Die französische Axa will auf dem nordamerikanischen Versicherungsmarkt ein Branchenschwergewicht aufkaufen. Dieses hört auf den Namen XL Group, ist im Sach- und Rückversicherungsgeschäft aktiv, auf der Steueroase Bermudas beheimatet und erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz vor Steuern von 11,2 Milliarden US-Dollar (rund 9,07 Milliarden Euro). Der Kauf sei eine einmalige strategische Gelegenheit, sagte Axa-Chef Thomas Buberl am Montag laut „Reuters“.

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Thomas Buberl ändert Konzernpolitik

Die Übernahmepläne sind in mehrfacher Hinsicht überraschend. So hatte Thomas Buberl großen Übernahmen bisher stets eine Absage erteilt und rückt damit von seiner bisherigen Firmenpolitik ab. Seit eineinhalb Jahren ist der gebürtige Rheinländer Chef der französischen Axa Group. Doch auch seine Vorgänger zeigten sich wenig engagiert, wenn es um Zukäufe im ganz großen Stil ging. Der letzte große Coup der Axa liegt bereits zwölf Jahre zurück: 2006 übernahm man den Schweizer Versicherer Wintherthur für damals 8,9 Milliarden Euro.

Zum anderen hatte der Konzern prominente Konkurrenz: Auch die Allianz soll an der XL Group interessiert gewesen sein, man verhandelte laut Medienberichten bereits über einen Kauf. Allianz-Chef Oliver Bäte habe noch vor wenigen Tagen auf der Jahrespressekonferenz der Münchener gesagt, der Preis für die XL Group sei noch zu hoch, berichtet "Versicherungswirtschaft heute". Doch es galt in Branchenkreisen als sehr wahrscheinlich, dass die Allianz den nordamerikanischen Wettbewerber übernimmt.

Axa könnte weltweite Nummer 1 im Firmengeschäft werden

Nun hat sich also die Axa durchgesetzt – und könnte damit die Kräfteverhältnisse auf dem Weltmarkt neu regeln. In der Sachversicherung mit Firmenkunden könne der französische Versicherer nach Beitragseinnahmen zum Weltmarktführer aufsteigen, so warb Buberl laut „Reuters“ für den Kauf der XL Group.

Allein die Prämieneinnahmen im Schaden- und Unfallgeschäft mit Gewerbekunden würden sich durch den Zukauf künftig auf 30 Milliarden Euro summieren. Ein weiterer Vorteil: Die Axa kann sich stärker auf das Rückversicherungsgeschäft konzentrieren, um nicht mehr so abhängig zu sein vom kriselnden Geschäft mit Lebensversicherungen und der Vermögensverwaltung.

Zwar wurde speziell das Rückversicherungs-Geschäft zuletzt durch Naturkatastrophen wie die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria massiv belastet. Knapp 112 Milliarden Euro mussten die Rückversicherer im Jahr 2017 für versicherte Naturkatastrophen zahlen, so viel wie nie zuvor. Aber zugleich steigt auch die Bereitschaft vieler Unternehmer, sich mit Versicherungen gegen derartige Risiken abzusichern. So geht unter anderem die Ratingagentur Fitch davon aus, dass in Schwellenländern die Nachfrage nach Gewerbe- und Rückversicherungen ansteigen wird, etwa im Asien-Pazifik-Raum. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sind dort die Firmen vergleichsweise schlecht abgesichert.

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Gerade in aufstrebenden Schwellenländern könnte die Axa von der XL Group profitieren. Der Rückversicherer ist in mehr als 140 Staaten aktiv, darunter in Latein- und Mittelamerika, in vielen arabischen Staaten und auch in Afrika. Ein weiteres wichtiges Segment hierbei: die boomende Manager-Haftpflicht beziehungsweise D&O-Versicherung.

Reuters