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Insurtechs und Start-ups

Der digitale Sachversicherungsmarkt – eine Herkulesaufgabe

Klassische Rundum-Lösungen sind dem Verbraucher manchmal lieber als sich aktiv mit dem Thema Versicherungen zu beschäftigen (Symbolbild).subarashii21 / istockphoto.com

Wie die neuen Versicherungsanbieter die Verbraucher wieder für die Branche begeistern wollen, erklärt Wolff Graulich, Vorstand der digitalen Versicherungsplattform Element, in seinem Gastkommentar.

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Die Versicherungswirtschaft war eine traditionelle Branche: Viele Versicherer und Vertriebe hatten sich auf einen Markt eingestellt, der sich viele Jahrzehnte lang kaum verändert hat. Wie in anderen Branchen zeichnete sich jedoch seit einiger Zeit ab, dass die Digitalisierung auch Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft haben würde. Dies ist insbesondere in der Vermittler-Welt spürbar. Verändertes Kundenverhalten, der gestiegene Kostendruck und die vielfältigen regulatorischen Anforderungen machen es erforderlich, interne Prozesse auf Digitalisierungsmöglichkeiten zu überprüfen und entsprechende Potenziale auszuschöpfen.

Wie die neuen Versicherungsanbieter die Verbraucher für die Branche begeistern.Wie die neuen Versicherungsanbieter die Verbraucher für die Branche begeistern.Wolff Graulich, Vorstand der Digitalen Versicherungsplattform Element.(c) ElementInsurTechs wie beispielsweise der digitale Versicherungsmakler Clark sind angetreten, sich dieser Themen, vor allem auf Kundenseite, anzunehmen. Von der Art und Präsentation der Versicherungsprodukte über die Behandlung von Vertragsfragen bis zur digitalen Verwaltung von Versicherungsverträgen soll die traditionelle Branche neuen Kundenbedürfnissen angepasst werden. Die Kunden von Amazon & Co. kennen es längst: Individualität, Verfügbarkeit und Bequemlichkeit.

Allerdings stoßen die jungen und technologiebasierten Marktteilnehmer auf Probleme, die sie alleine nicht lösen können. Ein digitaler Internetauftritt beim Kunden ist nutzlos, wenn der dahinter agierende Versicherer nicht selbst die nötigen digitalen Voraussetzungen erfüllt. Ein Beispiel: Ein InsurTech, bei dem Kunden ihre, zu versichernden, Objekte digital erfassen lassen können, wird dennoch enttäuschen, wenn der Versicherungspartner den Risikoschutz nur mit langer Verzögerung und mit analogen Kommunikationsmitteln liefert – wenn er so ein Produkt überhaupt technisch darstellen kann.

Auch wenn Partner interessante Kundendaten in ihrer Verwaltung vorhalten, kann mit diesen Daten nicht in hoher Frequenz beim Versicherer gerechnet und beim Abschluss direkt die Police generiert und in die Kundenverwaltung des Partners zurückgespielt werden. Bei Bestand und Schaden ist der Rückstand noch größer. Insgesamt sorgt die mangelnde technische Integration zwischen Vertriebspartnern und Versicherern dafür, dass die kundenfreundlichen Ansätze digitaler Vermittler sich zu häufig nicht auf der Kundenseite niederschlagen – von den resultierenden internen Verwaltungsaufwänden ganz abgesehen.

Daher ist es wichtig, dass auch auf der Seite der Risikoträger neue Versicherer aktiv sind, um dort das 21. Jahrhundert einzuläuten. Denn diese Unternehmen zahlen auf die Geschäftsmodelle der digitalen Vermittler ein und legen eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung der gesamten Versicherungslandschaft.

Ein großes Problem dabei: Die deutschen Verbraucher haben sich von Versicherungen entfremdet. Viele kaufen sich mit hohen Beiträgen für klassische Rundumlösungen davon frei, sich mit dem Thema aktiv zu beschäftigen und verbannen die Policen schnell “für immer” in die Schublade. Das Einerlei in der klassischen Produktentwicklung durch Optimierung gegen Vergleicher-Rankings statt gegen Kundenbedürfnisse tut sein Übriges. Vor allem InsurTechs und einige digital orientierte Vermittler gehen die Herkulesaufgabe an; mit neuen Produktideen, neuen Pricing-Modellen und auch einfach mit frischem und unkonventionellem Marketing den Verbrauchern wieder die Sinnhaftigkeit und Einfachheit (!) einer Beschäftigung mit dem Thema nahezubringen – auch wenn es niemals “sexy” sein wird.

So bietet der digitale Makler Clark seinen Kunden zum Beispiel nicht nur eine komplette Übersicht seiner Versicherungen, sondern lässt ihn auch bequem per App oder Website Policen ändern und optimieren – egal wann, egal wo. Friendsurance macht Versicherung zu einem digitalen Gruppen-Projekt, in dem Versicherte als Gruppe, kleinere Schäden gegenseitig auffangen. Auch hier können Nutzer Schäden digital melden. Bei Anbietern wie Snapsure arbeitet künstliche Intelligenz daran, dem Kunden einen schnellen Versicherungsservice zu bieten: Per Bild-Erkennung macht das InsurTech Angaben über die Versicherungssumme eines Gegenstands. Das sind nur einige Beispiele von einer großen Gruppe an digitalen Playern auf dem Versicherungsmarkt, die den Endkunden ein neues Versicherungserlebnis bescheren.

Doch damit ist das Ende der digitalen Bewegung noch nicht erreicht. Die Digitalisierung der Versicherungswirtschaft wirkt nicht in Teilen und ohne Kooperation; sie kann nur mit einem ganzheitlichen Ansatz dazu führen, kundenseitige Vorbehalte abzubauen und den Markt für alle Beteiligten wieder attraktiver zu gestalten. Risikoträger und Vertriebe müssen Hand in Hand arbeiten. Individuell, verfügbar, bequem; dass dies auch für Versicherungen möglich ist, müssen wir den Verbrauchern noch beweisen.

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Ein Kommentar von Dr. Wolff Graulich

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