CDU, CSU und SPD beraten weiterhin über eine Neuauflage der Großen Koalition - und haben nun eine Korrektur der Riester-Rente ins Auge gefasst. Wie das Handelsblatt am Freitag aus Verhandlungskreisen berichtet, wollen die Koalitionäre das Gespräch mit der Versicherungswirtschaft suchen. Das Ziel: zügig solle ein „attraktives, standardisiertes Riester-Produkt“ etabliert werden, das möglichst wenig kosten soll.

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Am Drei-Säulen-Modell wollen die Koalitionäre aber festhalten, heißt es weiter aus Verhandlungskreisen. Demnach sollen betriebliche und private Altersvorsorge wichtige Stützen des deutschen Rentenmodells bleiben und entsprechend von der Politik gefördert werden.

Kleinere Reformen bei der Riester-Rente hat die Bundesregierung schon zum Jahreswechsel 2018 angeschoben. Die Grundzulage ist von 154 auf nun 175 Euro angehoben worden. Darüber hinaus wurde ein Grundfreibetrag für Geringverdiener eingeführt, der vor dem Zugriff der Sozialämter geschützt ist, wenn Vorsorgesparer auf Grundsicherung im Alter nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch angewiesen sind. Dieser Grundfreibetrag beträgt derzeit maximal 208 Euro im Monat (der Versicherungsbote berichtete).

Zuletzt erneut Kritik an Riester

Mit dem Basisprodukt reagieren die angehenden Koalitionäre auf die teils massive Riester-Kritik, die in den letzten Monaten wieder aufgeflammt ist. Zu teuer, zu intransparent, für den Verbraucher schwer zu verstehen: so lässt sich diese Kritik zusammenfassen.

Unter anderem hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die hohen Effektivkosten der Verträge bemängelt. Bis auf wenige Ausnahmen würden Produkte angeboten, “die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen”, positionierte sich der Dachverband der Verbraucherzentralen in einem Pressetext.

Die Effektivkosten geben an, um wie viel Prozentpunkte die Kosten eines Vertrages dessen Rendite schmälern. Die Kennziffer bezieht alle Kostenpunkte ein, also neben den Verwaltungskosten auch die Vertriebs- und Abschlusskosten sowie die Fondskosten bei entsprechenden Policen.

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Eine Studie der Verbraucherzentralen hatte ergeben, dass die Bundesregierung in Modellrechnungen teils deutlich niedrigere Kosten annimmt, als die Branche tatsächlich ausweist. Bei zwölfjähriger Laufzeit des Riester-Vertrages liegen die durchschnittlichen Effektivkosten um 52 Prozent über der staatlichen Modellrechnung, bei 40 Jahren Laufzeit gar um 155 Prozent höher. Die Branche wehrte sich gegen die Kritik mit dem Argument, dass die Effektivkosten nur die maximalen Kosten pro Vertrag angeben: Was der Verbraucher letztendlich zahlt, kann deutlich günstiger ausfallen (der Versicherungsbote berichtete).