Bei deutschen Unternehmen meistgefürchtet: „Betriebsunterbrechungen“

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, doch plötzlich geht nichts mehr: Die Produktion muss unterbrochen werden – etwa aufgrund eines technischen Störfalls, eines Streiks oder fehlender Bauteile durch Probleme des Zulieferers. Dann können Waren nicht rechtzeitig geliefert, die Kunden nicht bedient werden. Schadensersatz wird fällig, die Reputation des Unternehmens leidet. Löhne, Nebenkosten, Mieten aber sind weiter zu zahlen. Ein von Unternehmen gefürchtetes Szenarium, hinter dem oft ganz reale Zahlen stehen: Als aufgrund eines Zulieferstreiks die Produktion in zwei VW-Werken für eine Woche still stand, entstand ein Schaden, den der Konzern auf 100 Millionen Euro schätzt. Und obwohl das Thema in den Medien kaum präsent ist, dominieren Betriebsunterbrechungen die Sorge der Unternehmen in Deutschland mehr als je zuvor.

Anzeige

Das zeigt die neunte Ausgabe des „Allianz Risk Barometers“ aus dem Hause des Allianz-eigenen Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS). Denn zwar betrug schon beim achten Barometer im Vorjahr das Verhältnis der Nennungen von Business interruption zur Gesamtzahl aller Antworten für Deutschland 48 Prozent – schon letztjährig wurde kein Risiko häufiger genannt. Nun aber ist die Prozentzahl der Nennungen auf 55 Prozent angewachsen. Erneut also und mit zunehmender Zahl an Nennungen dominiert die „Betriebsunterbrechung“ die Liste der Top-Risiken für hiesige Firmen – und das mit zunehmender Intensität.

Cyber-Risiken: Bedrohungsszenario wird alltäglich

Beim deutschen Sorgen-Siegertreppchen bleiben für die folgenden Ränge die Überraschungen gegenüber dem Vorjahr aus. Denn auf Rang zwei befindet sich – erneut wie schon im Vorjahr – mit 44 Prozent Nennungen das Risiko Cyber incidents. Cybervorfälle sind mittlerweile im Risikobewusstsein der Unternehmen fest verankert. Das verwundert kaum – verursachten doch Angriffe durch Schadsoftware wie Petya oder WannaCry im Jahr 2017 laut den Studienmachern einen weltweiten Gesamtschaden von geschätzt 8 Milliarden US-Dollar.

@Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS)

Aktuell warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auch vor einer neuen Schadsoftware: Das Schadprogramm Emotet infiziert über Spam-Kampagnen Systeme, spioniert Daten aus und kann sogar weitere Schadprogramme wie den Banking-Trojaner Trickbot nachladen. Laut Bundesamt stellt Emotet „eine akute Bedrohung für Unternehmen, Behörden und Privatanwender“ dar. Zumal Kriminelle bei gelungenem Angriff sogar die vollständige Kontrolle über ein System erlangen können.

Anzeige

Und schon jetzt ist außerdem der Schaden durch den neuen Schädling groß: Infizierte Netzwerke deutscher Unternehmen mussten bereits jetzt gänzlich neu aufgebaut werden und verursachten just jene gefürchteten Betriebsunterbrechungen, die von den Experten meist-gefürchtet sind. Das Beispiel zeigt: In einer digitalisierten Wirtschaft sind Risiken durch Cyberkriminalität allgegenwärtig.