Seit dem 1. August 2018 können erstmals in Deutschland Beamtinnen und Beamte in Hamburg einen Zuschuss des Arbeitgebers zur gesetzlichen Krankenversicherung erhalten. Damit will die Hansestadt es seinen Staatsdienern ermöglichen, sich auch einer Krankenkasse anzuschließen statt sich privat zu versichern. Bisher war das für Staatsdiener keine attraktive Option. Denn während sie für eine private Krankenversicherung Anspruch auf Beihilfe haben und 50-70 Prozent der Gesundheitskosten von ihrem Dienstherren ersetzt bekommen, müssen sie für eine Krankenkasse den vollen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zahlen.

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Doch die freie Hansestadt will das ändern — und zahlt seit August auch eine pauschale Beihilfe, wenn sich Staatsdienerinnen und -diener für einen gesetzlichen Versicherer entscheiden. Dieses Modell wird bisher gut angenommen, so berichtet die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) Hamburg letzten Donnerstag in einem Pressetext. Bis Ende Januar hätten bereits 1.015 Personen die Wechseloption genutzt und sich einer Krankenkasse angeschlossen. Damit habe die Halbjahresbilanz über dem erwarteten Zuspruch gelegen.

Die Kosten blieben zugleich geringer als erwartet: Im ersten Halbjahr habe Hamburg rund eine Million Euro für die pauschalen Beihilfen aufwenden müssen, heißt es im Pressetext. Veranschlagt waren 5,8 Millionen für das gesamte Jahr.

Gerade bei unteren Besoldungsgruppen ist GKV-Modell gefragt

Ein näherer Blick auf die Zahlen zeigt, dass sich vor allem Beamte mit kleinerer Lohntüte für die Wechseloption entscheiden. Für sie kann das gesetzliche Kassensystem tatsächlich attraktiv sein, zum Beispiel, weil sie nicht erwerbstätige Familienmitglieder kostenfrei mitversichern können. Und weil sich der Krankenkassen-Beitrag an ihrem tatsächlichen Einkommen orientiert, was bei den Privatversicherern nicht der Fall ist: Hier entscheidet das Risiko und der Bestand innerhalb eines Tarifes, was der Versicherte zahlt.

Fast 50 Prozent der Wechsler stammen aus dem allgemeinen Verwaltungsdienst und dort speziell aus einer unteren Besoldungsgruppe, so berichtet nun die Hamburger Gesundheitsbehörde. Je nach Entgeltgruppe und Dienstjahren sind hier Bruttoeinkommen von deutlich unter 2.000 Euro möglich. Dem entgegen sind die Krankenkassen für höhere Besoldungsgruppen weniger attraktiv. 20 Prozent der Wechsler sind Lehrerinnen und Lehrer, sie stellen die zweitgrößte Gruppe. Von Polizisten oder Feuerwehrleuten, die freie Heilfürsorge erhalten, hat sich hingegen kein einziger für einen Wechsel entschieden. Weitere Zahlen kommunizierte die BGV nicht.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks kommentiert: „Ich freue mich, dass die Pauschale Beihilfe so erfolgreich gestartet ist. Die Zahl von über 1.000 Beamtinnen und Beamten zeigt, dass es einen großen Bedarf für eine solche Regelung gibt. Dass sich gerade in den unteren Besoldungsgruppen überproportional viele neue Beamtinnen und Beamten für die Pauschale Beihilfe entscheiden, verdeutlicht, dass wir eine sehr sozial gerechte Alternative zur bisherigen Beihilfe geschaffen haben.“

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Debatte um Hamburger Modell - und steigende Kosten für Beihilfen

Auch wenn die Zahl der Wechselwilligen aufhorchen lässt, so hat sich bisher trotzdem nur ein Bruchteil der Staatsdienerinnen und -diener für den Wechsel entschieden. Hamburg zählt nach Angaben der Stadt rund 40.000 aktive Beamte und weitere 30.000 im Ruhestand. Der Senat hat geschätzt, dass rund 2.400 aus dieser Gruppe vor Einführung des Hamburger Modells gesetzlich versichert gewesen seien. Hier wird abzuwarten bleiben, wie sich der Zuspruch künftig entwickelt.