Alles super in der Unfallversicherung? Jein. So befeuert die Digitalisierung, welche aktuell wegen teurer Umbauprogramme eher Geld verschlingt, und befeuern zusätzlich Vergleichsportale – ähnlich wie in der Kfz-Versicherung – zunehmend den Wettbewerb zwischen den Anbietern. Einige Anbieter können auch hier in die Verlustzone rutschen. Und tatsächlich: Ausgerechnet zwei führende Anbieter der Branche landen regelmäßig in den roten Zahlen. Der Versicherungsbote stellt ausgewählte Daten des aktuellen „Branchenmonitors Unfallversicherung 2013-2018“ der V.E.R.S. Leipzig GmbH vor.

Anzeige

Unfallversicherung: Trotz Nachfrage-Rückgang das profitable Geschäft

Erneut zeigt die aktuelle Studie, wie bereits im Vorjahr: Das Unfallgeschäft ist und bleibt profitabel. Und keineswegs klein: 6.545 Mio. Euro an Prämien konnte der Gesamtmarkt in 2018 brutto verbuchen. Durchschnittlich gebuchte Bruttoprämien stiegen für die 50 untersuchten Versicherer des Monitors zudem von 120,08 Mio. Euro in 2017 auf 121,68 Mio. Euro in 2018 an. Die dankbare Schadenquote über alle Unternehmen hinweg lag in 2018 bei durchschnittlich 48,49 Prozent. Das Unfallgeschäft ist für die meisten Versicherer demnach eine dankbare Einnahmequelle und bleibt laut Clemens Wilde, Autor des Branchenmonitors, „unter den Spitzenplätzen der privaten Kompositzweige“.

Jedoch gilt ebenfalls: Die Unfallversicherung hat Schwierigkeiten, die Nachfrage auf hohem Niveau zu halten. Denn die durchschnittliche Anzahl der Versicherungsverträge über alle 50 Versicherer hinweg sank in 2018 gegenüber dem Vorjahr um 10.268 Stück.

Noch 564.489 Verträge hielt ein Unfallversicherer in 2017 durchschnittlich. In 2018 hingegen waren es nur noch 554.221 Stück – der niedrigste Wert der Jahre 2013 bis 2018. In 2013 hielt ein Versicherer hingegen durchschnittlich 566.583 Verträge. Die schwindende Nachfrage zeigt: Die Anbieter haben Probleme, neue Kunden zu gewinnen.

Allianz: Marktführer hat schlechteste Schaden-Kosten-Quote aller Versicherer...

Wie aber schlagen sich die Branchenführer im Unfallgeschäft? Vorauszusetzen ist, wie stets für die Studie der V.E.R.S. Leipzig GmbH (dieses Mal in Kooperation mit der Sirius Campus GmbH): Tochtergesellschaften unter dem Dach eines Versicherers werden nach Rechtsform getrennt ausgewiesen. So werden zum Beispiel die Ergo und die Ergo Direkt getrennt betrachtet, was sich im Ranking nach Marktanteilen widerspiegelt. Geschäftsergebnisse der Ergo enthalten im Folgenden nicht die Ergebnisse von Ergo Direkt.

Laut Branchenmonitor beherrscht die Allianz, Deutschlands größter Erstversicherer, auch den Markt der Unfallversicherungen und konnte 2018 immerhin 19,76 Prozent des Gesamtmarktes für sich in Anspruch nehmen. Das Unfallgeschäft freilich gestaltet sich für die Münchener noch immer schwierig. Zwar: Anders als in 2017 nahmen in 2018 sowohl die gebuchten Bruttoprämien als auch die Zahl er Versicherungsverträge wieder zu – von 1.282,78 Mio. Euro auf 1.293,59 Mio. Euro kletterten die verbuchten Prämien in 2018; die Zahl der Versicherungsverträge stieg außerdem von 3.924.714 auf 3.937.498 Verträge.

Dass die Allianz aber im Unfallgeschäft alles andere als ein glückliches Bild abgibt, zeigt die Schaden-Kosten-Quote oder Combined Ratio (CR). 110,26 Prozent muss die Allianz für 2018 ausweisen, verschlechterte sich gegenüber 2017 dadurch noch einmal wesentlich (denn 2017 betrug die CR noch 102,80 Prozent). Schadenaufwendungen und weitere Kosten werden im Unfallgeschäft der Allianz demnach nicht durch Beitragseinnahmen gedeckt, der Versicherer schreibt rote Zahlen. Kein Unfallversicherer weist eine schlechtere Combined Ratio für 2018 aus. Die Allianz rutscht folglich gegenüber dem Vorjahr von Rang 47 auf den 50. (und damit nun letzten) Platz der Tabelle.

… und stärkstes Polster auf der Passivseite der Bilanz

Ein Einwand jedoch sei ebenfalls vorgebracht: Bei der Interpretation der vergleichsweise schlechten CR-Quoten – nur vier Versicherer kommen überhaupt über die kritischen 100 Prozent und damit in die roten Zahlen – erinnere man sich aber an die sehr unterschiedlichen Kunden- und Produktstrukturen in der Unfallversicherung. Zumal erwähnt werden muss: Kein Unfallversicherer hält so viele Rücklagen auf der Passivseite wie die Allianz, die von je her und sogar im internationalen Vergleich als äußerst finanzstark gilt (der Versicherungsbote berichtete). Beträgt doch die gesamte Rückstellungsquote des Unternehmens für das Unfallgeschäft 2018 sagenhafte 786,26 Prozent der gebuchten Bruttoprämien.

Anzeige

Wie sich die hohe Quote auf der Passivseite im Detail für die Allianz begründet, kann leider nicht aus den vorliegenden Zahlen erschlossen werden. Jedoch sollte man diese Finanzstärke des Versicherers auch für das Unfallgeschäft 2018 nicht übersehen.