Versicherungsbote: Die Versicherungsbranche diskutiert viel darüber, was sich durch Digitalisierung ändert. Wenn Sie etwas benennen müssten, das sich bereits klar abzeichnet, was wäre das?

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Christian Macht: Die Ansprüche der Kunden wandeln sich spürbar. Zunehmend erwarten sie Produkte, die wirklich ihren Bedürfnissen entsprechen. Gerade kleine und mittelgroße Versicherer haben hier so ihre Schwierigkeiten, insbesondere, wenn sie schnell neue Produkte einführen wollen. So müssen sie sich schon heute viel mehr für Partner öffnen, weil sie nicht mehr alles selbst bewältigen können. Außerdem ist die Digitalisierung des gesamten Wertschöpfungsprozesses selbst für große Unternehmen nicht einfach.

Welche Kunden-Ansprüche meinen Sie genau?

Die Digitalisierung verwöhnt uns als Kunden: Vieles wird einfacher, zugänglicher, zeitsparender, passgenauer. Denken Sie an den Einkauf im Netz, an Reisebuchung, an Online-Konten. Dann aber natürlich auch daran, wie Sie heute Versicherungen abschließen oder einen Schaden melden können – manche dieser Prozesse laufen noch immer nicht voll-digital ab, aber es ist doch absehbar, dass sich mehr und mehr Kunden hier denselben Komfort wünschen, den sie beispielsweise von Online-Shops gewohnt sind.

Das klingt erstmal so, als wäre es für Versicherer sehr herausfordernd.

Jein. Versicherer haben einen guten Zugang zu ihren Kunden, sind stark im Vertrieb, sammeln Daten, in denen Schätze für neue Geschäftsfelder verborgen liegen, etwa für Assistenz-Dienstleistungen. Schon heute aber greifen InsurTechs an, indem sie einzelne attraktive Segmente beackern. Im Bankenmarkt hat man gesehen, wie schnell neue Konkurrenz erwachsen kann, die modern auftritt und auf Online-Komfort setzt. Dennoch glaube ich: Den Zugang zum Kunden kann den etablierten Versicherern so schnell niemand streitig machen, wenn – aber nur wenn – sie die Chancen der Digitalisierung konsequent weiter nutzen: Prozesse für die Kunden vereinfachen, Produkte voll digitalisieren, effizienter werden, neue Umsatz-Potentiale ausschöpfen – etwa Echtzeit-Preise. Das ist für etablierte Versicherer nicht zuletzt leichter möglich, wenn sie sich auch für Partner öffnen.

Letzteres sagen Sie sicher auch im Eigeninteresse?

Natürlich, aber deswegen ist es nicht falsch. In der Automobilbranche sind Zulieferer fest etabliert, in der Versicherungswirtschaft stehen wir am Anfang. Angesichts des technologischen Fortschritts: Sollte jeder noch alles selbst machen? Das wäre ziemlich waghalsig – oder zumindest langwierig und teuer, gerade für kleine und mittelgroße Versicherer. Bei ELEMENT verstehen wir uns als Partner und haben daher eine Produkt-Fabrik gebaut: Wir bieten White Label-Versicherungslösungen an, also Produkte für andere Marken. Dank unserer BaFin-Lizenz können wir dabei auch als Risikoträger auftreten, die Lizenz erleichtert zudem den Auslagerungsprozess administrativ und steuerlich.

Ihre Partner sind nicht nur Versicherer. Was ist an ihrem Angebot für Versicherer überhaupt interessant?

Unser Versicherer wurde 2017 gegründet. Wir haben unsere Technologie-Plattform ganz neu entwickelt, ein flexibles Baukasten-System. Dadurch sind wir sehr effizient und schnell, wenn ein Partner mit uns ein neues Produkt einführen möchte, etwa maßgeschneidert für eine spitze Zielgruppe. So haben wir beispielsweise zusammen mit Volkswagen Financial Services moderne Kurzzeitpolicen entwickelt, die Alltagsprobleme von Autofahrern lösen.

Nach gut zwei Jahren am Markt: Wie läuft Ihr Geschäft denn generell?

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Das Jahr hat vielversprechend angefangen. Wir haben im Januar das eben genannte Produkt auf den Markt gebracht und bieten seit März zusammen mit INTEC Versicherungslösungen für den Gebrauchtwagenhandel an – hier erwarten wir beispielsweise 15.000 Abschlüsse bereits im ersten Jahr. Weitere Produkte und Partner folgen. Derart komplexe Produkte innerhalb kürzester Zeit einzuführen, das gelingt uns heute aber nur, weil wir uns letztes Jahr darauf konzentriert haben, unsere technologische Plattform weiterzuentwickeln. Daher haben wir 2018 nur einzelne Anker-Produkte eingeführt, und das ging auf Kosten kurzfristiger Umsätze, langfristig sichert es uns jedoch, davon bin ich überzeugt, einen technologischen Vorsprung. Und dieser Ansatz wurde von unseren Investoren mitgetragen – die Ende das Jahres insgesamt 29 Millionen Euro in ELEMENT investiert haben.