Im umkämpften Kfz-Versicherungs-Geschäft arbeiten viele Versicherer nicht profitabel. 17 der 50 größten Kfz-Versicherer haben eine Schaden-Kosten-Quote bzw. Combined Ratio von mehr als 100 Prozent. Das bedeutet, die Gesellschaften geben in der Sparte mehr für Schäden und andere Kosten aus, als sie an Brutto-Beiträgen einnehmen. Das zeigt der aktuelle Branchenmonitor Kfz-Versicherung der V.E.R.S. Leipzig GmbH und des Marktforschers YouGov.

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Ausgewertet wurden für die Studie die BaFin-Berichte der Jahre 2015-2017 sowie das Statistische Jahrbuch 2018 des Branchenverbandes GDV. Sie deckt 88 Prozent des Marktes ab.

Auch der Marktführer HUK-Coburg leicht im Minus

Die Auswertung zeigt erneut, dass viele Versicherer auf dem umkämpften Kfz-Versicherungsmarkt auch Verluste akzeptieren, um mit niedrigen Prämien Neukunden zu werben. So steckte im untersuchten Zeitraum 2015-17 auch der Branchenführer leicht in den roten Zahlen: die HUK-Coburg mit aktuell rund 11,7 Millionen versicherten Autos. Die Franken wiesen eine Combined Ratio von 100,2 Prozent aus. Hierbei gilt es aber zu bedenken, dass Autoversicherungen als eine Art Türöffner beim Kunden funktionieren, um auch Verträge anderer Sparten zu bewerben.

Der Spitzenreiter unter den Kosten-Prämien-Losern ist aber die Basler Sachversicherung mit 109,04 Prozent. Auf Rang zwei folgt ein Direktversicherer aus München: die Allsecur weist eine Schaden-Kosten-Quote von 108,23 Prozent aus. Auch auf dem dritten Platz landet ein Versicherer, der ausschließlich das Online-Geschäft betreibt: die Axa easy mit 107,06 Prozent. Weil sich die R+V Direkt auf Rang vier platziert (106,2 Prozent), bleibt festzuhalten: unter den fünf verlustreichsten Versicherern sind allein drei Direktanbieter.

Ebenfalls verlustreich werkelt die Ergo mit einer Schaden-Kosten-Quote von 105,11 Prozent. Dahinter platzieren sich die DEVK (104,8 Prozent), Cosmos (104,63 Prozent), Oldenburgische Landesbrandkasse (104,37 Prozent), Barmenia (104,07), Deutsche Allgemeine (103,59), Nürnberger (103,35), Mannheimer (103,34), Alte Leipziger (103,06), BGV (102,79) und Signal Iduna (102,26).

Branche leicht im Soll

Immerhin: Mit einer durchschnittlichen Combined Ratio von 99,26 Prozent ist die Branche leicht im Plus. In den Jahren von 2010 bis 2013 steckte die Kfz-Sparte sogar durchgehend in den roten Zahlen, wie aus Zahlen des GDV-Verbandes hervorgeht. Rekordhalter waren die Jahre 2010 und 2011, als der Branchenschnitt jeweils bei 107,04 Prozent lag.

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Der Hintergrund: Je geringer die Schaden-Kosten-Quote, desto profitabler arbeiten die Unternehmen. Ist die Quote hingegen größer als 100 Prozent, so wird im eigentlichen Versicherungsgeschäft Verlust gemacht. Oft muss dann die Sparte durch andere Sparten querfinanziert werden: Auf Dauer aber belastet dies die Bilanzen der Versicherer. Der Preiskampf wird dadurch befeuert, dass speziell in der Kfz-Sparte die Kunden vermehrt im Internet über Vergleichsportale ihre Versicherung abschließen: diese Portale werben vor allem mit einer potentiellen Kostenersparnis. Der Branchenmonitor kann kostenpflichtig auf der Webseite der V.E.R.S. Leipzig GmbH bestellt werden.