Mehrheit der Neurenter voll erwerbsgemindert

Obwohl die Zahl gegenüber den Vorjahren leicht zurückging, verharrt sie auf hohem Niveau: 167.978 Menschen mussten in 2018 erstmals ihre Erwerbsarbeit vorzeitig aufgeben oder stark einschränken. Sie erhalten seither eine Erwerbsminderungsrente nach dem Sechsten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI), wie aus aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht. Und das, obwohl es keineswegs einfach scheint, eine solche Rente bei Erwerbsminderung zu erhalten: Wurden doch von Januar bis Dezember 2018 auch 148.607 Anträge abgelehnt, immerhin fast jeder zweite (46,94 Prozent).

Anzeige

Die meisten Neurenten wurden aufgrund voller Erwerbsminderung bewilligt: 146.878 Ruheständler erhielten eine Rente, weil Sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf nicht absehbare Zeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten können. Die Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung waren demgegenüber mit 20.056 Bewilligungen deutlich in der Unterzahl (11,94 Prozent). Teilweise erwerbsgemindert sind Personen, wenn sie wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens sechs Stunden täglich zu arbeiten.

Am häufigsten streikt die Psyche

Bei den bewilligten Renten dominiert erneut eine Ursache deutlich: 29,95 Prozent der Männer und sogar 46,79 Prozent der Frauen schieden 2018 aufgrund einer „psychischen Erkrankung ohne Sucht“ vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Nach absoluten Zahlen waren 24.423 Männer und 40.440 Frauen aufgrund psychischer Erkrankungen in 2018 neu betroffen.

Der Abstand zu weiteren Ursachen für eine Erwerbsminderungsrente ist hierbei deutlich: Zweithäufigste Ursache sowohl bei Männern als auch Frauen waren „Neubildungen“ und damit bösartige Tumore – 13,18 Prozent aller betroffenen Männer und 13,49 Prozent aller betroffenen Frauen mussten wegen solcher Neubildungen aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Am dritthäufigsten verursachten, ebenfalls bei beiden Geschlechtern, "Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems sowie des Bindegewebes" eine verminderte Erwerbsfähigkeit: 12,65 Prozent der betroffenen Männer und 13.10 Prozent der betroffenen Frauen konnten aufgrund einer solchen Krankheit nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erwerbsfähig sein.

Bei den häufigsten Leiden, die eine Erwerbsaufgabe erzwingen, gibt es also kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Jedoch sind dennoch auffallend mehr Frauen von psychischen Erkrankungen betroffen als die – zahlenmäßig dennoch oft betroffenen – Männer.

Dämon Alkohol als Männerleiden

Stellt man die Gesamtzahl der Männer und der Frauen gegenüber, die in 2018 erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen, finden sich ebenfalls nur geringe Unterschiede. 81.543 Männer erhielten in 2018 erstmals eine Rente wegen verminderter Erwerbstätigkeit. Dem steht die leicht höhere Zahl von 86.435 Frauen gegenüber. Gerade im Kontext solcher Zahlen fällt aber auf, dass es laut Statistik der DRV auch typische „Männerleiden“ gibt.

Denn „psychische Verhaltensstörungen durch Alkohol“ zwangen 4.113 Männer zur Aufgabe, jedoch nur 1.275 Frauen. Und addiert man verschiedene Krankheiten des Blutkreislaufs zusammen, stehen 4.846 Erwerbsminderungs-Rentnerinnen der auffallend höheren Zahl von 10.670 Erwerbsminderungs-Rentnern gegenüber.

Anzeige

Insbesondere die „Ischämischen Herzkrankheiten“ verursachen dieses Verhältnis zum Nachteil der Männer (2.325 betroffene Männer gegen 553 betroffene Frauen). Der „Dämon Alkohol“ und eine Lebensweise mit Risiken für Herzerkrankungen muss im Lichte solcher Zahlen immer noch als „Männerdomäne“ gelten.