Es ist ein wahres Kleinod, das die Generali direkt am Starnberger See besitzt. Ein modernes Schulungs- und Begegnungszentrum, dort, wo Windsurfer und Standpaddler urlauben, aber auch eine traumhafte Natur mit jahrhundertealten Bäumen zu finden ist, Siebenschläfer und Spechte. Seit 1974 bereits betreibt die Generali hier ihre Akademie, die Webseite wirbt mit einem „lebendigen und offenen Ort der Begegnung und des Austausches“. Neben Tagungs- und Hotelräumen lockt auch eine Kegelbahn, ein Hallenbad und eine urige Kneipe die Gäste an.

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Doch nun soll Schluss sein mit dem Bildungsidyll. Wie die Süddeutsche Zeitung am Freitag berichtete, will die Generali ihre Akademie dichtmachen. Nach einem Beschluss des multinationalen Konzerns soll es dort keinen Betrieb mehr geben, so habe Unternehmenssprecher Stefan Göbel bestätigt. Damit verlieren 14 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz: Ihre Verträge werden aufgelöst.

Bildungseinrichtung „nicht mehr benötigt“

Überraschend ist die Begründung, weshalb sich die Generali von ihrer Akademie trennen will. Das Schulungszentrum werde „nicht mehr benötigt“, zitiert die Süddeutsche den Konzernsprecher. Just zu einer Zeit, wo das IDD-Umsetzungsgesetz Weiterbildungen für Vermittler gesetzlich vorschreibt - und in der Branche die Wichtigkeit des lebenslangen Lernens betont wird? Hier liegt der Verdacht nahe, dass die Akademie den ehrgeizigen Sparplänen von Generali-Chef Philippe Donnet zum Opfer fällt.

Donnet hat der Deutschland-Tochter der Generali einen radikalen Konzernumbau verordnet - und schreckt auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück. Für einen medialen Aufschrei sorgte etwa, dass die Generali rund vier Millionen hochverzinste Lebensversicherungen der Generali Leben an einen externen Run-off-Versicherer verkaufen will: die Viridium Gruppe (der Versicherungsbote berichtete). Es geht um Anlagen im Wert von 42 Milliarden Euro, Verbraucherschützer warnen vor einem massiven Vertrauensverlust.

Darüber hinaus sollen sich rund 2.800 frühere Ausschließlichkeitsvertreter der Generali der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) anschließen und agieren fortan als freie Handelsvertreter. Der Umbau des Vertriebs steht kurz vor dem Abschluss. Auch die traditionsreiche Marke AachenMünchener will die Generali einstampfen, obwohl sie hierzulande weit bekannter ist als die Generali selbst. Donnet begründet dies damit, dass die Generali nicht in Konkurrenz zu eigenen regionalen Marken treten wolle (der Versicherungsbote berichtete).

Bereits Interessent für Areal der Generali-Akademie

Für die Immobilie am Starnberger See hat sich aber bereits ein erster Interessent gemeldet, so berichtet die „Süddeutsche“. Die Klinik Höhenried denke über einen Kauf des 8.500 Quadratmeter großen Geländes nach. Offizielle Gespräche sollen in Kürze folgen, so habe Generali-Sprecher Göbel bestätigt. Bis zum Ende des Jahres sollen noch interne Schulungen sowie Veranstaltungen von externen Firmen auf dem Gelände stattfinden.

Die Klinik Höhenried ist ein Reha-Anbieter der Deutschen Rentenversicherung. Speziell präventive Maßnahmen für kleine und mittlere Betriebe könnten fortan auf dem Gelände der Generali Akademie angeboten werden, erklärte Geschäftsführer Robert Zucker dem Münchener Blatt: Seit 2014 gibt es einen Rechtsanspruch auf Prävention, um die Erwerbsfähigkeit zu erhalten. „Der Bedarf ist riesig“, so Zucker. Zu den aktuell 120 Betten des Klinikums würden sich weitere hundert hinzugesellen.

Generali investierte in vergangenen Jahren in Zentrum

Überraschend kommt das Aus für die Akademie auch für Josef Steigenberger, Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Bernried. Noch in den letzten Jahren habe der Versicherer in das Gelände investiert, Zimmer und Hauptgebäude seien erst kürzlich saniert worden. Folglich ist dem Politiker um mögliche Käufer nicht bang.

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Der Verkauf des Geländes kann aber eine einfache Ursache haben. Auch die Deutsche Vermögensberatung unterhält mehrere Schulungszentren, der Vertrieb investiert nach eigenen Angaben jährlich 50 Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter*innen. Wenn nun die Ausschließlichkeit der Generali fast geschlossen zu der DVAG wechselt, ist das Kleinod am Starnberger See wohl tatsächlich verzichtbar.