Es sind schwere Zeiten für Lebensversicherer. Denn in Zeiten von Null- oder gar Strafzinsen werfen festverzinsliche Wertpapiere aus dem Sicherungsvermögen der Gesellschaften kaum noch Gewinne ab, um alten Zusagen an die Kunden zu erwirtschaften oder neue Garantien auszusprechen. Weil Unternehmen dazu in bestimmten Marktsegmenten das Neugeschäft gänzlich ruhen lassen und Bestände in die Abwicklung bzw. zu Run-Off-Gesellschaften geben – betroffen sind meist Produkte der „Klassik“ mit ihren nun kaum noch möglichen Garantiezusagen – schwindet seit Jahren der Bestand der Leben-Policen am deutschen Markt (der Versicherungsbote berichtete). Wie aber wirken sich Veränderungen des Niedrigzins-Umfelds auf die einzelnen Sparten und Produktgruppen aus?

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Kapitalbildende Lebensversicherung (KLV): Der Bedeutungsverlust

Kaum eine Versicherungsart der Lebensversicherung leidet derart unter dem derzeitigen Niedrigzins wie die Kapitalbildende Lebensversicherung (KLV). Denn Kapital lässt sich in Zeiten der Strafzinsen kaum noch erwirtschaften. Zumal mit dem so genannten Alterseinkünftegesetz vom 05.07.2004 auch noch der Sonderausgabenabzug für Kapitallebensversicherungen als wichtiges Steuerprivileg wegfiel.

Die schwindende Bedeutung dieser Produkt-Kategorie wird auch mit Blick auf Zahlen für 2018 ersichtlich: Der Anteil der kapitalbildenden Lebensversicherung am Gesamtbestand der Lebensversicherer über alle Produktgruppen hinweg schrumpft und schrumpft. Zwar liegt er aktuell noch bei 22,1 Prozent für diesen einst wichtigen Bereich des Leben-Geschäfts. Jedoch: Erst der Blick auf das Neugeschäft offenbart das Drastische der Entwicklung: Mit 7 Prozent hat in 2018 die KLV den geringsten Anteil am Neugeschäft nach eingelösten Versicherungsscheinen. Insgesamt nur 360.000 Verträge waren in 2018 branchenweit verkauft worden.

Und doch… Neugeschäft in der KLV scheint machbar

Dass aber dennoch einige Versicherer weiterhin auf die KLV zu setzen scheinen, wenn auch auf niedrigem Niveau veranschaulichen Unternehmen mit Zugewinn im Neugeschäft. Bewertet man prozentuale Veränderungen durch neu eingelöste Versicherungsscheine, zählt die Hannoversche mit 75,76 Prozent Veränderung sowie die Direkte Leben mit 69,48 Prozent und die Neue Bayerische Beamten mit 45,68 Prozent Veränderung zu den Neugeschäfts-Gewinnern in 2018.

Der konkrete Vertragsbestand relativiert die prozentualen Zuwächse aber wieder, konnten bei den kapitalbildenden Policen doch vor allem Anbieter mit wenigen Verträgen wachsen. Die Hannoversche hielt in 2017 4.304 Verträge und steigerte sich in 2018 auf die merklich bessere Anzahl von 7.561 KLV-Verträgen. Die Direkte Leben hielt in 2017 1.337 Verträge und bringt es nun in 2018 auf 2.266 Verträge. Die Neue Bayerische Beamten hielt in 2017 zugegeben geringere 602 Verträge und bringt es nun auf 877 Verträge – solche Zahlen zeigen, dass Neugeschäft in der kapitalbildenden Lebensversicherung möglich ist und durch die Gesellschaften gewollt sein kann.

Bestandsverlierer ohne Bestand

Die "großen" Bestandsverlierer des Map-Report nach Prozentwerten hingegen bei der kapitalbildenden Lebensversicherung sind die Europa, die Cosmos und die Stuttgarter. Freilich: Die prozentuale Veränderung sagt wenig aus. Denn es handelt sich hier um Versicherer, die in zurückliegender Zeit eh in der KLV schlecht aufgestellt waren. Beispiel Europa: Von mageren 13 Verträgen ging der Bestand auf drei KLV-Verträge zurück. Bei der Kosmos reduzierte sich der Vertragsbestand von 49 auf 17 Verträge. Und bei der Stuttgarter war ein Schwund von 288 Verträgen auf 132 Verträge zu verzeichnen.

Ob dieser Policen-Schwund bei einer ungeliebten Produktkategorie in jener schwierigen Zeit des Niedrigzins aber Grund zur Klage oder nicht eher zum Jubel ist, könnte mit Blick auf die Run-Off-Diskussion zum Disput gestellt werden. Denn Versicherer mit weit größerem KLV-Geschäft wie die Ergo wären ihre Leben-Töchter (und damit die teuren Altverträge mit hohen Garantiezusagen) am liebsten gleich ganz losgeworden. Die Ergo entschied sich dann nur aufgrund eines befürchteten Image-Schadens für eine interne Abwicklung der "Altlasten" durch eine eigens gegründete Gesellschaft (der Versicherungsbote berichtete).

Marktführer nach der Zahl der KLV-Verträge ist bei der kapitalbildenden Lebensversicherung die Targo, diese hält 66.970 Verträge in 2018. Auf Rang zwei folgt die Ergo Direkt mit 50.500 Verträgen. Rang drei nimmt die Allianz ein, die 35.197 Verträge hält.

Rentenversicherung: Mittlerweile Bestand-Schwergewicht

Auch durch den Bedeutungsverlust anderer Produktkategorien in Zeiten des Niedrigzins stellt die Rentenversicherung mittlerweile die Nummer eins im Produkt-Portfolio der Versicherer. 24,7 Millionen Verträge hält die Branche in 2018 und freut sich demnach über einen Zuwachs um rund 114.000 Verträge. Der Map-Report führt aus: Mit einem Anteil von 29,9 Prozent haben Rentenverträge „inzwischen den mit Abstand größten Anteil am Bestand“.

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Allianz: hält Löwenanteil des Segments

Ein großer Teil dieses Anteils freilich wird durch Deutschlands größten Versicherer gehalten, denn die Allianz hält allein 20,2 Prozent aller Rentenversicherungen der Leben-Branche. Gegenüber 2017 freut sich die Allianz hier über einen Zuwachs von 3,24 Prozent und hält aktuell 4.975.922 Verträge. Rang zwei der Branche nimmt die Debeka ein, die aktuell 1.710.210 Verträge hält beim doch geringeren Zuwachs von 0,74 Prozent. Rang drei der Branche ist die R+V mit 1.649.676 Verträgen und einem Zuwachs gegenüber 2017 von 1,25 Prozent.