Die Versicherungsbranche hat einen eklatanten Nachwuchsmangel - nur etwa jeder zehnte Mitarbeiter der Versicherer ist nach Zahlen des Arbeitgeberverbandes der Versicherer (AGV) 30 Jahre oder jünger. Doch am Gehalt kann dies nicht liegen. Denn ein vollzeitbeschäftigter Erwerbstätiger, der bei einer Versicherung, Rückversicherung oder Pensionskasse angestellt ist, verdient überdurchschnittlich gut. Das zeigen aktuelle Quartalszahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

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5.138 Euro verdienten Versicherungsangestellte durchschnittlich brutto im Monat, wenn man das erste Quartal 2018 als Maßstab nimmt. Das ist ein Drittel mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer über alle Branchen gerechnet. Demnach erzielten abhängig Beschäftigte in Vollzeit in der Gesamtwirtschaft einen durchschnittlichen Bruttolohn von 3.808 Euro im Monat. Auf die Zahlen macht heute das Versicherungsjournal aufmerksam.

Sonderzahlungen, Zuschläge für Feiertags- oder Nachtarbeit, Essenszuschüsse sowie Beiträge des Arbeitgebers zur Entgeltumwandlung sind hierbei noch nicht einmal eingerechnet. Und: Die privaten Versicherer zahlen ihren festangestellten Mitarbeitern im Schnitt auch mehr als Banken oder die gesetzliche Sozialversicherung. Bei Banken konnte man durchschnittlich 5.057 Euro im Monat verdienen, rund 1,6 Prozent weniger. Die Sozialversicherung zahlte ihren Mitarbeitern gar nur 4.093 Euro im Schnitt, was aber immer noch mehr ist als im Bundesschnitt aller Branchen.

Frauen verdienen deutlich weniger

Fakt ist aber auch: Zwischen Männern und Frauen besteht immer noch eine große Lohnlücke. Männer, die in Vollzeit arbeiten, erhalten von den Versicherern 5.601 Euro brutto, Frauen nur 4.412 Euro. Das sind mehr als ein Fünftel weniger. Einen Grund nennt das Statistische Bundesamt hierfür nicht, dieser ergibt sich aber aus anderen Zahlen. So sind Frauen nur zu zehn Prozent in den Vorständen der Versicherer vertreten, so ergibt sich aus AGV-Daten, obwohl sie in der Regel gleichsam gut qualifiziert sind. Auch im mittleren Management stellen Männer die Mehrheit.

In der Regel hoch qualifizierte Jobs

Bei den Branchenzahlen gilt es zu bedenken, dass bei den Versicherern überwiegend qualifizierte Tätigkeiten vergütet werden. Fast ausschließlich beschäftigen die Versicherer Mitarbeiter, die sich nach Kategorisierung des Statistischen Bundesamtes als „leitende Angestellte“, „herausgehobene Fachkräfte“ (verfügen über herausgehobene Qualifikationen sowie jahrelange Berufserfahrung) oder „Fachkräfte“ klassifizieren lassen.

Lediglich ein Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lässt sich hingegen den „angelernten Arbeitnehmern“ oder „ungelernten Arbeitnehmern“ zurechnen, wo in der Regel schlecht bezahlte Hilfstätigkeiten verrichtet werden. Selbst bei den Ungelernten ist der Bruttolohn mit durchschnittlich 2.480 Euro im Monat höher als im Schnitt anderer Branchen.

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Warum aber der Nachwuchsmangel trotz des guten Verdienstes? Hier fällt auch der Blick auf sogenannte weiche Faktoren, also Vertrauen, Anerkennung und Betriebsklima in der Branche. Ein tendenziell negatives Image der Versicherungswirtschaft, hoher Erfolgsdruck und zunehmende Arbeitsverdichtung bei den Versicherern sowie die häufigen Schlagzeilen über gestrichene Stellen tragen dazu bei, dass viele Stellen unbesetzt bleiben (der Versicherungsbote berichtete).