Zur Erklärung: Ein Zwischenhändler wird gebraucht, weil ein Buchladen nicht alle lieferbaren Titel im Laden vorrätig haben kann: unabhängig von der Nachfrage. Er kauft von den Verlagen die Bücher auf und bringt sie dann über Nacht in die Buchläden, wenn sie eine Kundin oder ein Kunde bestellt — oder wenn plötzlich die Nachfrage nach einem Buch zulegt, etwa wenn ein Autor einen wichtigen Preis erhielt. Aufgrund solcher Zwischenhändler müssen die Buchläden nicht jedes einzelne Buch direkt beim Verlag bestellen: das wäre aufwendig und teuer, kostet zudem mehr Zeit.

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Zwei große Akteure mit Duopol

Der Zwischenhandel auf dem Buchmarkt verteilt sich in Deutschland auf zwei Unternehmen, die fast alle Buchläden und -ketten beliefern: Libri und eben KNV. Für die Verlage war die Insolvenz des letztgenannten Anbieters folglich ein großes Problem. Schon Monate vorher soll KNV die Verleger nicht mehr ausgezahlt haben, nachdem Bücher in das Sortiment übernommen wurden. Und das sind viele: Das Zentrallager in Erfurt soll laut "Tagesspiegel" zur Zeit der Pleite rund 590.000 verschiedene Titel von mehr als 5.000 Verlagen auf Vorrat gehalten haben. KNV hat damit 5.600 Filialen und Buchläden beliefert.

Die Bücher wurden nicht an die Verlage zurückgegeben, sondern verschwanden in der Insolvenzmasse. Doch nicht allein dieses Geld fehlt, zum Teil immense Summen. Die Bände finden nun auch nicht mehr zum Kunden bzw. in den Laden. Interessierte Leser können sie nicht mehr in den Buchläden bestellen, sie sind dort nicht gelistet.

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Trotz der Konkurrenz durch Amazon und Co und steigendem Kostendruck kam die Insolvenz von KNV für viele überraschend: auch wegen der mächtigen Marktstellung. Die bittere Konsequenz: Viele Verlage gerieten in Folge ebenfalls in finanzielle Probleme, zudem finden weniger Bücher zu den Kunden. Und auch die Buchläden sind betroffen — weil sie bestimmte Titel nicht mehr bestellen können. Eine bittere Verstrickung gegenseitiger Abhängigkeiten. "Libri" als zweiter großer Akteur kann diese Lücke allein nicht schließen, zumal man ebenfalls infolge sinkender Margen die Zahl der gelisteten Titel um 250.000 reduziert hat.