Versicherungsbote: Sparten wie Riester oder die Lebensversicherung sehen sich einem Dauerfeuer durch die Medien ausgesetzt. Zudem sind die Zinsen niedrig. Haben wir aktuell gute oder schlechte Zeiten für Finanzberater und Anlagestrategen?

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Tim Bröning: Die Zeiten für Finanzberater und Anlagestrategen sind aktuell mit Sicherheit nicht ideal, aber gut. Die anhaltende Niedrigzinsphase hat die Vermögenspreise stark ansteigen lassen, gleichzeitig sind klassische Anlageprodukte wie Rentenversicherungen, Spareinlagen und die meisten festverzinslichen Wertpapiere deutlich geschwächt. Von Seiten der Kunden besteht allerdings ungebrochen großer Bedarf, die eigenen Ersparnisse rentierlich anzulegen. Das prosperierende globale wirtschaftliche Umfeld bietet dafür gute Chancen. Finanzberatern und Anlagestrategen bietet sich die herausfordernde, aber sehr spannende Aufgabe, den Kapitalmarkt nach den attraktivsten Anlagesegmenten zu sondieren und über Investmentfonds und deren geeignete Zusammenstellung nachhaltige Mehrwerte für ihre Kunden zu schaffen.

Warum führt am Thema Investment für Makler kein Weg vorbei?

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase besteht von Seiten der Kunden nicht nur das Interesse, sondern häufig die Notwendigkeit einer rentierlichen Geldanlage und Altersvorsorge. Da der Kapitalmarkt durchaus gute Chancen im Hinblick auf Renditen bietet und die Kunden mit relativ geringen Kosten an den Entwicklungen partizipieren – kostengünstigere Fonds- und ETF-Anlagen werden immer beliebter –, sind diese in der Regel sehr zufrieden und empfehlen ihre Vermittler daher gerne weiter. So gestaltet sich die Neukundenakquise für Vermittler recht einfach. Wiederkehrende Erträge und ein stornofreies Geschäft sind weitere attraktive Argumente, sich mit dem Thema Investment auseinanderzusetzen.

Sollten Vermittler Finanzanlagen direkt über Fonds oder eher als Fondspolice anbieten? Warum?

Die Finanzanlage direkt über Investmentfonds bietet eine Vielzahl einzigartiger Vorteile. Neben der Möglichkeit, aus über 10.000 am deutschen Markt zugelassenen Investmentfonds auszuwählen, können sowohl breit diversifizierte Fondsdepots als auch sehr dezidierte Anlageideen umgesetzt werden. Dabei können Risikomanagement-Instrumente, wie zum Beispiel Volatilitäts- und Verlustschwellenüberwachung oder auch dynamische Stop-Loss-Limits genutzt werden. Es erfolgt die volle Partizipation an den Ertragschancen der ausgewählten Zielmärkte bei relativ niedrigen Kosten für den Kunden. Vermittler können sich über wiederkehrende Erträge und ein stornofreies Geschäft freuen.

Fonds dürfen seit dem 01. Januar 2015 nur noch von Vermittlern mit Sachkundeprüfung gemäß § 34f GewO verkauft werden. Wie ist die Entwicklung der Vertriebspartner mit 34f-Nachweis?

Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Mit Ablauf der Übergangsphase ohne Sachkundenachweis sank die Anzahl von Finanzanlagenvermittlern nach § 34f GewO kurzzeitig. Seitdem steigt die Anzahl jedoch mit zweistelligen prozentualen Zuwächsen an.

Sollte für die Vermittlung von Fondspolicen auch die Sachkundeprüfung gelten, wie dies unter anderem der Zertifizierungs-Anbieter Financial Planning Standards Board (FPSB) fordert? Warum?

Grundsätzlich ist die Argumentation, dass Vermittler von Fondspolicen eine Sachkundeprüfung nach dem Vorbild des § 34f benötigen, durchaus nachvollziehbar. Besonders im Hinblick darauf, dass Vermittler gegebenenfalls dezidiert auf einzelne in der Police enthaltene Fonds eingehen könnten. Gleichzeitig benötigen Vermittler für die adäquate Beratung ihrer Kunden aber umfangreiche Kenntnisse im Versicherungsbereich, um die einzelnen Tarife und Spezifikationen zu überblicken. Daher nutzen Vermittler häufiger von den Gesellschaften vorbereitete „Basket-Lösungen“, bei denen die gesamte Anlageentscheidung auf einen professionellen Akteur übertragen wird.

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Im Rahmen der Umsetzung der IDD wird sich aufgrund der PRIIPS Verordnung ab Februar 2018 die Vermittlung und der Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten schließlich an die Vorgaben für die Investmentberatung angleichen.