstellen. Das berichtet der „Tagesspiegel“ am Dienstag und beruft sich auf Zahlen von Krankenkassen. Demnach müsste der durchschnittliche Zusatzbeitrag durch das Bundesgesundheitsministerium 2021 von jetzt 1,1 auf dann 1,5 Prozent erhöht werden, was für Versicherte und Arbeitnehmer bis zu 6,8 Milliarden Euro zusätzliche Kosten bedeute.

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Bindend ist der durchschnittliche Zusatzbeitrag des Bundesministeriums jedoch nicht, er bietet nur eine Orientierung. Zusätzlich zu dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent darf jede Kasse einen individuellen Zusatzbeitrag erheben, wenn das Geld nicht reicht. Musste er zunächst von den Beschäftigten selbst geschultert werden, so wird er seit dem 1. Januar 2019 wieder paritätisch finanziert: das bedeutet, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen ihn zu gleichen Teilen.

Zusatzbeiträge über zwei Prozent denkbar

Wie das Berliner Blatt weiter schreibt, könnte bei einigen Kassen der Zusatzbeitrag noch weit üppiger angehoben werden müssen. Demnach drohe bei diesen Anbietern erstmals ein Zusatzbeitrag über zwei Prozent. Die Finanzergebnisse der gesetzlichen Krankenversicherer soll Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Laufe der Woche vorstellen.

Fest steht: Die Kassen stehen unter Kostendruck. Allein die Gesundheitsreformen der Großen Koalition haben in den Jahren 2019 bis 2021 Mehrausgaben von 17 Milliarden Euro zur Folge, schreibt der „Tagesspiegel“ anhand der errechneten Zahlen. Die Reformen freilich sind teils dringend notwendig: unter anderem sollen Kliniken verpflichtet werden, mehr Pflegepersonal einzustellen und die Fachkräfte besser zu bezahlen. Auch werden Betriebsrentner bei den Kassenbeiträgen entlastet (der Versicherungsbote berichtete).

Darüber hinaus sei mit Einnahmeausfällen bei den Kassen zu rechnen, wenn das Coronavirus die Konjunktur belaste, schreibt der "Tagesspiegel". Auch das könnte dazu beitragen, dass sich die finanzielle Situation der Kassen verschlechtere.

26 Krankenkassen hoben schon 2020 den Beitrag an

Für das Jahr 2020 sind die Zusatzbeiträge weitestgehend stabil geblieben. Bei 76 von 104 Krankenkassen bleibt der Zusatzbeitrag des Vorjahres erhalten. Insgesamt 28 Unternehmen meldeten hingegen bisher Veränderungen für 2020. Während 26 Anbieter den Zusatzbeitrag anhoben, senkten ihn lediglich zwei Wettbewerber. Allerdings haben die Kassen auch im laufenden Geschäftsjahr noch die Option, den Beitrag anzupassen (der Versicherungsbote berichtete).

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Neben der Alterung der Gesellschaft, Mehrkosten durch den Medizinischen Fortschritt sowie durch Reformen führen aber auch zahlreiche Fehlanreize im Gesundheitssystem zu Teuerungen. So begünstigt das Fallpauschalen-System der Krankenkassen, dass in Deutschland besonders viel an Hüfte, Gelenken und Wirbelsäule operiert wird, auch wenn eine ambulante Therapie oft ausreichen würde. Auch sind die neu patentierten Medikamente bei ihrer Einführung teils deutlich teurer als in anderen europäischen Staaten, weil kein Deckel für die Kosten besteht (der Versicherungsbote berichtete).