Wer eine Lebensversicherung mit Überschussbeteiligung hat, der erhält mindestens einmal pro Jahr eine sogenannte Standmitteilung. Sie soll bei kapitalbildenden Verträgen die Verbraucher darüber informieren, welche Höhe das Vorsorgevermögen erreicht hat und mit welcher Ablaufleistung der Sparer rechnen kann, wenn er seinen Vertrag durchhält. Zum 01. Juli 2018 hat der Gesetzgeber die Anforderungen an die Schreiben verschärft. Nun müssen die Versicherer unter anderem auch den Rückkaufswert eines Vertrages ausweisen: also stark vereinfacht, welchen Wert die Lebensversicherung hat, wenn der Versicherte seinen Vertrag kündigen würde.

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Rating zu Transparenz der Standmitteilungen

Das Analysehaus Partner in Life (PiL) hat die strengeren Vorgaben infolge der IDD-Umsetzung nun zum Anlass genommen, die Wertmitteilungen der Versicherer nach ihrer Transparenz abzuklopfen. Ausgerechnet der Branchenprimus Allianz Leben landet dabei im Gesamtranking mit einem Transparenzscore von 28,8 Prozent auf dem letzten Platz, so berichten die Analysten in einem heutigen Pressetext. Für die Gesamt-Transparenz werteten die Studienmacher die Wertmitteilungen von 38 Gesellschaften auf insgesamt 41 Kennzahlen aus. Die Versicherer repräsentieren einen Marktanteil von über 90 Prozent.

Vor allem die variablen Anteile am Rückkaufswert würde der Marktführer äußerst intransparent ausweisen. Diese variablen Anteile könnten den Wert eines Vertrages aber deutlich mildern: beim Rückkaufswert, wenn der Versicherungsnehmer den Vertrag vorzeitig kündigt, um bis zu elf Prozent. Und bei der Ablaufleistung um bis zu 15 Prozent des angesparten Guthabens.

Konkret weise die Allianz Leben keinerlei variable Anteile am Rückkaufswert des Vertrages aus, kritisieren die Tester. Gegenüber früheren Standmitteilungen habe sich die Transparenz bei Deutschlands größtem Anbieter gar verschlechtert. So würde nur die Ablaufleistung eines weit in der Zukunft liegenden Momentes genannt - Angaben, mit denen selbst Experten wenig anzufangen wüssten.

Transparenz der Standmitteilungen von Lebensversicherern nach Interpretation von PiL. Quelle: Partners in Life

Das schlechte Abschneiden der Allianz hat die Analysten selbst überrascht, so berichtet Dean Goff, Vorstand der Pil. Gegenüber den Vorjahren sei sogar ein Rückschritt zu beobachten. Insgesamt gut ein Drittel der Versicherer würden ordentliche und gut nachvollziehbare Wertmitteilungen versenden und die gesetzlichen Vorgaben weitestgehend erfüllen. Aber von einem einheitlichen Standard in Sachen Vergleichbarkeit und Verständlichkeit sei der Markt noch weit entfernt.

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„Der Gesetzgeber will den Versicherungskunden in die Lage versetzen, überprüfen zu können, ob die meist vor vielen Jahren abgeschlossenen Verträge noch zum aktuellen Bedarf passen“, berichtet Goff. „Manche Wertmitteilungen vermitteln nur eine unverständliche oder unvollständige Antwort auf diese Frage. Die geltenden Regelungen werden allzu oft sehr eng ausgelegt und erwecken eher den Eindruck, so wenig wie möglich Rückschlüsse auf die Wertentwicklung zulassen zu wollen.“