Wenn Anhänger der Riester-Rente auf die Zahlen schauen, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) am Montag vorgelegt hat, kann ihnen angst und bang werden. Noch nie seit ihrer Einführung im Jahr 2001 hat sich der Vertragsbestand derart schwach entwickelt wie im Jahr 2017. Die Riester-Rente zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen - und das gilt vor allem für die Versicherer.

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In Summe Miniwachstum des Bestandes, doch die Versicherungen verlieren

In konkreten Zahlen: Zwar stieg der Vertragsbestand auch 2017 leicht an, unter dem Strich stand netto ein Plus von circa 23.000 Verträgen. Der Gesamtbestand an Riester-Verträgen beziffert sich damit auf 16,593 Millionen Policen. Doch dies war der schwächste Zuwachs, der je erzielt wurde. Noch im Vorjahr, das ebenfalls als Krisenjahr für Riester galt, konnte der Vertragsbestand um 83.000 Verträge wachsen, 2015 gar um 196.000 Verträge.

Besonders kriselt es bei den Riester-Versicherungen. Denn hier ist der Nettoneuzugang sogar streng genommen ein Nettoabgang. Der Vertragsbestand sank von 10,931 Millionen Verträgen auf 10.867 Millionen. Allerdings musste rückblickend auf frühere Jahre der Vertragsbestand korrigiert werden, so dass der Vertragsbestand für 2016 um fast 30.000 Verträge höher ausfiel als in früheren Statistiken, so geht aus einer Fußnote hervor. Nähere Erläuterungen hierzu fehlen. Auch der Bestand an klassischen Banksparverträgen sackte ein: von 774.000 auf 726.000. (siehe Tabelle).

Entwicklung der Riester-Verträge 2001-2017, Bestand in Tausend. Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Wohn-Riester und Fondssparpläne wachsen weiter

Aber es gibt auch Positives zu vermelden: so zeigt der Trend bei Riester-Fondssparplänen nach oben. Hier konnten 60.000 Neuverträge hinzugewonnen werden, so dass nun 3,233 Millionen Policen im Bestand sind. Ursachen, weshalb gerade dieser Bereich wächst, nennt das Bundesministerium nicht. Es ist aber zu vermuten, dass im Niedrigzins auch bei Riester eher Policen von den Anbietern beworben werden, die statt klassischer Garantieprodukte stärker auf die Ertragschancen von Aktien- und Investmentfonds setzen.

Ebenfalls ein Plus gab es erneut bei Wohn-Riester, wo seit Jahren eine wachsende Nachfrage zu beobachten ist. Der Vertragsbestand wuchs auch 2017 netto um rund 70.000 Policen.

Wie viele Personen riestern? Es fehlen weiterhin wichtige Daten

Die Bundesregierung hat weiterhin keine exakten Daten dazu, wie viele Menschen überhaupt riestern. Auf der Webseite des Bundesarbeits- und Sozialministeriums heißt es hierzu: "Die Zahl der Verträge lässt keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Anzahl der Personen zu, die laufend einen Riester-Vertrag "besparen" und eine staatliche Förderung erhalten. Dies liegt daran, dass eine Person mehrere Riester-Verträge abschließen kann oder Verträge auch dauerhaft ungefördert bleiben können, zum Beispiel, wenn sie von einer nicht förderberechtigten Person abgeschlossen werden."

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Auch die Zahl der ruhend gestellten Verträge kann das Ministerium nur schätzen. Das sind Policen, bei denen der Sparer aktuell in der Ansparphase keine Beiträge mehr zahlt und folglich auch nicht gefördert wird. Der Vorteil: alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, wenn die Person später den Riester-Vertrag wieder in Kraft setzen will. Der Anteil der ruhend gestellten Riester-Verträge wird auf gut ein Fünftel geschätzt.