Im letzten Quartal des Vergleichsjahres 2014 sei der Nettoneuzugang zwischen Oktober und Dezember noch doppelt so groß ausgefallen, schreibt das VersicherungsJournal. Der aktuelle Zuwachs bei den Versicherungen durch 36.000 mehr Policen reiche allerdings nicht aus, um auch auf das Gesamtjahr gesehen in ein Plus zu kommen, heißt es hier auch. Dies zeigen die gestern vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichten Riester-Jahreszahlen.

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Weniger Riester-Versicherungen in 2015, deutliches Plus bei Wohn-Riester

Die Statistik des Bundessozialministeriums weist separat die Entwicklung von Riester-Versicherungen, Riester-Banksparverträgen, Riester-Fondsverträgen sowie Wohnriester aus. Schaut man sich die einzelnen Sparten an, zeigen sich deutliche Unterschiede.

Rückläufig ist die Zahl bei den Riester-Rentenversicherungen. Während die Versicherungsbranche 2014 noch 11.033.000 Versicherungsverträge verwaltete, waren es in 2015 nur noch 10.989.000 Verträge. Das bedeutet ein Minus von 4.000 Verträgen. Laut GDV befinden sich mittlerweile etwa 50.000 Riester-Versicherungssparer der „ersten Stunde“ in der Rentenauszahlungsphase.

Entwicklung der privaten Altersvorsorge 2001-2015. Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Banksparverträge büßen auch ein

Ebenfalls mit Verlusten: die Banksparverträge. Auf Jahressicht sind zehntausend weniger Banksparverträge abgeschlossen wurden. Bei den anderen Sparten gab es leichte Steigerungen. Die Riester-Investmentfonds konnten ca. 50.000 Policen hinzugewinnen, so dass nun 3,125 Millionen Fondsverträge im Besitz der deutschen Sparer sind. Wie in den Quartalen zuvor boomte vor allen die Wohn-Riester-Variante. Bei den Eigenheimrenten konnten 190.000 Verträge hinzugewonnen werden (1.564 Millionen).

Bei Wohn-Riester, die seit 2008 die Palette der Riester-Varianten ergänzt, fließen die Zulagen nicht in eine klassische Rentenversicherung, sondern in die Tilgung der Immobilienfinanzierung. Dahinter steht die Idee, dass die eigene Immobilie eine Altersvorsorge darstellt, da sie mietfreies Wohnen im Alter sichert. Die Fördersätze entsprechen denjenigen bei den anderen Riester-Formen. Die Vorsorge-Sparer müssen vier Prozent des Vorjahreseinkommens jährlich zur Tilgung des Wohnriester-Darlehens aufwenden, damit sie die volle staatliche Förderung erhalten. So erhöht die Wohn-Riester-Variante ihren Anteil an den zum Jahresende 16,482 Millionen gesamten Riester-Verträgen auf 9,5 Prozent.

Kritik aus der Politik

Wie weiter mit der staatlich geförderten Altersvorsorge? Die Erholung des Bestandes im vierten Quartal lässt die Branche hoffen, doch die Kritik an dem Modell wächst. Erst jüngst hat CSU-Chef Horst Seehofer die Riester-Rente für gescheitert erklärt. Der Grund: Für viele Menschen seien die Verträge nicht attraktiv genug, weshalb sie nicht privat vorsorgen würden. Deshalb würde Riester das Abrutschen vieler Menschen in die Altersarmut begünstigen (Versicherungsbote berichtete). Zuvor übte bereits Karl-Josef Laumann (CDU) Kritik an dem Modell (Versicherungsbote 07. April 2016).

Auf die Äußerungen von Seehofer reagierte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit einer Stellungnahme. „Die Riester-Rente ist keineswegs gescheitert. Es gibt 16 Millionen Verträge seit Einführung 2002! Sie ist und bleibt ein wichtiger Baustein der Ergänzungsvorsorge. Und als solcher war sie auch erfolgreich“, erklärte Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, in einer am Sonntag veröffentlichten Pressemeldung.

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Ähnlich hat sich auch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) geäußert: „Wir teilen überhaupt nicht die Kritik, dass die Altersvorsorge via Riester die Erwartungen nicht erfüllt hat“, ließ sich BVK-Präsident Michael H. Heinz in einer Verbandsmeldung zitieren. Innerhalb weniger Jahre hätten es die deutsche Versicherungswirtschaft und die Vermittlerschaft geschafft, weit über 16 Millionen Menschen von dem Nutzen der Riester-Rente zu überzeugen. Da könne man nicht behaupten, dass diese wichtige Säule der Altersvorsorge nichts gebracht habe.

versicherungsjournal.de, versicherungsbote.de